Mediengruppe
Attenkofer-Volos erhalten Preis für herausragende Reportagen

Patrick Fuchs/MGA
Die ausgezeichneten Volontäre (v.l.): Julia Rabenbauer, Hannah Sochor, Clio Sailer, Daria Hageneder, Romina Schmid, Katja Bernkopf, Matthias Antholzer und Marie-Kristin Biener. Miriam Graf, stellvertretende Gesamtredaktionsleiterin und Volontärsbeauftragte (rechts), hatte ihnen ihre Urkunden in der Attenkofer-Akademie in Straubing übergeben.
Für ihre herausragenden Multimedia-Reportagen sind neun Nachwuchs-Redakteure der Mediengruppe Attenkofer am Dienstag ausgezeichnet worden. Die Volontäre und Jung-Redakteure hatten die besten Beiträge des Volo-Projekts 2025 verfasst. Ihre Beiträge würdigte Miriam Graf, die stellvertretenden Gesamtredaktionsleiterin, am Dienstagabend in der Medienakademie Attenkofer in Straubing. Die Autoren hatten sich auf Grenzerfahrungen eingelassen, Orte aufgesucht, die sonst nicht zugänglich sind, und verschiedenen Menschen eindrücklich porträtiert.

Patrick Fuchs/MGA
Beim Volo-Tag in der Attenkofer-Akademie trafen sich die Volontäre und Jung-Redakteure der Mediengruppe zu einer Führung durch die Akademie und die anschließende Verleihung der Preise für die ausgezeichneten Beiträge.
Von den insgesamt sechs Projektbeiträgen wählte eine Jury die besten drei aus. Die Juroren waren Elisabeth Geiling-Plötz, Leiterin der Redaktion Cham, Florian Pichlmaier, stellvertretender Redaktionsleiter der Landshuter Landkreis-Redaktion, und Miriam Graf.Dabei bewerteten die Juroren vor allem die Relevanz des Themas, die Innovation der Aufbereitung, die Qualität der Multimedia-Beiträge, den Schreibstil und den Aufwand der Recherche.
Das Volo-Projekt ist Teil der zweijährigen Ausbildung zum Redakteur. Losgelöst vom Redaktionsalltag beschäftigen sich die Volontäre unter Anleitung von erfahrenen Redakteuren mit einem Schwerpunkt-Thema. 2025 war das die Erstellung einer Multimedia-Recherche in der Gruppe. In früheren Projekten war etwa eine Webseite rund um das Volontariat und ein eigener Instagram-Kanal der Volos das Ergebnis des Volo-Projekts.

Sonja Ettengruber
Freuen sich über ein gelungenes Volo-Projekt: Volontäre und Jung-Redakteure der Mediengruppe mit ihren Projektbetreuern.
Um die ausgezeichneten Texte möglichst vielen Lesern zugänglich zu machen, sind sie nun ohne Paywall verfügbar.
Die ausgezeichneten Beiträge sind:
Erster Preis

Patrick Fuchs/MGA
Das Sieger-Team (von rechts): Romina Schmid, Marie-Kristin Biener, Katja Bernkopf und Matthias Antholzer.
„Der letzte Halt“ von Matthias Antholzer, Marie-Kristin Biener, Romina Schmid und Katja Bernkopf.
Die Autoren des besten Beitrags des Volo-Projekts, „Der letzte Halt“, sind ohne Berührungsgrenzen in die Parallelwelt der Obdachlosen und Abhängigen im Park am Regensburger Hauptbahnhof gegangen. Matthias Antholzer, Romina Schmid, Marie-Kristin Biener und Katja Bernkopf machen das Gegenteil der „Normalos“, wie ihr Protagonist Steve alle Nicht-Obdachlosen nennt. Sie gehen hin zu einem Problemort, den alle anderen meiden oder dort durchhasten. Das ist die Aufgabe des Journalismus.
Der Beitrag zeigt: Auch stereotypische Obdachlose und Junkies sind Menschen. Die jungen Autoren erzählen deren Geschichten, die sonst ungehört bleiben. Der Text erzeugt Verständnis, ohne zu verharmlosen.
Das gelingt auch durch eine herausragende Sprache: Jede Szene hat einen Sinn, die Zitate sind gut gewählt und platziert. Sie bewegen. Gleichzeitig macht sich der Text mit den Protagonisten nicht gemein, wahrt die notwendige Distanz.
Insgesamt ist „Der letzte Halt“ eine hervorragende Reportage mit einem mühelosen Stil bei einem so schweren Thema. Die Autorinnen und der Autor haben sich in einer grenzüberschreitenden Erfahrung offen auf Menschen am Rande der Gesellschaft eingelassen und sie zum Reden gebracht. Dabei haben sie Vorurteile abgebaut und Menschlichkeit zugelassen.
Zweiter Preis
„Der Letzte seiner Klasse“ von Clio Sailer, Julia Rabenbauer, Hannah Sochor und Antonia Gönczi.
Die Reportage greift ein gesellschaftlich brisantes Thema, Einsamkeit im Alter, auf und macht es an einem konkreten Menschen fest. So weit, so gut wie im Lehrbuch. Journalismus soll Gefühle erzeugen, auch das heißt es in jedem Lehrbuch. Das gelingt hier. Die Geschichte über Ludwig Schmidt berührt. Jeder Lesende findet sich in dem Text wieder – sei es als Enkelin, als Pflegender oder als Mensch, der in einer ähnlichen Situation lebt.
Das erfordert Können der Autorinnen. Geduld, die Fähigkeit zuhören, sich auf diesen Menschen einzulassen. Stundenlang mit ihm zu sprechen und dann all das Erzählte sinnvoll zu verdichten. Zu wissen, wann seinen Zitaten Raum gegeben werden sollte und wann besser die starke Autorenstimme übernimmt.
Ludwig Schmidt hat sich ihnen geöffnet. Als Lesende lernen wir ihn kennen, kriegen ein gutes Gefühl für ihn, gleichzeitig wird nichts beschönigt. Dem Lesenden wird klar: Das ist kein persönliches Versagen, sondern Ludwig Schmidt steht stellvertretend für viele mit ähnlichem Schicksal. Das wird auch in dem Video deutlich, dass die rührselige Geschichte um das Beispiel von Franz Adolf Kleinrah, der in einer Art Senioren-WG lebt, erweitert. Hier wird ein Lösungsansatz gezeigt - ganz im Sinne eines konstruktiven Journalismus.
Die Reportage ist sprachlich sehr gut und das Video überzeugt mit schönen Bildern, gelungenen Schnitten und einer guten Erzählstruktur. Ein rundum stimmiger und dem Thema angemessener Beitrag, der den zweiten Preis des Volo-Projekts verdient.
Dritter Preis
„Nase voll Brauchtum“ von Daria Hageneder.
Bei dem drittplatzierten Multimedia-Projekt hat der Podcast die Jury am stärksten überzeugt. Er ist atmosphärisch, mit einem tollen Sounddesign und gut erzählt. Hier fallen die besten Zitate und die Vielfalt des Schnupfens kommt hier am deutlichsten zum Ausdruck.
Der Text ist nah dran an den Menschen und vor allem unterhaltsam. Die Autorin verbindet Leichtigkeit mit Relevanz – das ist es, was heute vom Journalismus erwartet wird. Das hilft gegen Nachrichtenmüdigkeit.
Hier gibt es keine Berührungsängste: Die Reporterin stürzt sich ins Leben, auf die Bühne, in den Schnupftabak. Das macht Spaß beim Zuhören und Lesen. Ein bisschen Ekel mutet sie dem Publikum auch zu, etwa bei der unverblümten Beschreibung, wie sich Schmalzler in der Nase anfühlt.
Gleichzeitig kommen auch Reibungen heraus. So steht etwa der Genuss der vier jungen Stammtischler neben dem Ehrgeiz und der Maßlosigkeit im Wettbewerb, bei dem es darum geht, so viel zu Schnupfen wie möglich. Die wirtschaftlichen Interessen der regionalen Firma Pöschl stehen neben der gesundheitlichen Einordnung eines Arztes. Mit einer eigenen Wertung hält sich die Autorin jedoch zurück – die Lesenden können sich selbst eine Meinung zum Schmalzler bilden.
Die gesamte Aufbereitung sprüht vor Kreativität: Mit den Selbstversuchen, dem Hörspiel-Podcast, den lustigen Videos für Instagram. Das Thema hat wunderbares Lokalkolorit und schafft Identifikation in der Region, eine wichtige Aufgabe von Lokalberichterstattung.
In der Recherchephase des Textes haben auch Laura Mies und Anna Obermeier mitgewirkt. Noch vor der Fertigstellung haben beide ihr Volontariat abgeschlossen und die Mediengruppe verlassen.
Alle sechs Texte und Beiträge des Volo-Projekts 2025 findet man gesammelt auf der Themenseite Projekte der Attenkofer-Volos.














