Straubing Die "Grenzzaun Halbe" sorgt für Zündstoff - "Wir sind doch keine Rechtsradikalen!"

So sieht sie aus, die Grenzzaun Halbe von Röhrlbräu. Mit dem Slogan "Heimat braucht Bier" wirbt man dafür, doch die Kampagne scheint gewaltig nach hinten loszugehen. Screenshot: Facebook

Bei so einigen Menschen zählt dieses Bier schon jetzt zu den geschmacklosesten aller Zeiten - und dabei haben sie es noch nicht mal probiert. Der Name ist Programm, und der stößt nicht wenigen sauer auf: die "Grenzzaun Halbe" von Röhrlbräu im niederbayerischen Straubing.

Seit kurzem ist die "Grenzzaun Halbe" auf dem Markt. "Weil die Bayern besondere Menschen sind, mit wertvollen Traditionen, aber auch einem trockenen Humor, stehen auf dem Etikett bayerische Schlagwörter wie Weißwurschdäquator, Gmiadlichkeit, Blasmuse, aber auch Loyalität, Ehrlichkeit und vor allem Toleranz", begründet Frank Sillner, Geschäftsführer der Brauerei Röhrl, die Idee hinter der "Grenzzaun Halben". In Zeiten der Flüchtlingskrise und menschlichen Dramen, die sich tagtäglich an Grenzzäunen in Europa abspielen, ist Toleranz wohl nicht das erste, was einem dabei in den Sinn kommt. Dementsprechend groß war der Shitstorm, der via Facebook auf die Straubinger Brauerei hereinbrach. "Ja, pfui deifi, han die no ganz sauber?", fragt zum Beispiel Alexander Grüner. Daniel Zempel geht noch weiter: "Der Laden macht mit Ausländerfeindlichkeit Werbung. Es gibt eine "Grenzzaun-Halbe". Ich bin gespannt auf die "Rassenreinheits-Halbe" oder die "Lebensraum im Osten-Halbe". Trinken würde ich die braune Brühe aber nie." Und Thomas von Barschenfels gibt der Brauerei folgendes mit auf den Weg: "Ekelerregend. Mehr muss man eigentlich nicht sagen, aber im Sinne des 40-Zeichen-Minimums: Ich hoffe, die Aktion kostet euch euer Business, ihr Vollpfosten!" Harter Tobak. Dazu schießen zu dem Thema sofort einige Gerüchte ins Kraut. Demnach würde die Flasche "Grenzzaun Halbe" in vereinzelten Getränkemärkten für genau 88 Cent (80 Cent für das Bier + 8 Cent Pfand) verkauft werden.

"Wir sind doch keine Rechtsradikalen!"

Wir haben zu dem Thema bei Frank Sillner angefragt. Ihm ist nicht bekannt, dass die "Grenzzaun Halbe" in einigen Getränkemärkten für 88 Cent verkauft werden würde. Sillner: "Das kann ich mir rein rechnerisch schon gar nicht vorstellen. Klar ist aber auch: Wenn ich davon etwas mitbekommen würde, würde ich demjenigen sofort fristlos kündigen." Denn das wäre laut Sillner Volksverhetzung. Und damit möchte der Röhrlbräu-Geschäftsführer auf keinen Fall etwas zu tun haben. Wohl aber wollte man bewusst ein politisches Statement setzen. "Wir wollten zum einen die bayerischen Werte in den Vordergrund stellen, zum anderen aber auch darauf aufmerksam machen, dass Flüchtlingspolitik und Integration so nicht funktionieren, wie das von der Regierung praktiziert wird", bestätigt Sillner auf idowa-Nachfrage. "Weder den Menschen in Bayern, noch den Flüchtlingen ist damit geholfen, wenn man sie in alte Wirtshäuser verfrachtet und dann sich selbst überlässt", so Sillner weiter. Man habe nur "wachrütteln" wollen. Ins rechtsradikale Lager lässt sich Frank Sillner freilich nicht stecken. "Seit August helfen wir den Flüchtlingen in der Umgebung immer wieder, fahren mit Lastwagen entsprechende Hilfsgüter aus", sagt Frank Sillner.

An ihm gehen die bitterbösen Kommentare im Internet natürlich nicht spurlos vorüber. Sillner: "Ich habe das unterschätzt. Ein derartiges Deutschtum-Gerangel war nicht unsere Intention. Mit einer solchen Gnadenlosigkeit hätte ich nicht gerechnet." Seit Montag ist die "Grenzzaun Halbe" nun in einigen Getränkemärkten erhältlich. Und Frank Sillner gesteht: "Mit dem heutigen Wissen würde ich dieses Produkt nicht mehr machen, weil ich ein Mensch bin, der sich nicht ohne Grund Sorgen bereiten möchte." Vom Markt genommen wird das Bier deshalb aber nicht, auch wenn Sillner kurzzeitig mit diesem Gedanken spielte. "Dann würden sich doch nur all diejenigen in ihrer Meinung bestätigt fühlen, die mich für einen Rechtsradikalen halten. Sie würden das als Schuldeingeständnis sehen. Wir sind aber keine Rechtsradikalen!", bekräftigt Sillner noch einmal.

Dennoch sind die Reaktionen auf die "Grenzzaun Halbe" mitnichten nur negativ. Im Gegenteil. "Selbst große Supermarkt-Ketten haben schon Interesse bekundet, das Bier in ihr Sortiment aufzunehmen. Darüber hinaus findet das Bier bis jetzt reißenden Absatz", berichtet Frank Sillner. Ursprünglich war als Zusatz zu dem Bier noch ein spezieller Flaschenöffner mit der Aufschrift "Grenzzaun-Öffner" geplant. Doch daraus wurde nichts. Sillner: "Der Hersteller hat die Produktion dieser Flaschenöffner nicht rechtzeitig geschafft. Ich denke aber, dass das diese Diskussion entschärft hätte."

 

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