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Artikel vom 04. Oktober 2012 10:27, 241 mal gelesen

Titelthema

Wahre Fans - Die Stars im Hintergrund

Felix, Christina und Jeaninne erzählen Freistunde, warum sie Fans sind

Felix Rehorst ist Fan der Straubing Tigers. (Foto: Tanja Pfeffer)

Felix Rehorst ist Fan der Straubing Tigers. (Foto: Tanja Pfeffer)

"Ein Funke und der Pulverturm brennt." Wer mit Felix Rehorst auf Facebook befreundet ist, kann sich denken, wo der 13-Jährige im Winter seine Freitag- und Sonntagabende verbringt: im Stadion der Straubing Tigers. Felix ist seit drei Jahren begeisterter Fan der Eishockeymannschaft. Er wohnt in Rain im Landkreis Straubing-Bogen. Christina Beck lebt im selben Ort, hat aber mit den Tigers wenig am Hut. Die 19-Jährige vergöttert den FC Bayern. Jeannine Hübler liebt Japan, Mangas und Animes. Was das alles miteinander zu tun hat? Felix, Christina und Jeannine sind Fans. Freistunde erzählen sie, warum ihre Vorbilder so besonders sind und wie ihr Leben ohne sie wäre.

Felix Rehorst ist durch seine drei großen Brüder zum Eishockey gekommen. Sie haben ihn vor drei Jahren mit zu einem Spiel genommen und seitdem steht der 13-Jährige so oft es geht im Fanblock der Straubing Tigers. Sein Lieblingsspieler ist Calvin Elfring. "Er lässt in der Verteidigung einfach nichts durch. Das find ich klasse." Kein Wunder, dass Felix einen alten Schläger von Elfring in seinem Zimmer hat. "Letztes Jahr hab' ich auch ein Trikot von Elfring zu Weihnachten bekommen", erzählt er. "Da sind alle Unterschriften der Spieler drauf."

Ein Trikot ihres Lieblingsspielers hat auch Christina Beck. Sie ist ein Vollblut-Bayern-Fan. Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger hat es der 19-Jährigen angetan. Die Begeisterung für den Münchner Fußballclub teilt die Auszubildende zur Arzthelferin schon seit ihrer Kindheit mit ihrem Onkel. Er fährt mit ihr oft ins Stadion nach München. "Das ist ein Super-Gefühl, wenn ein Tor für den FC Bayern fällt und ihm Fanblock alle aufspringen und jubeln", sagt sie. Schon als Kind hat sich Christina für Fußball interessiert. "Ich kann mich noch an die erste Weltmeisterschaft erinnern. Ich hab' mitgeschrien, mich über verschossene Tore und falsche Schiedsrichterentscheidungen aufgeregt", erzählt sie. Seitdem gibt es für Christina keinen Samstagabend ohne die Sportschau. Ihre Freundinnen kann sie mit ihrer Bayern-Leidenschaft nicht überzeugen: "Ich nerv' eher alle. Ich hör' mir die Spiele im Radio an, wenn ich sie nicht sehen kann und schrei' auch schon mal laut in der Disko auf, wenn ein Tor gefallen ist."

Sozialpädagogin Martha Altweck-Glöbel weiß. warum Jugendliche Fans von etwas sind: "Junge Menschen brauchen Helden. Sie brauchen Menschen und Modelle, an denen sie sich orientieren können und die ihnen helfen, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln."

Sozialpädagogin Martha Altweck-Glöbel weiß. warum Jugendliche Fans von etwas sind: "Junge Menschen brauchen Helden. Sie brauchen Menschen und Modelle, an denen sie sich orientieren können und die ihnen helfen, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln."

Helfen, sich im Leben zu orientieren

Woher diese Begeisterung kommt, können Felix und Christina beide nicht genau sagen. Sie mögen ihr Team einfach. Sozialpädagogin Martha Altweck-Glöbel hat eine Antwort auf die Frage: "Junge Menschen brauchen Helden. Sie brauchen Menschen und Modelle, an denen sie sich orientieren können und die ihnen helfen, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln." Bestimmte Wesenszügen oder Charaktereigenschaften begeistern dabei. Das können ein bestimmtes Talent sein oder auch Leistungsbereitschaft und Teamgeist. Aber nicht nur Stars können Vorbilder sein, sondern auch Menschen aus der näheren Umgebung, wie Eltern, Lehrer oder auch Sporttrainer und Jugendbetreuer. "Diese Menschen kann man in einer Weise kennenlernen, die nachhaltiger wirkt als es ein Robbie Williams je könnte", sagt die Expertin. Vorbilder sind vor allem für Kinder und Jugendliche so wichtig, da sie Lebensmodelle verkörpern, die man bewundert und auch nachahmen möchte. "In Zeiten, in denen man sich selbst noch nicht gefunden hat, hilft es, sich eine Identität quasi überzuziehen. Man braucht Helden", erklärt die Sozialpädagogin. Also imitiert man gerne das Outfit, das Make-up oder auch den Schmuck seiner Vorbilder, seiner Stars.

Jemand anderes sein


Eine andere Identität überziehen - das macht auch Jeannine Hübler täglich. Die 13-Jährige ist Manga und Anime-Fan und kleidet sich gerne wie ihre Lieblingsfiguren. Diesen Verkleidungstrend nennt man Cosplaying. Die Schülerin aus Straubing ist Fan von Manga-Figuren, also Figuren aus japanischen Comics. "Und auch Animes mag ich, das sind dann die Zeichentrickserien zu den Comics." Mindestens einmal am Tag zieht Jeannine eines ihrer Kostüme an. Manchmal stellt sie konkrete Figuren dar, manchmal mixt sie die Identitäten. Begonnen hat Jeannines Begeisterung mit einigen Manga-Comics aus der Bücherei. Mittlerweile hat sie schon über 2000 gelesen. Auch das Land Japan selbst fasziniert Jeannine. "Die Japaner sind so freundlich und auch diszipliniert. So möchte ich auch sein." In die Schule trägt die 13-Jährige fast nur Röcke, "wie in Japan mit den Schuluniformen auch." Sie zeichnet gerne, nimmt seit einem halben Jahr auch Kung-Fu-Unterricht und lernt Japanisch. "Nur Sushi mag ich gar nicht", sagt Jeannine lachend. "So weit kann meine Begeisterung auch wieder nicht gehen."

Von Tanja Pfeffer

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