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Artikel vom 05. Januar 2013 16:02, 519 mal gelesen

Selbstversuch

Hilfe, bin ich handysüchtig?!

Freistunde-Volontär David Voltz verbringt eine Woche ohne sein Smartphone

Autor: Von David Voltz
Freistunde-Volontär David Voltz macht den Versuch: Er lebt eine Woche ohne Handy. (Foto: Susanne Raith)

Freistunde-Volontär David Voltz macht den Versuch: Er lebt eine Woche ohne Handy. (Foto: Susanne Raith)

Überall telefonieren, schnell mal Freunde per SMS fragen, wie es ihnen geht, und neueste Meldungen auf Facebook überprüfen - mit dem Smartphone ist das jederzeit möglich. Und das brauche ich auch: In den Mittagspausen, beim Weggehen oder beim Shoppen ist mein Handy mein treuer Begleiter. Da frage ich mich ab und zu: Bin ich süchtig nach meinem Mobiltelefon? "Eine Sucht erkennt man an vielen Merkmalen. So gewinnt das Suchtmittel mehr und mehr an Bedeutung für das seelische Gleichgewicht", erklärt Diplom-Sozialpädagogin Maria Claus von der Fachambulanz für Suchtprobleme der Caritas in Straubing. Abhängig von Suchtmitteln sei jeder, der das Suchtmittel nicht beenden kann, ohne dass unangenehme Zustände körperlicher oder seelischer Art auftreten. Aber eine richtige Handysucht gebe es nicht, zumindest sei sie noch nicht defi niert. Weil ich erforschen will, wie ich zu meinem Smartphone stehe, lebe ich sieben Tage getrennt von meinem Handy.

+ + + TAG 1 + + +
An einem Freitag starte ich meinen Selbstversuch. Am Morgen das erste Problem: Kein Handy, kein Wecker! Gott sei Dank gibt es noch Mamas Weckdienst. Für den nächsten Tag mache ich mich auf die Suche nach einem uralten Funkwecker. Am Abend bin ich mit Freunden unterwegs. Eigentlich wollte ich noch eine Freundin treffen, aber wie findet man jemanden in einer Disco ohne ihr eine SMS zu schreiben? Die Lösung: Einmal alles ablaufen. Und das ist gar nicht mal so schlecht. Ich treffe Leute, die ich sonst nicht getroffen hätte.

+ + + TAG 2 + + +
Samstag: Wochenende: Freunde treffen, Christkindlmarkt, Feiern - das habe ich mir für heute vorgenommen. Beim Vereinbaren eines Treffpunkts gibt's kleinere Schwierigkeiten: Spontanität ohne Handy - Fehlanzeige! Aber es klappt auch so. Nach dem Abend auf dem Christkindlmarkt geht es noch in ein Café. Dort liege ich einer Freundin dauernd in den Ohren: "Schau schnell man in Facebook, was es Neues gibt!" Wie gut, dass sie nicht immer nachgegeben hat.

Bei einer Sucht verliert man die Kontrolle - Drei Fragen an Maria Claus von der Caritas Suchtberatung in Straubing (3 Einträge)

 


+ + + TAG 3 + + +

Sonntags, halb elf in Deutschland: Ich fahre die Landstraße entlang und bin auf dem Weg nach Hause. Mein Handy hab' ich heute den ganzen Tag nicht vermisst. Dann erblicke ich ein Auto im Graben, was bei Schnee und spiegelglatten Straßen kein Wunder ist. Ich halte an, steige aus und will gerade zu meinem Handy in der Hosentasche greifen, bis mir einfällt: Ich habe gar kein Handy, um die Polizei zu rufen! Sekunden später hält ein weiteres Auto. Die Insassen kontaktieren die Polizei. Nochmal gut gegangen.

+ + + TAG 4 + + +
Montag: Ich verschlafe, weil ich mich noch nicht an das scheußliche Geräusch des Funkweckers gewöhnen konnte. In der Arbeit fehlt mir mein Handy nicht, nur in der Mittagspause kribbelt es in meinen Fingern. Zu gerne würde ich jetzt einen guten Freund fragen, wie es bei ihm in der Arbeit bisher läuft.
Typisch David - sagen zumindest meine Kollegen. Wenn ich eine SMS schreibe, dann verstecke ich mich hinter meinem Smartphone.

Typisch David - sagen zumindest meine Kollegen. Wenn ich eine SMS schreibe, dann verstecke ich mich hinter meinem Smartphone.

+ + + TAG 5 + + +
Dienstag: Mittlerweile habe ich mich an das Leben ohne Handy gewöhnt. An manchen Stellen wäre es sicher nützlich, aber bisher konnte ich auch so alles regeln. Ich wollte zwar heute meiner Mutter Bescheid geben, dass ich erst später nach Hause komme, aber ohne Mobiltelefon geht das nicht. Wie wär's mit Rauchzeichen? Oder Buschtrommeln?

+ + + TAG 6 + + +
Mittwoch: Nur noch heute und morgen, dann hab' ich es überstanden - das war mein erster Gedanke an diesem Morgen. Der Tag läuft wie gewohnt ab. Es passiert nichts besonderes und mein Handy fehlt mir schon lang nicht mehr.

+ + + TAG 7 + + +
Donnerstag: Der letzte Tag meines Experiments beginnt. Einerseits freue ich mich, dass ich morgen wieder überall erreichbar bin. Aber andererseits weiß ich jetzt, dass man auch ohne Handy leben kann.

+ + + DER TAG DANACH + + +
Ich platze fast vor Freude, als ich mein Handy wieder einschalten darf. Endlich wieder erreichbar! 17 Anrufe und 21 SMS habe ich verpasst. Ich antworte sofort. Am Abend geht es zusammen mit einer Freundin nach Straubing. Als wir dort in einem Café sitzen, bemerke ich erst, dass meine Hosentasche leer ist. Tja, da hab' ich wohl tatsächlich mein Handy zu Hause vergessen - und es fehlt mir nicht einmal.

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