Straubing Eine Kaderschmiede für Blumen-Designer

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Die Meisterschülerin Amelie beim Binden eines Straußes. (Quelle: Unbekannt)

Für den schönsten Tag im Leben darf es gerne von allem etwas mehr sein: Warum nicht auch ein Brautkleid in Schwarz mit einer Schleppe aus Pfauenfedern. Hört sich außergewöhnlich an? Ist es auch. Das Werk stammt von Florist-Meisterschülern aus Straubing, die im Moment verschiedene Ausstellungsstücke für die Fachmesse "Trau[m]zeit - Blumen im Glück" fertigen. Es ist nur eines von vielen Projekten, das den Fokus abermals auf die Straubinger Meisterklasse wirft - eine renommierte Kaderschmiede, die dieses Jahr 20. Geburtstag feiert.

Im Keller der Berufsschule III ist das Refugium der Floristen. Hier wird gebastelt, gebunden, geklebt, gelötet und manchmal auch geschweißt. Momentan dreht sich alles um das Thema Hochzeit. Es werden Brautsträuße, Tischdekorationen, Beleuchtungen, Fächer, Kopfbedeckungen und eben auch Brautkleider entworfen. Erlaubt ist, was gefällt. "Wir versuchen in unseren Werkstücken aktuelle Trends, Formen und Farben widerzuspiegeln", sagt Steffen Teuscher, der als fachlicher Leiter für die Praxisausbildung der 16 Meisterschüler zuständig ist. Im Trend ist zurzeit ganz besonders Redesign. Dazu werden Werkstoffe wiederverwertet, die ursprünglich eine ganz andere Verwendung hatten. So entsteht an einem Arbeitsplatz ein Brautstrauß, in den leere Garnrollen eingearbeitet sind, und einen Tisch weiter wird aus leeren Kaffeekapseln eine Blumenschale gebunden.

Massenkompatibel sind diese Werkstücke nicht auf Anhieb. Sie sind speziell, erlauben aber auch dem interessierten Laien einen schnellen Zugang zum Thema Floristik. "Die Schüler sollen sich bei uns kreativ entwickeln, ihren Stil finden und mit verschiedenen Materialien arbeiten", erklärt Teuscher die Kernkompetenzen, die an die Meisterschüler weitergegeben werden. Der "Straubinger Meister" - wie die Weiterbildung in Floristenkreisen genannt wird - steht für Qualität und Renommee.

Schüler aus der ganzen Welt in Straubing

"Als wir im Schuljahr 1993/94 angefangen haben, hatten sich sechs Schüler angemeldet. Inzwischen gibt es lange Wartelisten für die 16 verfügbaren Plätze", sagt die Klassenleiterin Sonja Marchl, die für den theoretischen Teil der Ausbildung verantwortlich ist. Bereits jetzt sind alle Plätze für das kommende Schuljahr belegt.

"Wir Floristen haben ein sehr gut funktionierendes Netzwerk, deswegen kommen unsere Schüler auch aus der ganzen Welt", erklärt Steffen Teuscher. Ob Finnland, Korea oder Spanien, unter Floristen ist Straubing ein Begriff und sie wollen hier nach Möglichkeit ihren Meister ablegen. Warum? "Unsere Schüler bekommen in der einjährigen Meisterklasse ein Komplettpaket. Nicht nur gestalterisch werden sie geschult, sondern auch wirtschaftlich, damit sie fit für die Selbstständigkeit sind", sagt Marchl.

Die gute und vielfältige Ausbildung spiegele sich auch in zahlreichen Erfolgen wider, welche die Schüler seit Jahren bei verschiedenen Wettbewerben erzielen würden. "Damit haben wir unseren Bekanntheitsgrad natürlich enorm gesteigert." Die einschlägige Fachpresse widmet den Straubinger Meisterschülern immer wieder Artikel und auf Messen oder Symposien sind ihre Werke besonders beliebte Diskussionsgrundlagen.

Während die Florist-Meisterschule in Fachkreisen geschätzt wird, wurde sie in der Region zeitweise misstrauisch beäugt. Andere Meisterschüler müssen oft mehrere Tausend Euro für ihre Ausbildung zahlen - die Florist-Meisterschule ist hingegen kostenlos. "Ich sehe bei uns keine Notwendigkeit für Schulgeld. Die Räumlichkeiten sind vorhanden und die Lehrkräfte unterrichten zum Teil ja auch die Floristenazubis, die auch bei uns im Haus sind", sagt Schulleiter Johann Dilger. Grundsätzlich handle es sich beim Schulgeld natürlich um eine Entscheidung, die der Sachaufwandsträger treffen müsse.

"Bei der ganzen Diskussion darf man nicht vergessen, dass die Meisterklasse eine starke Außenwirkung hat und ein Aushängeschild für die Region ist."

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang die jährliche Meisterausstellung, die bei Einheimischen und Auswärtigen gleichermaßen beliebt ist. "Zwischen 3 000 und 4 000 Besucher kommen jedes Jahr, um die Meisterstücke zu bewundern", sagt der Schulleiter.

Gestalterisches Selbstbewusstsein

Nachdem die Floristen ihren Meister in der Tasche haben, schwärmen sie in ganz unterschiedliche Richtungen aus. "Einige übernehmen zu Hause ein Geschäft, andere gehen ins Ausland oder arbeiten freiberuflich", sagt Marchl. Wichtig sei, dass sich die Meister spezialisieren, um sich von der Masse abzuheben. "Florale Massenware gibt es zu günstigen Preisen im Baumarkt. Wer in der Branche überleben will, muss sein gestalterisches Selbstbewusstsein entwickeln und stärken." Darum spricht auch nichts gegen ein schwarzes Brautkleid mit Pfauenfedern.

  1. Autor

    Renate Silberbauer
  2. Datum

    05.03.2013 08:02 Uhr

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