Attentat

Fünf Festnahmen nach Anschlag in Istanbul


Mit Tränen in den Augen nimmt eine Frau am Dienstagabend an einer Mahnwache im historischen Viertel Sultanahmet teil. Dort hatte ein Selbstmordattentäter mindestens zehn Menschen in den Tod gerissen.

Mit Tränen in den Augen nimmt eine Frau am Dienstagabend an einer Mahnwache im historischen Viertel Sultanahmet teil. Dort hatte ein Selbstmordattentäter mindestens zehn Menschen in den Tod gerissen.

Von Monika Müller

Einen Tag nach dem Terroranschlag in Istanbul melden die türkischen Behörden die Festnahme von fünf Personen. Laut Bundesinnenminister de Maizière gibt es keinen Hinweis, dass sich der Angriff gezielt gegen Deutsche gerichtet hat.

Nach dem Terroranschlag in Istanbul hat die türkische Polizei fünf Personen festgenommen, die direkte Verbindungen zu dem tödlichen Selbstmordattentat haben sollen. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu gab am Mittwoch die Festnahme von vier weiteren Verdächtigen bekannt, nachdem Stunden zuvor sein Innenminister gemeldet hatte, dass eine verdächtige Person am Dienstagabend festgesetzt worden sei. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes stieg die Zahl der bei dem Anschlag getöteten Deutschen auf zehn.

Bislang waren die Behörden von acht deutschen Opfern ausgegangen. Das Auswärtige Amt teilte mit, die zehn Opfer stammten aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Darunter seien zwei Ehepaare. Bei dem Anschlag wurden auch 15 Menschen verletzt, darunter Deutsche, ein Norweger und eine Peruanerin. Deutschland entsandte Ermittler des Bundeskriminalamts nach Istanbul, um die türkischen Behörden bei den Ermittlungen zu unterstützen.

Die deutschen Opfer waren am Dienstag von einem Selbstmordattentäter vor der berühmten Blauen Moschee in den Tod gerissen worden. In dem Viertel stehen auch der Topkapi-Palast und das Museum Hagia Sophia. Davutoglu bekräftigte am Mittwoch, dass der Attentäter Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat gehabt habe. Allerdings könnten auch andere Kräfte hinter dem Attentat stecken, die den IS ausnutzten, sagte er. Der IS selbst hat sich noch nicht dazu geäußert.

Nach türkischen Angaben war der Attentäter ein 27 oder 28 Jahre alter Syrer. Türkische Medien berichteten, es handle sich um einen Mann, der in Saudi-Arabien geboren wurde. Innenminister Efkan Ala bestätigte, dass der Verdächtige als Flüchtling registriert war. Dabei habe er seine Fingerabdrücke abgegeben, mit denen er jetzt schnell identifiziert worden sei. Der Mann habe aber auf keiner türkischen oder internationalen Fahndungsliste mit IS-Anhängern gestanden.

Türkische Medien berichteten, die Polizei habe ein Haus in einer wohlhabenden Gegend von Istanbul durchsucht und eine Frau festgenommen, die Verbindungen zum IS haben soll. Ob sie die verdächtige Person war, die Ala auf einer Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière ansprach, war aber nicht klar.

Die türkische Polizei nahm am Mittwoch 13 weitere mutmaßliche IS-Extremisten fest, darunter drei Russen. Ob die Festnahmen in direktem Zusammenhang mit dem Anschlag von Istanbul steckten, war zunächst unklar. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, am Dienstag seien 59 Personen in Gewahrsam genommen worden.

De Maizière sagte, es gebe bislang keinen Hinweis darauf, dass die Attacke gezielt gegen Deutsche gerichtet gewesen sei. Von dem Anschlag könne keine Verbindung zum Beitrag Deutschlands im Kampf gegen den internationalen Terrorismus gezogen werden.

Das Attentat hatte sich nur wenige Tage nach Beginn des Einsatzes deutscher Tornado-Aufklärungsflugzeuge ereignet. Diese fliegen über Syrien Einsätze vom türkischen Nato-Stützpunkt Incirlik aus, um den internationalen Einsatz gegen die Terrormiliz IS zu unterstützen. Darüber hinaus unterstützt Deutschland bereits kurdische Kräfte im Kampf gegen den IS im Norden des Iraks.

2015 war die Türkei bereits von zwei schweren Bombenattentaten getroffen worden, die dem IS zugeschrieben wurden. Im Juli wurden in Suruc an der Grenze zu Syrien mehr als 30 Menschen getötet. Im Oktober sprengten sich zwei Selbstmordattentäter bei einer Friedensdemonstration in Ankara in die Luft und rissen mehr als 100 Menschen in den Tod.