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Artikel vom 03. November 2011 09:41, 229 mal gelesen

Wie werde ich Schauspieler?

Autor: dpa
Armin Rhode (rechts) ist einer der erfolgreichsten Absolventen der folkwang Schule in Essen. Foto: Malte Christians dpa

Armin Rhode (rechts) ist einer der erfolgreichsten Absolventen der folkwang Schule in Essen. Foto: Malte Christians dpa

Essen. 800 Bewerber - 10 Plätze. Das ist die harte Quote bei der Folkwang Universität der Künste in der Stadt Essen, eine der renommiertesten Schauspielschulen in Deutschland. Viele werden abgelehnt und müssen ihr Glück woanders versuchen. Wer aber einen der begehrten Plätze ergattert hat, kann sich auf vier Jahre voller Arbeit und klarer Regeln einstellen. "Wir sind total verschult. Von morgens 9.00 bis abends um 21.00 Uhr wird hier gearbeitet", sagt Marina Busse, Professorin für Praktische Theaterarbeit. Sie weiß, dass man für eine Schauspiel-Ausbildung auf Vieles verzichten und hohen Anforderungen gerecht werden muss.
Die Schauspieler Bruno Cathomas als "Macbeth" und Maja Schöne als "Lady Macbeth" spielen am Montag (17.10.2010) in Hamburg bei der Fotoprobe des Stückes "Macbeth". Foto: Markus Scholz dpa

Die Schauspieler Bruno Cathomas als "Macbeth" und Maja Schöne als "Lady Macbeth" spielen am Montag (17.10.2010) in Hamburg bei der Fotoprobe des Stückes "Macbeth". Foto: Markus Scholz dpa


Für die Professorin zählt vor allem eins: "Kreativ sein." Und das sei ein Schauspieler nur, wenn er Risiken eingeht, sich erfindet, Regeln bricht und Fehler macht, meint die Dozentin. Abbrecher gibt es an der Folkwang-Schule in Essen kaum. "Wer einmal drin ist, der bleibt", sagt Marina Busse. Ihn erwartet ein umfangreiches Programm: Sprech- und Stimmtraining, Ausbildung des Sprechgefühls, Improvisation und Spieltechniken. Dazu kommt die Körperarbeit. Trainiert wird etwa Fechten und Tanz. Durch die Zusammenarbeit mit Bühnen im Ruhrgebiet sammeln die Studenten praktische Erfahrungen. Und nach vier Jahren steht die Diplomprüfung an, so wie bald bei Elisabeth Wolle (26) aus Berlin.

"Es ist eine harte Zeit"
Alles auszuprobieren, das war das, was Elisabeth während des Studiums am besten gefiel. "Man konnte Sachen in einem geschützten Raum für sich austesten", erzählt sie. Dass sie zum Theater wollte, war ihr schon nach dem Abi klar, aber sie wusste noch nicht genau, was sie da genau machen wollte. "Erst hatte ich an Theaterpädagogik gedacht und mich gar nicht getraut, ans Schauspiel zu denken", meint sie. Bereut hat sie ihre Entscheidung nicht, aber: "Es ist eine harte Zeit und serienmäßig trifft es fast jeden, dass er ein Tief durchmacht. Da ist man an einem Punkt, wo man nicht mehr weiß, was man will, aber das geht auch immer vorbei", sagt sie.

Wenn Elisabeth ihr Diplom in der Tasche hat, hat sie es noch nicht unbedingt "geschafft". Für viele Jung-Schauspieler beginnt nach dem Abschluss eine Art Wanderschaft. Viele tingeln von Job zu Job und werden schlecht bezahlt. "Die Absolventen starten mit 1650 Euro brutto. Nach vier Jahren bekommen sie dann rund 2000 Euro. Das ist die Realität, und die ist bitter", so Marina Busse. Daher zieht es viele zum Fernsehen. Egal wie mäßig die Rollen dort sind. "Es wird dort gut gezahlt", sagt sie. Dennoch sind viele Schauspieler immer auf dem Sprung zwischen Engagement, schlecht bezahlten Jobs und Arbeitslosigkeit.

Im Juni 2011 waren in Deutschland 1353 Schauspieler arbeitslos gemeldet. 2010 waren es noch 1962. Die Statistik bezieht sich aber nur auf die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und nicht auf Freiberufler und Selbstständige, erklärt Marion Rang von der Künstlervermittlung der Arbeitsagentur. Michael Kamp (39) aus Dortmund kennt den Lebensweg als Schauspieler. Elf Jahre spielte er am Theater Dortmund. Nach einem Intendantenwechsel 2010 wurde er Freiberufler. Und trotz aller Schwierigkeiten gibt es für ihn keinen anderen Beruf. Er sagt: "Ich würde es genauso wieder machen, nur würde ich gerne mehr fürs Fernsehen drehen."
Schauspieler werden: Die Ausbildung ist oft teuer

Wer Schauspieler werden möchte, kann sich an verschiedene Einrichtungen wenden. Interessenten können je nach Geldbeutel zwischen staatlichen und privaten Schulen wählen. Kostet ein Studium an staatlichen Einrichtungen einen geringeren Semesterbeitrag von bis zu 500 Euro, so muss für ein Studium an freien Schulen mit Summen bis zu mehreren tausend Euro gerechnet werden. Rund 20 Hochschulen bilden Schauspieler in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Dazu kommen zahlreiche Privatschulen.

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