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Artikel vom 15. Januar 2013 10:13, 131 mal gelesen

Auslandsbericht

Zwischen Christentum und Islam

Kristina Grünwald (24) aus Straubing verbrachte drei Wochen an einer russischen Universität

Kristina Grünwald (dritte von links) studiert Politikwissenschaften und Russische Philologie. Um die Sprache noch besser zu verstehen, war sie für drei Wochen an einer Universität in Russland.

Kristina Grünwald (dritte von links) studiert Politikwissenschaften und Russische Philologie. Um die Sprache noch besser zu verstehen, war sie für drei Wochen an einer Universität in Russland.


Ich habe schon länger einen Auslandsaufenthalt in Erwägung gezogen. Ich bin in Kasachstan geboren und verstehe sehr viel russisch. Doch es ist schwer, diese Sprache fließend zu sprechen. Also war ich für dreieinhalb Wochen in Russland, in der Hauptstadt der Republik Tartarstan, in Kasan. Es ist die drittgrößte Metropole in diesem Land, gleich nach Moskau und Sankt Petersburg. Ich hatte das Glück, ein Stipendium vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst zu bekommen. Die Vorlesungen fanden sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch und Russisch statt.

Ich habe in einem Studentenwohnheim gewohnt, das etwa 45 Minuten Fußmarsch von der Universität entfernt lag. Der Bus dahin war immer brechend voll und brauchte auch knapp 30 Minuten. Busfahrpläne gibt es dort nicht. Man stellt sich an die Haltestelle und wartet auf gut Glück, bis der Bus kommt. Deshalb bin ich auch öfter mal Taxi gefahren. Die sind dort nicht sehr teuer.

Die Uni ging jeden Morgen um 9:30 Uhr los. Vormittags hatte ich Russischunterricht. Danach bestand unser Programm aus Vorlesungen und teilweise aus Exkursionen. Samstags fuhren wir mit Dozenten und dem Professor in historische Städte wie Bolgar oder Swijaschsk. Unsere Gruppe bestand aus sieben Personen, was vor allem im Russischunterricht sehr angenehm war, da so gezielt auf jeden einzelnen eingegangen werden kann. Sehr gewöhnungsbedürftig waren die Sanitäreinrichtungen an der Universität und in sämtlichen anderen Örtlichkeiten. Diese waren alles andere als europäisch, denn dort gab es nur "Plumpsklos", ohne Toilettenpapier und Seife. Wie gut, dass wir vorgesorgt und uns ausreichend mit Desinfektionsmitteln eingedeckt hatten.

Kasan ist eine sehr interessante Stadt, die viel zu bieten hat. Historisch bedingt leben dort zahlreiche Moslems und Christen auf einem Fleck, was das Bild der Stadt sehr prägt. Zahlreiche Museen, historische Gebäude und Denkmäler, Kirchen und Moscheen, sowie der Kreml warten darauf, besucht zu werden.

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So sieht die Universitätsbibliothek der Uni, an der Kristina studiert, aus.

So sieht die Universitätsbibliothek der Uni, an der Kristina studiert, aus.

Drei Wochen sind eine lange Zeit, in der man die Möglichkeit hat, so einiges zu sehen. Doch unser Programm an der Universität war sehr straff, so dass unsere freie Zeit erst zwischen halb sechs und sechs begonnen hat. Deswegen war es meinerseits eine gute Entscheidung auf eigene Kosten einige Tage an die Sommerschule dranzuhängen, um noch mehr von Russland mitzunehmen. Ich selbst war insgesamt sechs Tage länger da, drei Tage vorher und drei Tage nach der Sommerschule.

Die Zeit vorher konnte ich nutzen, um mir ein Bild von Kasan zu machen. So hat man auch die Gelegenheit, nette Leute kennenzulernen, die oft sehr aufgeschlossen sind und einem mehr über die russische Kultur und das Leben dort erzählen können. So wurde uns gleich zu Beginn erklärt, dass es sich als Mädchen nicht gehört, viel zu essen, da alle jungen Frauen sehr diszipliniert und auf ihr Äußeres bedacht sind. Somit kommt auch sehr selten vor, dass man eine junge Frau mit flachen Schuhen, geschweige denn in Turnschuhen trifft. Auch gehört es sich in Russland nicht, auf der Straße zu essen. Da das Leben in Deutschland sehr von Stress geprägt ist und man somit oft wenig Zeit hat, zu Hause zu kochen, holt man sich gerne mal Fast Food. Nicht dass es so etwas in Russland nicht gäbe - doch, aber das Fast Food wird dann in der jeweiligen Lokalität oder dann zu Hause gegessen - niemals auf der Straße. Auch das Joggen außerhalb eines Parks wird als sehr merkwürdig angesehen. Sehr viele kulturelle Eigenarten, an die man sich erst einmal gewöhnen musste.

Zu alldem kam noch hinzu, dass es leider auch sehr viele unfreundliche Menschen in Kasan gab, da es in Russland typisch ist, Fremde keineswegs anzulächeln, beziehungsweise für uns normale Floskeln, wie "Entschuldigung", "Danke" oder "Bitte" zu verwenden. Uns wurde auch erklärt, dass man in Russland Schwäche zeigt, sobald man zu seinem Gegenüber freundlich ist. Man kommt nur weiter im Leben, wenn man frech und egoistisch ist. Komische und böse Blicke waren keine Seltenheit, wenn man kichert oder sich für etwas bedankt. Auch haben wir einige Schimpfwörter kassiert, als wir uns während eines Sturms in einem Geschäft untergestellt haben, ohne etwas zu kaufen. Doch, wie schon erwähnt, gibt es da auch Ausnahmen, die einen sehr freundlich aufnehmen. Ohne gute Russischkenntnisse ist es jedoch ziemlich schwierig, sich in der Stadt zurecht zu finden, da sehr Wenige Englisch sprechen.

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