Regensburg Wenig Hoffnung für Sea-Eye: Rettungsboot bleibt in Libyen beschlagnahmt

Für rund 100.000 Euro hatte die Rettungsmission Sea-Eye das Schnellboot „Speedy“ (vorne im Bild) gekauft. Doch nur kurze Zeit später wurde das Boot von der libyschen Küstenwache beschlagnahmt.  Foto: Sea Eye
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Für rund 100.000 Euro hatte die Rettungsmission Sea-Eye das Schnellboot „Speedy“ (vorne im Bild) gekauft. Doch nur kurze Zeit später wurde das Boot von der libyschen Küstenwache beschlagnahmt. (Foto: Sea Eye)

Über 5.500 schiffbrüchigen Flüchtlingen hat die Regensburger Seerettungsorganisation Sea-Eye in diesem Jahr im Mittelmeer geholfen. Einen herben Rückschlag musste die Crew hinnehmen, als die libysche Küstenwache im September das gerade erst erworbene Schnellboot konfiszierte. Neue Erkenntnisse zum Verbleib von „Speedy“ gibt es nicht.

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor. „Nach Kenntnis der Bundesregierung wurde das Schnellboot von der libyschen Küstenwache beschlagnahmt. Ob es sich weiterhin in deren Besitz befindet, entzieht sich der Kenntnis der Bundesregierung“, heißt es dort.

Man stehe zu dieser Frage weiterhin in Kontakt mit der libyschen Regierung und der EU-Operation Eunavfor Med „Sophia“. Der deutsche Botschafter für Libyen habe dazu bereits Gespräche mit Vertretern aus höchsten Regierungskreisen geführt.

Im August hatte die von dem Regensburger Unternehmer Michael Buschheuer gegründete Rettungsaktion Sea-Eye für rund 100 000 Euro ein zweites Schiff erworben, um ihre Aktivitäten vor der Küste Libyens zu verstärken und noch effizienter Hilfe zu gewährleisten. „Wir müssen schneller werden, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Unser Fischkutter Sea-Eye erweist uns gute Dienste, aber er ist auch recht langsam unterwegs“, erklärte Buschheuer damals. „Speedy“ sei bis zu viermal schneller am Einsatzort als die Sea-Eye – daraus resultiere „ein Zeitgewinn, der Leben retten kann“.

Doch am 7. September kam es zu einem unvorhergesehenen Vorfall auf See. Zwei Helfer der Rettungsmission Sea-Eye wurden festgenommen, angeblich weil sie mit Schnellboot „Speedy“ aus tunesischen Gewässern kommend in libysches Hoheitsgebiet eingedrungen waren. Nach drei Tagen wurden die Crew-Mitglieder freigelassen und an das deutsche Marineschiff „Werra“ übergeben, mit dem sich die Bundeswehr an der EU-Militärmission Eunavfor Med im Mittelmeer beteiligte. „Speedy“ wurde von der Küstenwache beschlagnahmt und bislang nicht herausgegeben.

Von April bis November kreuzte der umgebaute Fischkutter Sea-Eye mit wechselnder Crew zwischen Sizilien und Libyen. Die Mission: Vom Kentern bedrohte Flüchtlingsboote ausfindig machen, Ersthilfe leisten und die Seenotrufstelle in Rom alarmieren. Selbst Flüchtlinge an Bord nimmt die Sea-Eye in der Regel nicht, dafür ist sie nicht ausgelegt. Die Mannschaft besteht aus acht oder neun Personen, alle zwei Wochen wird sie ausgewechselt. Derzeit ist die Sea-Eye in der Winterpause, der alte Kahn musste dringend in die Werkstatt. Spätestens im März will die engagierte Crew aber wieder in See stechen.

Die Sea-Eye im Internet

www.sea-eye.org

  1. Autor

    Hannah Gibbs
  2. Datum

    25.12.2016 09:39 Uhr
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