Interview Anneliese Bunk lebt fast komplett ohne Plastik

Anneliese Bunk hat keine Lust mehr auf Plastikmüll Foto: Bunk
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Anneliese Bunk hat keine Lust mehr auf Plastikmüll (Foto: Bunk)

Anneliese Bunk hat Schluss gemacht. Schluss mit Plastik. Die Designerin sah vor über drei Jahren den Kino-Dokumentarfilm "Plastic Planet", in dem in drastischer Weise geschildert wird, was der Plastikverbrauch mit der Umwelt und dem Menschen macht. Seitdem hat sie Plastik nach und nach aus ihrem Leben verbannt und gemeinsam mit Nadine Schubert darüber ein Buch geschrieben: "Besser leben ohne Plastik" heißt es - am 21. Februar spricht Bunk in einem Vortrag an der VHS über ihr plastikfreies Leben. Wir haben uns im Vorfeld mit ihr unterhalten.

Frau Bunk, nachdem Sie den Film "Plastic Planet" gesehen hatten - haben Sie sich da gedacht: Jetzt mache ich sofort Schluss mit Plastik?

Anneliese Bunk: Ich habe für mich entschieden, meine Werbeagentur zu schließen und das Thema anzugehen. Die Geschäftsidee verpackungsfreie Supermärkte waren meine erste Idee - das hab ich dann nicht gemacht. Dann habe ich mich auf die Produktion von Stoffbeuteln spezialisiert, weil das ökologischer ist, als mit Plastik- oder Papiertüten einkaufen zu gehen.

Sie haben also komplett umgestellt...

Das ging relativ schnell, ich habe sehr pragmatisch angefangen und habe an Weihnachten unseren Müll analysiert. Das Flüssigwaschmittel hat mit Abstand den meisten Müll produziert; da habe ich angefangen, aus Kernseife Flüssigwaschmittel selber zu machen. Es hat schon ein Jahr gedauert, bis wir vom meisten Plastik weg waren. Wir haben jetzt noch ein bisschen Plastikmüll, weil ich nicht so kritisch bin. Mein Mann ist Engländer und der würde sterben, wenn er zumindest nicht einmal im Monat seinen Cheddar-Käse essen dürfte. Wir bringen vielleicht zweimal im Jahr unseren Plastikmüll weg.

Wann haben Sie sich das letzte Mal gedacht: "Mist, jetzt muss ich Plastik verwenden, obwohl ich nicht will!"?

Das war beim Kleber in der Schule. Den selbstgemachten Kleber im Deoroller durfte mein Sohn nicht mitbringen, weil Glas angeblich zu gefährlich ist. Da musste ich den Kunststoffkleber kaufen.

Und sonst machen Sie Kleber selber?

Ja. Und mein Sohn hatte eine ganz tolle Idee: Ich klebe, auch im Büro, alles mit Maisstärke-Chips, die oft in Kartons als Füllmaterial beigelegt sind. "Play-Mais" ist ein anderer Begriff. Wenn man die Chips ein bisschen feucht macht und über’s Papier wischt, kleben die ganz wunderbar. Da braucht man gar keinen Kleber mehr. Und es ist kostenlos.

Hat Ihre Familie beim Plastiksparen nicht gemeutert und sofort mitgemacht?

Mein Mann hat gehofft, es sei nur eine Phase. Meine Kinder waren hellauf begeistert dabei.

Aber jetzt mal ganz ehrlich: Wenn Ihre Kinder sagen: "Mama, ich will Chips!" Was machen Sie dann? Chips gibt es doch meist nur in der Plastikverpackung...

Bei uns gibt es einfach keine Chips mehr. Meine Kinder sind nicht traurig, wenn sie keine Chips mehr essen. Es gibt so viele andere leckere Sachen, die genauso gut schmecken wie Chips. Chips sind nicht lebensnotwendig.

Wo geraten Sie denn an Ihre Grenzen? Sie kaufen wirklich nichts mehr, das irgendwie mit Plastik zu tun hat?

Wir machen alles selber.

Was ist das Skurrilste, was Sie selber machen?

Es gibt kein Produkt, das ich selber herstelle, bei dem ich mir denke: "Gott, ist das jetzt mühsam." Unser Badreiniger dauert in der Herstellung weniger als eine Minute. Wir machen ein eigenes Schokomüsli. Die meisten Rezepte dauern mir einfach zu lange; ich vereinfache sie dann so, dass alles unter zehn Minuten geht. Da kommt man wirklich gut hin. Man spart unglaublich viel Zeit: Wir gehen nicht mehr zum Drogeriemarkt, weil wir einfach nichts mehr in der Richtung brauchen. Zehn Minuten pro Tag muss man für die Vorbereitungen einplanen, aber das ist nicht viel. Ich arbeite ja auch Vollzeit, anders ginge es nicht.

Mit was putzen Sie sich denn die Zähne?

Mit Zahnputztabletten, die man unverpackt kaufen kann. Wir haben das große Glück in München, dass es Läden ohne Verpackungsmüll gibt. Aber die gibt es auch in Papiertüten.

Und die Zahnbürsten?

Die ist ebenfalls aus Holz oder Bambus mit Naturborsten.

Aber Sie geben zu, dass es manche Dinge im Leben gibt, die extrem schwierig zu ersetzen sind?

Ja. Die gibt es. Es ist ja gar nicht mein Ansatz, dass alle das unbedingt komplett durchziehen müssen. Mein Ansatz ist, dass die ersten fünfzig Prozent Plastik, die wir wöchentlich in den Müll schmeißen, verzichtbar sind. Ohne großen Mehraufwand und Geld auszugeben. Das hat sich in den vergangenen drei Jahren bestätigt. Meine Leser sagen auch, sie hätten sich nie gedacht, dass es so einfach geht. Ich bin nicht dafür, dass jetzt jeder seine Mascara selber macht, das ist unterm Strich dann wahrscheinlich auch nicht mehr umweltfreundlich. Aber viele Dinge gehen sehr schnell von der Hand: Zum Beispiel Seife statt Duschgel zu kaufen. Der Vorteil ist: Seife ist deutlich günstiger als Duschgel und hält viel länger.

Gibt es auch Toilettenpapier ohne Plastikverpackung?

Gibt es - und die Rollen sind viel kompakter gerollt. Wir haben einen Karton, der reicht ewig.

Sie wohnen ja in München, wo es verpackungsfreie Supermärkte gibt. Macht es das einfacher? Haben Konsumenten auf dem Land da einfach Nachteile?

Gar nicht. Meine Co-Autorin Nadine Schubert wohnt auch auf dem Land, dort bekommt man viel mehr Unverpacktes, vor allem beim Gemüse. Am Land gibt es zudem viele kleine Geschäfte, die noch selber produzieren, zum Beispiel Hofläden.

Sind Sie nie versucht, dass Sie sich denken: "Das will ich haben, leider ist es in Plastik verpackt?"

Das hab ich mir noch nie gedacht. Meine Kinder durften anfangs sich noch Sachen aussuchen, die verpackt waren, wir haben ja langsam umgestellt. Mein Sohn hat sich dann noch ein paar Mal Kekse ausgesucht und als ich ihm die dann mitgebracht habe, hat er gemeint: "Früher haben sie mir gut geschmeckt, jetzt nicht mehr." Plastik überträgt auch Bitterstoffe. Wir merken mittlerweile, dass die mit Plastik eingepackten Dinge bitter und schal schmecken.

Was machen Sie, wenn Ihr Sohn eine Playstation haben will?

Dann würden wir sie gebraucht kaufen, um kein neues Plastik mehr in Umlauf zu bringen. Einen Baumwollkoffer kann ich zum Beispiel auch nicht verwenden; wir versuchen dann einfach, Produkte mit lebenslanger Garantie zu kaufen. Wir achten sehr auf Nachhaltigkeit und gute Qualität.

Sie finden also das plastikfreie Leben gar nicht mal so anstrengend?

Überhaupt nicht. (lacht) Ich finde es viel leichter als vorher. Ich habe an meinem Radl immer meine Einkaufstasche mit Baumwolltüten dabei. Damit kann ich alles kaufen, was ich will. Wir kaufen jetzt Dinge, die wir regelmäßig essen - wie Haferflocken oder Mehl - in Fünf-Kilo-Packungen im Großmarkt. In der Regel ist in größeren Supermärkten das Angebot größer und es gibt mehr in Papier verpackt. Obst und Gemüse kriegt man ohne Plastik.

Und wie sieht es mit den Lieblingskeksen aus? Zum Beispiel die mit dem Prinzen drauf gibt es nur in Plastik...

Fragen Sie mal meinen Sohn. Der mag meine selbstgemachten Kekse mittlerweile lieber. Und wenn es mal ganz schnell gehen muss, gibt es halt einen Tassenkuchen, der ist in zwei Minuten gerührt.

Interview: Claudia Hagn

Anneliese Bunk stellt ihr Buch am 21. Februar um 19 Uhr in der Frieshalle der VHS vor. In ihrem Vortrag erläutert sie, wie und wo man im Alltag Plastik einsparen und ersetzen kann. Für diesen Vortrag ist eine Anmeldung erforderlich unter der Telefonnummer 0871/922920. Während der Fastenzeit gibt Bunk Tipps auf ihrer Homepage zum Plastikfasten unter www.plastikfasten.info

  1. Autor

    Claudia Hagn
  2. Datum

    15.02.2017 12:05 Uhr
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