Gewalt

Handgranate auf Flüchtlingsunterkunft als "Anschlag gegen Menschlichkeit"


Ein Modell der Handgranate M52 aus dem ehemaligen Jugoslawien steht am 29.01.2016 in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) während einer Pressekonferenz vor dem leitenden Kriminaldirektor Andreas Stenger vom baden-württembergischen Landeskriminalamt. Unbekannte hatten eine Handgranate dieser Bauart über den Zaun einer Flüchtlingsunterkunft geworfen.

Ein Modell der Handgranate M52 aus dem ehemaligen Jugoslawien steht am 29.01.2016 in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) während einer Pressekonferenz vor dem leitenden Kriminaldirektor Andreas Stenger vom baden-württembergischen Landeskriminalamt. Unbekannte hatten eine Handgranate dieser Bauart über den Zaun einer Flüchtlingsunterkunft geworfen.

Von Monika Müller

Seit Monaten häufen sich in Deutschland Anschläge gegen Flüchtlingsheime. Mit einer Granate im Schwarzwald erreicht die Gewalt eine neue Qualität. Eine entscheidende Frage ist aber offen.

Mit einem Handgranatenanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft im Schwarzwald hat die Gewalt gegen Zuwanderer in Deutschland eine neue Dimension erreicht. Unbekannte warfen in der Nacht zum Freitag den Sprengsatz auf das Gelände der Unterkunft im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen - unklar ist aber, ob die jugoslawische Granate vom Typ M52, eine Kriegswaffe, scharf war und hätte explodieren können. Verletzt wurde niemand.

"Es steht fest, dass sie mit Sprengstoff gefüllt war", sagte Johannes-Georg Roth, Leiter der Staatsanwaltschaft Konstanz. "Ob ein Zünder verbaut war, ist bisher nicht bekannt." Ein Experte des Landeskriminalamtes erklärte, von einer scharfen Granate könne nur gesprochen werden, wenn Sprengstoff und Zünder vorhanden seien. Aus Polizeikreisen hatte es zunächst geheißen, die Granate sei scharf.

Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben in alle Richtungen und schließt ein fremdenfeindliches Motiv nicht aus. Einen konkreten Verdacht gebe es noch nicht. Befragungen in der Nachbarschaft hätten aber den einige Hinweise dazu erbracht, hieß es.

Die Granate wurde von Entschärfern kontrolliert gesprengt. In der Unterkunft leben nach Auskunft des Regierungspräsidiums Freiburg 104 Flüchtlinge aus mehreren Ländern, 39 davon aus Syrien, weitere Flüchtlinge stammten aus Afghanistan, Irak und Albanien.

Die Handgranate sei gegen 1.15 Uhr von der Straße aus über den Zaun in eine Zufahrt des Geländes geworfen worden, sagte der Leiter der Sonderkommission "Container", Rolf Straub. Der Sprengkörper sei neben einem Container des Sicherheitsdienstes liegengeblieben, in dem sich nach Auskunft von Klemens Ficht vom Regierungspräsidium Freiburg drei Sicherheitsleute aufhielten. Die Granate explodierte jedoch nicht. Zwölf Streifenbesatzungen rückten an, die Polizei sperrte das Gelände und angrenzende Straßen weiträumig ab.

Es ist bundesweit der erste Sprengstoff-Angriff auf Flüchtlinge. "Bis jetzt hatten wir zwar mehrere Fälle, in denen Pyrotechnik verwendet wurde", sagte eine Sprecherin des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden. "Dass nun eine Kriegswaffe zum Einsatz gegen eine Flüchtlingsunterkunft kam, ist neu."

Politiker sprachen von einer neuen Dimension der Gewalt. "Also das ist wirklich unfassbar, dass jetzt schon mit Handgranaten - quasi mit militärischen Waffen - auf Asylsuchende losgegangen wird", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. "Die Täter dürfen nicht ungestraft davon kommen", twitterte Bundesjustizminister Heiko Maas.

CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf nannte die Attacke einen "Anschlag gegen die Menschlichkeit". Die Tat müsse mit der ganzen Härte des Rechtsstaates bestraft werden. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck, innenpolitischer Sprecher, bezeichnete die Tat als "Straßenterror" und forderte einen Gipfel im Kanzleramt mit Diskussionen, "die am Wohl und Schutz der Flüchtlinge orientiert sind und nicht nur an deren Abwehr"

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Polizisten sperren am 29.01.2016 vor einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) einen Tatort ab. Unbekannte haben in der Nacht zum Freitag einen Anschlag mit einer Handgranate auf die Flüchtlingsunterkunft verübt. Der Sicherheitssplint war gezogen, die Granate explodierte jedoch nicht. Sicherheitskräfte entdeckten den Sprengkörper rechtzeitig. Entschärfer sprengten die Handgranate.

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Polizisten sperren am 29.01.2016 vor einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) einen Tatort ab. Der Sicherheitssplint war gezogen, die Granate explodierte jedoch nicht. Sicherheitskräfte entdeckten den Sprengkörper rechtzeitig. Entschärfer sprengten die Handgranate.

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Einsatzkräfte der Feuerwehr sichern am 29.01.2016 vor einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) in Schutzkleidung einen Tatort ab. Unbekannte haben in der Nacht zum Freitag einen Anschlag mit einer Handgranate auf diese Flüchtlingsunterkunft verübt. Der Sicherheitssplint war gezogen, die Granate explodierte jedoch nicht. Sicherheitskräfte entdeckten den Sprengkörper rechtzeitig. Entschärfer sprengten die Handgranate.

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Polizisten sperren am 29.01.2016 vor einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) einen Tatort ab. Unbekannte haben in der Nacht zum Freitag einen Anschlag mit einer Handgranate auf diese Flüchtlingsunterkunft verübt. Der Sicherheitssplint war gezogen, die Granate explodierte jedoch nicht. Sicherheitskräfte entdeckten den Sprengkörper rechtzeitig. Entschärfer sprengten die Handgranate.

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Ein Kriminalbeamter der Spurensicherung untersuchz am 29.01.2016 in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) vor einer Flüchtlingsunterkunft den Tatort. Unbekannte haben eine scharfe Handgranate über den Zaun an der Unterkunft geworfen.

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Der Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen Rupert Kubon (SPD, M) informiert sich am 29.01.2016 in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemerg) vor einer Flüchtlingsunterkunft bei Polizeibeamten. Unbekannte haben eine scharfe Handgranate über den Zaun an der Unterkunft geworfen.

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Kriminalbeamte der Spurensicherung untersuchen am 29.01.2016 in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) vor einer Flüchtlingsunterkunft den Tatort. Unbekannte haben eine scharfe Handgranate über den Zaun an der Unterkunft geworfen.

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Kriminalbeamte der Spurensicherung untersuchen am 29.01.2016 in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) vor einer Flüchtlingsunterkunft den Tatort. Unbekannte haben eine scharfe Handgranate über den Zaun an der Unterkunft geworfen.

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Kriminalbeamte der Spurensicherung untersuchen am 29.01.2016 in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) vor einer Flüchtlingsunterkunft den Tatort. Unbekannte haben eine scharfe Handgranate über den Zaun an der Unterkunft geworfen.