IQB-Bildungstrend

Bayerns Viertklässler im Ländervergleich noch relativ gut


Ein Lehrer steht im Unterricht an der Tafel.

Ein Lehrer steht im Unterricht an der Tafel.

Von dpa

Mathe, Lesen, Zuhören und Rechtschreibung: Einer Studie zufolge können das Bayerns Viertklässler mehrheitlich noch gut. Der Trend geht aber nach unten - bundesweit und auch im Freistaat.

Die Viertklässler im Freistaat stehen in den Fächern Mathe und Deutsch im bundesweiten Vergleich noch gut da. Jedoch geht die Leistungskurve nach unten, wie im gesamten Bundesgebiet. Das zeigt der am Montag bei der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin vorgestellte IQB-Bildungstrend 2021. Aus Sicht von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) ist es dennoch erfreulich, dass Bayerns Grundschüler trotz der Belastungen durch die Corona-Pandemie gute Ergebnisse erzielt hätten. Lehrerverbände fordern mehr individuelle Fördermöglichkeiten für Schüler.

Der Studie nach erreichten im Bereich Rechtschreibung 58,0 Prozent der bayerischen Viertklässler den Regelstandard - mehr als in allen anderen Bundesländern, jedoch weniger als 2016. Damals waren es 67,6 Prozent in Bayern. Bundesweit lag der Wert bei der Rechtschreibung 2021 im Durchschnitt bei 44 Prozent (2016: 53,9 Prozent).

Bei der mathematischen Kompetenz schafften 66,2 Prozent der bayerischen Viertklässler den Regelstandard. Damit rangierten sie im Bundesvergleich knapp hinter ihren Altersgenossen aus Sachsen (66,8 Prozent). Aber auch in Mathe geht der Trend nach unten. 2016 hatten in Bayern noch 73,3 Prozent den Regelstandard erreicht.

Beim Lesen schafften der Studie zufolge 67,7 Prozent der Viertklässler aus Bayern den Regelstandard (2016: 73,9 Prozent) und lagen auch hier auf Augenhöhe mit den Sachsen (2021: 67,3 Prozent).

Die Pisa-Nachfolgestudie überprüft seit 2011 im Fünf-Jahres-Rhythmus die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in den vierten Grundschulklassen anhand eines von der KMK festgelegten Regelstandards. Die jetzt vorgelegte Studie war 2021 erhoben worden und damit noch unter Corona-Bedingungen.

Das ist dem Kultusminister zufolge auch einer der Gründe für die schwächeren Leistungen. Die Schulzeit der Schüler sei damals deutlich geprägt gewesen von phasenweisen Schulschließungen, unterschiedlichen Phasen des Distanz- und Wechselunterrichts oder von Unterricht unter veränderten Bedingungen. Berücksichtigt werden müssten auch die Herausforderungen durch die Zuwanderung.

Einen Baustein, um die Kompetenzwerte wieder zu verbessern, sieht Piazolo in Förderprogrammen. So würden aus Landes- und Bundesmitteln beispielsweise 210 Millionen Euro für ein Programm bereitgestellt, das Schüler frühzeitig dabei unterstütze, während der Pandemie versäumte Inhalte nachzuholen. Das soll etwas über individuelle Förderung und Gruppeneinteilungen innerhalb der Schulklassen laufen. Zudem soll in die Lehrerausbildung investiert werden.

Genau hier setzten Lehrerverbände, SPD und Grüne an. Sie verlangen angesichts der ernüchternden Studienergebnisse verstärkte Förderung.

Die Lehrer vor Ort bekämen täglich mit, was den Kindern fehle und welche Auswirkungen zwei Corona-Jahre hätten, sagte BLLV-Vorsitzende Simone Fleischmann. Besonders betroffen seien Kinder aus sozial schwachen Familien sowie mit Migrationshintergrund. "Wir spüren die Kompetenzdefizite. Wir können es aber nicht auffangen." Es fehle an Lehrern und an Geld. "Wir haben nicht mal pro Klasse einen Profi und sind oft froh, wenn irgendein Mensch vor der Klasse steht."

Statt auf eine Vereinheitlichung der Lehrerausbildung zu setzen, sollte diese weiter differenziert werden, sagte Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes (bpv). Das forderte auch Jürgen Böhm, Vorsitzender des Realschullehrerverbands (brlv). Wichtig sei auch, in den dritten und vierten Grundschulklassen bei den Ziffernoten in den Zeugnissen zu bleiben, so Böhm.

Eine bessere personelle Ausstattung der Schulen forderte die bildungspolitische Sprecherin der Landtags-SPD, Simone Strohmayr: Der aktuelle Lehrermangel dürfe nicht - wie es schon vorkomme - zu Lasten des Förderunterrichtes gehen. Lehrer benötigten auch an anderer Stelle Unterstützung, etwa in Bürokratie und Verwaltung.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Gabriele Triebel, kritisierte, das von Minister Piazolo angesprochene Förderprogramm zum Aufholen der Corona-Versäumnisse komme bei vielen Schülern nicht an. "Die Söder-Regierung darf das Geld hier nicht weiter nach dem Gießkannen-Prinzip verteilen!" Das Geld müsse gezielt an jene Schulen ausgeschüttet werden, die einen höheren Bedarf haben.