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Artikel vom 03. Januar 2013 14:22, 116 mal gelesen

Berufsportrait: Skilehrer

Gas geben

So wird man Skilehrer

Autor: Veronika Murr
Matthias Troiber (18) zeigt Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren, wie man richtig Snowboard fährt.

Matthias Troiber (18) zeigt Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren, wie man richtig Snowboard fährt.

Der Schnee bröckelt aus der Bindung, die Nässe dringt durch die Hose. Beim Aufstehen rutscht das Board bei der geringsten Belastung gleich los. Mit albernen Sprüngen manövriert man sich mit festgeschnallten Füßen bis zu der Stelle, wo es allmählich bergab geht. Armfuchtelnd bekommt man schließlich das Übergewicht und fängt an zu rutschen. Eleganter geht's nur mit Anleitung. Freistunde hat nachgeforscht, wie man Skilehrer werden kann.

"Man muss diesen Sport als Passion betrachten", sagt Alexander Dillig vom Deutschen Skilehrerverband, "und eine hohe soziale Kompetenz sollte man auch haben." Matthias Troiber ist 19 Jahre alt und hat schon Erfahrung als Snowboardlehrer. Zum Skifahren braucht man Schnee. Der landet auf den Bergen von Sankt Englmar - Matthias' Geburtsort. "Bei uns in Sankt Englmar stellt man die Kinder schon mit vier Jahren auf die Skier", erzählt er schmunzelnd. Seit zehn Jahren fährt er Snowboard. Das letzte Jahr über hat er an der Skischule Bayerwald sein Wissen weitergegeben. Seine Schüler sind zwischen 14 und 16 Jahre alt, manchmal sind auch Ältere dabei. "Das Beste an dem Job ist die Bewegung draußen an der frischen Luft. Und, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe", schwärmt Matthias Troiber. "Es lenkt total von der Schule und anderen Problemen ab. Snowboarden ist einfach meine Leidenschaft. Besonders schön ist es auch", erzählt er, "wenn's jemand ewig nicht kann und plötzlich macht's klick und er fährt den Berg runter." Da sind nicht nur die Kinder stolz. Auch der Lehrer freut sich.

Matthias Troiber (18) zeigt Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren, wie man richtig Snowboard fährt.

Matthias Troiber (18) zeigt Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren, wie man richtig Snowboard fährt.

Bei Graupel und Schnee

"Man muss damit rechnen, bei jedem Wetter raus zu müssen", sagt Troiber, "Nicht nur wenn die Sonne scheint." Da gibt es wenig freie Wochenenden. "Man ist schon sehr eingespannt." Bisher war Troiber als Snowboardlehrer beinahe jedes Wochenende auf der Piste. Es gibt nämlich zu wenige Skilehrer. "Und abends ist man total erledigt." Man hat ja immerhin den ganzen Tag über Sport gemacht. "Aber weil's Spaß macht, ist es weniger stressig. Es ist mein Hobby", sagt Troiber. Schüchtern darf man nicht sein. Man muss gut vor einer Gruppe reden können. Als Snowboardlehrer muss man geduldig sein und gut mit Kindern umgehen können. Matthias Troiber mag Kinder - ratsam für die Nerven eines Skilehrers. Auch beruflich geht er in diese Richtung: Er studiert an der Universität in Regensburg und wird Lehrer für Mathematik und Physik.

Um Skilehrer zu werden, ist es von Vorteil, einen Erste-Hilfe-Kurs zu belegen. Es kann viel passieren, wenn eine Gruppe Kinder einen Berg hinunterfährt. "Die Sofortmaßnahmen zu beherrschen, reicht aber auch", sagt Alexander Dillig vom Deutschen Skilehrerverband. Mit der Grundstufe darf man unter Aufsicht einer Skischule Kurse geben, wie zum Beispiel Matthias Troiber. Er absoliverte den Grundkurs vor fast zwei Jahren. Nach der Grundstufe kann man ab 18 Jahren in die staatliche Skilehrerlaufbahn einsteigen: der Skilehrerassistent und schließlich der staatlich geprüfte Skilehrer.

Häufigkeit der Schneesportgeräte (Quelle: Deutscher Skilehrerverband)

Häufigkeit der Schneesportgeräte (Quelle: Deutscher Skilehrerverband)

Skilehrer immer gesucht

Skiunterricht ist gefragter als Snowboardunterricht. Trotzdem herrscht in beidem Mangel an Lehrern. Deshalb war Matthias an seinen Wochenenden auch immer so beschäftigt. "Für Schüler und Studenten ist das ein super Job", sagt Alexander Dillig. Wochenend- und Ferienjobbler mit Skilehrergrundkurs würden mit offenen Armen empfangen. Hauptberuflich man mit Schneesport in Deutschland aber leider nicht das große Geld machen. "Wir haben kein Ganzjahresskigebiet", bedauert Dillig. In Deutschland gäbe es nur wenige, die vom Skilehrerdasein leben können. "In Österreich, Schweiz oder Frankreich sieht das anders aus." Insgesamt ist das Gehalt sehr unterschiedlich, es kommt auf die Skischule und auf die eigene Qualifikation an. Matthias hat sich das Geld für sein Studium aufgehoben. Inzwischen braucht er die Zeit für die Uni, aber Matthias bereut keine abgefrorene Zehe. "Es hat sich auf jeden Fall gelohnt", beteuert er. Und solange es beruflich und zeitlich geht, will er auch weiter mit dem Snowboard Gas geben - aber nur in der Freizeit.

Der Weg zum Ski-/Snowboardlehrer

Um mit 16 Jahren die Grundstufenprüfung ablegen zu dürfen, muss man mindestens die Sofortmaßnahmen der Ersten Hilfe beherrschen. Außerdem muss man ein 50-stündiges Praktikum bei einer Skischule vorweisen können. Als solches zählt auch die Tätigkeit als Hilfsskilehrer.

Die erste Prüfung besteht aus einem Praxis- und einem Theorieteil und nimmt vier Tage in Anspruch. Mit der Grundstufe darf man an einer Skischule Kurse geben. Das funktioniert prima in den Schul- oder Semesterferien und an den Wochenenden.

Ab 18 Jahren kann man in die staatliche Skilehrerlaufbahn einsteigen: Der Skilehrerassistent und der staatlich geprüfte Skilehrer folgen. Mit letzterem in der Tasche kann man sogar seine eigene Skischule gründen. Ab 2013 wird es nur noch Polysportivität geben. Das heißt, man muss die Grundstufen zweier Schneesportgeräte absolviert haben, zum Beispiel Ski und Snowboard oder Snowboard und Skilanglauf, bevor man in einem von beiden als Skilehrerassistent weitermachen kann. Später wählt man einen Schwerpunkt: Ski, Snowboard oder Skilanglauf.

© Quelle: Deutscher Skilehrerverband

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