Auslandsblog Eintrag 20: Bula Fij - 4. August 2017

Nach einem kleinen Umweg über Brisbane und Turbulenzen auf dem Hinweg, schnappe ich gerade noch so – mit einem Express Shuttle von der Airline – den nächsten Flug nach Fiji. In Fiji angekommen warte ich am Gepäckband auf mein Gepäck. Eine halbe Stunde. Langsam fange ich mich an zu wundern, da jeder, der in meinem Flieger war schon sein Gepäck hat, und nur ich noch die einzige bin, die sehnsüchtig wartet. Also bewege ich mich zum Informationsschalter und kriege die Auskunft, dass mein Gepäck wahrscheinlich immer noch in Brisbane ist und heute sicher nicht mehr kommt. Natürlich habe ich keine Wechselklamotten, Handtücher oder Kulturbeutel dabei, wie man es beim Fliegen im Handgepäck immer mitnehmen sollte. Und so drehe ich, etwas niedergeschlagen, dem Gepäckband und Informationsschalter meinen Rücken zu, wechsle Neuseeländisches Geld in Fijian Dollar und bewege mich zum Ausgang.

Dort werde ich vom Hostel damit überrascht, dass es einen kostenlosen Shuttle gibt, der mich zum Hostel fährt. Der Shuttle sei aber noch nicht da, und so warten wir noch drei Stunden – Fiji Time – auf unseren Fahrer. Der andere Deutsche, der ebenfalls wartet, regt sich sehr darüber auf und fragt mehrere Male nach dem Fahrer, doch ich bin in dem Moment einfach nur glücklich, dass jemand kommt der uns abholt, denn schlimmer kann es heute eh nicht mehr werden. Der Deutsche erklärt mir, dass er heute schon um drei in der Früh aufgestanden ist, um nach Fiji zu fliegen und er sehr genervt ist. Ich weise ihn darauf hin, dass ich seit heute morgen um eins im Flugzeug sitze und mein Gepäck nach Australien geliefert wurde, trotzdem aber sehr glücklich bin, in Fiji gelandet zu sein. Und ich freue mich jetzt darauf, meinen Urlaub genießen zu können und mein Gepäck kommt bestimmt auch die Tage. Im Enddefekt ist mir aufgefallen, dass sich aufzuregen sehr viel Kraft kostet, und man doch nicht alles beeinflussen und verändern kann. Manchmal ist es einfach so wie es ist, und das ist dann auch gut so! :) Ich verstehe mich sehr gut mit der netten Frau aus Fiji, die für uns alles koordiniert und wir unterhalten uns gut.

Wie sich herausstellt, steckte unser Fahrer in der Rushhour, da derzeit wahnsinnig viele Baustellen entstehen, die durch den starken Touristenansturm bedingt sind. Ich ruhe mich im Hostel aus, leihe mir ein T-Shirt zum Schlafen von einer aus meinem Zimmer, kaufe mir eine Zahnbürste, ein Kleid und andere kleinere Sachen beim Shop nebenan und bin gerüstet für die nächsten Tage. Den darauffolgenden Tag zeigt mir eine Freundin aus Fiji die Stadt Nadi und wir entspannen am Abend gemeinsam mit einer netten Gruppe an Strand. Um sechs Uhr abends freue ich dann sehr, als mir der Rezeptionist verkündet, dass mein Backpack gerade vom Flughafen gebracht wurde, bringe ihn hoch in mein Zimmer, und setzte mich mit strahlendem Grinsen zurück zur Gruppe.

Am späten Abend, als ich zu Bett gehen will, fällt es mir dann leider auf, dass mein kleiner Geldbeutel mit meinem ganzen Fijigeld wie auch meine Karte, und die Tür, um mein Zimmer zu öffnen, nicht mehr da ist. Ich muss also den Rezeptionisten bitten, mir die Tür zu öffnen, um schlafen gehen zu gehen. Natürlich gehe ich davor noch einmal zu unserem Platz am Strand um sicher zu gehen, nichts liegen gelassen zu haben. Am nächsten Abend wird von einer Frau aus unserer Gruppe, ebenfalls Geld gestohlen. Ich habe niemanden in Verdacht und möchte auch niemanden verdächtigen, weil ich es einfach nicht wahrhaben möchte. Ich bin zwar enttäuscht, wache aber am nächsten Tag auf und bin mir sicher, jetzt surfen gehen zu wollen. Blöde Dinge passieren jeden Tag, aber erst wenn man ihr Leben durch sie bestimmen lässt, haben die blöden Dinge gewonnen.

Surfen

Ich schnappe mir also ein Surfboard und gehe mit zwei Männern an der Coral Coast surfen. Eine liebevolle Frau auf Fiji fährt uns zum Surfspot, guckt uns zu und bringt uns auch wieder zurück. Die Wellen an der Coral Coast sind der Wahnsinn und ganz anders als in Neuseeland. Die Wellen hier kommen unregelmäßig und selten, doch wenn sie da sind, sind es gute Wellen. Außerdem surfe ich hier das erste Mal ohne Wetsuit, was für mich sehr ungewöhnlich ist, da das Wasser auf der Südinsel sogar im Sommer eiskalt ist. Vor allem, wenn du länger da draußen bist, ist mindestens ein dünner Wetsuit in der Südinsel empfehlenswert. Nach zwei Stunden surfen ohne Wetsuit in Fiji merke ich jedoch den gewaltigen Unterscheid zwischen mit und ohne Wetsuit. Zwar hast du mehr Beweglichkeit und fühlt sich nicht so eingeengt ohne Wetsuit, jedoch hat deine Haut auch keinen Schutz und mit einem guten Halt auf meinem Surfboard hatte das so seine Folgen für mich. Mein Oberkörper und meine Oberschenkel ist offen und mit ganz vielen Schürfwunden bedeckt. Ich versuche, den Schmerz nicht zu beachten doch sogar beim Rauspaddeln brennt es. Zum Glück fällt es einem der Männer aus Fiji sofort auf und leiht mir sein Tanktop, dass er zum Surfen anhat. Das Oberteil, dass bei mir eher ein Kleid ist, gibt mir Schutz und bringt mich durch eine weitere Stunde surfen, bis mein Körper endgültig eine Pause braucht. Der Tag im warmen Meer – auch wenn ein Surfer aus Fiji Gänsehaut hatte und es sehr kalt fand – bei strahlendem Sonnenschein und tollen Wellen geht zu Ende, und ich bin sehr glücklich.

Segeln, schnorcheln und ein Hai

Am Freitag entschließe ich spontan gemeinsam mit einer Engländerin aus meinem Zimmer segeln zu gehen. Die Crew von „CoralCats“ ist großartig und somit geht es raus aufs Meer. Nach ein paar Stunden wird der Anker gesetzt und wir beschließen, schnorcheln zu gehen. Ich glaube, das letzte Mal schnorcheln war ich wohl mit sechs Jahren und ich bin sehr froh, nichts verlernt zu haben. Es sieht aus wie bei „Findet Nemo“ und wir begegnen viele bunten, großen und kleinen Fischen. Es ist fabelhaft und wahnsinnig entspannend da unten. Plötzlich stoppt Jo, Die Engländerin, neben mir und gibt mir ein Handzeichen. Ich tauche tiefer und es geht zur Öffnung einer Höhle. Doch was wir dort sehen, ist unglaublich. Ich erstarre, schwimme so schnell es geht zur Oberfläche und bekomme Panik. Ich paddle so schnell es geht mit den Füßen und schneide mich an einer Koralle. Ich habe das Gefühl, heute sterben zu müssen, denn dort unten in einer Höhle im Korallenriff liegt ein schlafender Riffhai. Ich habe wahnsinnige Angst vor Haien und blute jetzt auch noch an meinem Fuß. Super Vorraussetzungen. Jo will noch näher schwimmen aber ich halte es nicht aus, noch näher an diesem Hai dran zu sein. Ich würde am liebsten so schnell es geht zurück zum Segelboot schwimmen, doch das ist ein ganzes Stück von mir entfernt und wenn ich alleine bin, bin ich ein noch leichteres Ziel. Ich schwimme also noch weiter raus zu unserer Gruppe und dem Kugelfisch, der gerade um uns herumschwirrt und plötzlich bin ich ganz still. Leli aus der Crew sieht mich und fragt mich beiläufig, ob alles in Ordnung ist. Ich teile ihm leise mit, dass ich einen Hai gesehen habe, er ist begeistert und möchte ihn sehen. Nachdem ich ihm aber sage, wie viel Angst ich gerade habe und wie gerne ich heute noch am Leben bleiben würde, schwimmen wir gemeinsam im flacheren Wasser zurück zum Segelboot. Dort treffe ich Jo wieder und wir können beide nicht so richtig glauben, was wir gerade gesehen haben. Leli und Tiko aus der Crew erklären uns später, dass es öfter mal vorkommt, dass Haie in Korallenriffen schlafen und entspannen, da sie dort relativ sicher sind und im warmen Wasser relaxen können. Angriffe kommen in Korallenriffen jedoch eher selten vor, da das hier eher ihr Rückzugsort ist. Trotzdem gibt es für mich immer dieses kleine Risiko, von einem Hai gefressen zu werden, und das möchte ich nicht herausfordern. Auf einer kleinen Insel angekommen, schlagen wir uns alle zusammen den Bauch voll und auf dem Weg zurück nach Fiji entscheide ich mich gegen den zweiten Schnorchel-Gang und springe stattdessen ein paar Mal vom Boot und schwimme herum. Mein Erlebnis mit dem schlafenden Hai werde ich nicht so schnell vergessen. Am Samstagnachmittag verabschiede ich mich dann von meinen Freunden aus Fiji, England, Israel, Indien, Amerika, Deutschland, Frankreich, de Niederlanden und Dänemark und fahre zum Flughafen.

Melbourne

Ich fliege über Melbourne, wo ich einen 21-stündigen Aufenthalt habe und somit die Chance, das Nachtleben sowie die Stadt bei Tag kennen zu lernen. Ich treffe mich mit Deutschen, welche mit der gleichen Organisation wie ich im Ausland sind. Ich genieße, die Schönheit der Stadt durch ihre Augen betrachten zu können, trinke großartigen Kaffe und esse einen sehr leckeren veganen Hotdog in „Lord of the Fries“. Melbourne hat etwas und ich möchte gerne mal wiederkommen und länger bleiben. Doch meine Zeit ist begrenzt und so geht es für mich zurück zum Flughafen und ab nach Hause nach Neuseeland.

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