Langenpreising Ein Job für Männer? Ministerin wirbt für Frauen in der Feuerwehr

Ulrike Scharf war zu Besuch bei der Feuerwehr Langenpreising und unterstützte dabei die landesweite Aktion „Frauen zur Feuerwehr“. Foto: Klaus Kuhn

Die Ministerin war wählerisch, als es um den Feuerwehrhelm ging: „Der ist zu klein! Ich sag’ doch, dass ich einen großen Kopf habe!“ Aber sie lachte dabei, und überhaupt wurde viel gelacht an diesem etwas verregneten Freitagnachmittag, als Ulrike Scharf die Feuerwehr Langenpreising besuchte und damit die landesweite Aktion „Frauen zur Feuerwehr“ unterstützte.

Die Feuerwehren im Kreis Erding, von denen viele gekommen waren, hatten aber auch gut lachen: Von den rund 3.500 Floriansjüngern sind 369 und damit klar über zehn Prozent weiblich. Minister Joachim Herrmann hatte als Ziel der Aktion angegeben, den Anteil auf über acht Prozent landesweit zu heben, was den Nachholbedarf im übrigen Bayern deutlich macht. Und doch waren sich alle einig, dass da noch mehr geht, und darum hatte die Kreisfrauenbeauftragte und stellvertretende Bezirksfrauenbeauftragte Natalie Kienmüller-Stadler, die zugleich stellvertretende Vorsitzende, Öffentlichkeitsreferentin und Jugendleiterin bei der Feuerwehr Langenpreising ist, auch ein großes Programm aufgezogen: Das Hubrettungsfahrzeug der Altenerdinger war angerückt, die Feuerlöscherübungsanlage der Verwaltungsgemeinschaft Wartenberg war aufgebaut. Und witterungsbedingt war Bier weniger gefragt als heißer Kaffee und Kuchen. Die Feuerwehrfrauen können erkennbar nicht nur Brände löschen, sondern auch backen.

Es ging allen Rednern von Natalie Kienmüller-Stadler über die Ministerin bis zum Kreisbrandrat Willi Vogl darum, Frauen Mut zu machen, es einfach zu probieren. Ansprechpartner sei praktisch jede Feuerwehr oder die Gemeinde. Zweiter Bürgermeister Josef Straßer gab dabei zu, dass das alles eher nichts für ihn sei. „Ich nehme Wasser nur zum Duschen.“ Da war er bei der Landesvorsitzenden der Wasserwacht, welche Ulrike Scharf bekanntermaßen auch ist, natürlich bei der Richtigen, und schon konnte wieder fröhlich gelacht werden.

Willi Vogl konnte aber auch ernst werden: Die Tagesalarmsicherheit könne vielfach nur noch dann wirklich gewährleistet werden, wenn mehr Frauen zur Feuerwehr kämen, sagte er. Tagesalarmsicherheit heißt, dass auch untertags, wenn die meisten Freiwilligen zur Arbeit auswärts sind, alle Fahrzeuge sicher besetzt werden können. Und da zählt, wie es Natalie Kienmüller-Stadler zusammenfasste, „nicht immer pure Muskelkraft.“ Die werde sicher auch mal gebraucht.

Hans Kaspera stellte die Feuerwehr Langenpreising vor, und es war Ulrike Scharf, die auch wieder ernst werden konnte: „Nicht alle Einsätze sind vergnügungssteuerpflichtig“, mahnte sie in ihrer kurzen Ansprache, sprach davon, dass alle Politik auch Frauenpolitik sei, weil sie diese selbstverständlich auch etwas angehe. „Sich trauen!“ sei das Gebot der Stunde, rief sie allen zu, musste sich dabei aber wohl auch auf die Medien verlassen, denn ihr ging es ähnlich wie dem Pfarrer in der Kirche: Die, die da waren, konnte sie nicht gemeint haben, denn die haben sich ja längst getraut, Dienst in der Feuerwehr zu leisten. Und dann führte die Wasserwachtlerin vor, dass sie mit dem Element „Feuer“ genauso vertraut zu sein scheint. Das Feuer war jedenfalls in Sekundenschnelle aus. Dass Frauen das Hubrettungsgerät bedienten, mit dem sie die Ministerin in den wolkenverhangenen Himmel über Langenpreising entführten, verstand sich von selbst.

0 Kommentare

Videos