Lesenswert (2) Empfehlen Google +

Artikel vom 05. Juli 2012 09:00, 416 mal gelesen

Berufsporträt

Goldschmied: Etwas Besonderes schaffen

Andreas Reißmüller zeigt, wie man Goldschmied wird

Autor: Tanja Pfeffer
An dieser Maschine wird der Goldring, den Andreas Reißmüller gerade fertigt, poliert. (Foto: Pfeffer)

An dieser Maschine wird der Goldring, den Andreas Reißmüller gerade fertigt, poliert. (Foto: Pfeffer)

Auf der Werkbank blitzt und glänzt es zwischen Feilen, Poliermaschinen und Zangen. Als Goldschmied arbeitet man mit wertvollen und feinen Edelmetallen und fertigt Schmuckstücke, die nicht nur Frauenherzen höherschlagen lassen. "Die Menschen haben sich immer schon gern mit etwas Schönem geschmückt und werden es auch weiterhin", sagt Andreas Reißmüller. Er ist selbstständiger Goldschmiedemeister in der Goldschmiede Leser in Straubing und ist der Meinung: Goldschmied ist ein Beruf mit Zukunft.

Als Goldschmied arbeitet man aber nicht nur mit Gold, sondern auch mit anderen Metallen wie Silber oder Platin. "Platin ist sogar noch edler als Gold", weiß Reißmüller. Als Anfänger bekommt man aber nicht gleich richtiges Gold in die Finger. "Die Lehrlinge arbeiten erst mit Messing, weil sie noch viel kaputtmachen", sagt der Meister. Üben, üben, üben ist hier erstmal angesagt. Erst wenn die Grundtechniken wie sägen, feilen, bohren, löten und polieren sitzen, darf man erste Einzelanfertigungen fürs Lager machen.

Keine langen Fingernägel

"Das täglich Brot eines Goldschmieds sind Reparaturen", so Reißmüller. Da müssen Kettchen gelötet werden, Ringe geweitet oder Schmuckstücke poliert werden. Dann kommt auch das Schmieden ins Spiel. "Am Anfang sägt, bohrt und schmiedet man nicht nur das Metall, sondern auch mal den eigenen Finger", erzählt der 43-Jährige und lacht. Lange Fingernägel sind dabei übrigens tabu: "Man muss beim Arbeiten kleine Schmuckstücke festhalten. Das kann man mit langen Nägel gar nicht", sagt der Experte. "Nach zwei Tagen sind die aber sowieso ab. Man sägt mal rein oder feilt drüber. Das ist ganz normal." Frauen hält diese Warnung aber dennoch nicht von dem Beruf Goldschmiedin ab. In der Goldschmiede Leser in Straubing arbeiten derzeit genauso viele Männer wie Frauen.

Jedes Stück ein Unikat

Der Beruf des Goldschmieds ist ein Kunsthandwerk. "Jedes Stück ist ein Unikat. Man muss immer wieder neu nachdenken", erklärt Andreas Reißmüller. Viele Kunden haben besondere Wünsche und wollen erst einen Entwurf sehen. Den zeichnet ein Goldschmied mit Bleistift per Hand. "Talent zum Zeichnen, vor allem auch dreidimensional, ist deshalb auch sehr wichtig", weiß der Fachmann. Auch ein kreativer Kopf und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen helfen dabei gut. "Und bei der Umsetzung eine ruhige und vor allem trockene Hand", so Reißmüller. Schwitzt man nämlich zu sehr beim Arbeiten, rutscht einem ständig das Schmuckstück aus der Hand. Das A und O aber sei handwerkliches Geschick. Ob man das mitbringt oder nicht, erkennt man beim Probearbeiten schnell.
Andreas Reißmüller ist seit 19 Jahren Goldschmiedemeister. (Foto: Pfeffer)<br/>

Andreas Reißmüller ist seit 19 Jahren Goldschmiedemeister. (Foto: Pfeffer)


Als Goldschmied braucht man keinen bestimmten Abschluss. "Mittlere Reife wäre aber wünschenswert", so der Fachmann. Im Zeugnis wird neben dem Zeichnen besonders auf die Fächer Mathematik, Physik, Chemie und etwas Geschichte Wert gelegt. "Man hat sehr viel mit chemischen Substanzen und Zusammensetzungen zu tun. Ein gewisses Verständnis dafür ist deshalb wichtig." Und die Mathematik braucht man dann, wenn's um den Verkauf, also ums Geld, geht.

Die Ausbildung zum Goldschmied dauert dreieinhalb Jahre. Die Berufsschule findet im Blockunterricht statt. Die Lehre endet mit der Gesellenprüfung und danach kann man sich zum Meister ausbilden lassen. Damit kann man sogar studieren und sich bis zum Geschäftsführer vorarbeiten.

Was genau man als Goldschmied macht, liegt auch am Ausbildungsbetrieb. "In kleineren Betrieben ist man eher ein Einzelkämpfer", so Reißmüller. Man fertigt also nicht nur, sondern designt, spricht mit Kunden und verkauft. Dazu braucht man also auch ein gewisses Maß an Kommunikationsfähigkeit. Als selbstständiger Goldschmied hat sich Andreas Reißmüller auch betriebswirtschafltich weitergebildet, um sein Geschäft führen zu können. In großen Goldschmieden allerdings sitzt man viel in der Werkstatt. Dort hat man weniger Kundenkontakt. Manchmal gibt es auch eigene Schmuckdesigner, die die Entwürfe übernehmen, sodass man sich voll auf das Schmieden konzentrieren kann.
An sein erstes eigenes Schmuckstück erinnert sich Andreas Reißmüller noch genau: "Das war ein Anhänger mit einem Lapislazuli." Damit ist ein blauer Edelstein gemeint. "Der Anhänger war damals innerhalb einer Woche ausverkauft." Das sei auch das Schöne an seinem Beruf, so Reißmüller: "Man darf mit besonders wertvollen Stoffen arbeiten und schafft etwas ganz Besonderes."

Mehr Informationen zum Beruf Goldschmied (3 Einträge)

 


Kommentare zum Artikel


Artikel kommentieren


Straubing, Bayern, Deutschland

Das könnte Sie auch interessieren

Die SpVgg Hankofen beweist gegen Dachau Moral

Hankofen

Die SpVgg Hankofen beweist gegen Dachau Moral

In Sachen Moral konnte man den Spielern der SpVgg Hankofen am Samstagnachmittag keinen Vorwurf machen.

mehr dazu
Anzeige
Anzeige

Verbreitungsgebiet Verbreitungsgebiet Cham Deggendorf Regen Dingolfing Straubing-Bogen Regensburg Landshut Erding-Freising-Kelheim
Anzeige
Anzeige