Aufsteiger auf Platz sieben Das sind die Gründe für den Erfolg des SSV Jahn

Marc Lais (links) und Kapitän Marco Grüttner sind mit dem SSV Jahn sehr gut in der 2. Bundesliga angekommen. Der Aufsteiger steht nach 20 Spielen auf Rang sieben. Foto: dpa

Aufsteiger Jahn Regensburg belegt nach 20 Spielen Platz sieben in der 2. Bundesliga. Ausruhen will man sich darauf aber keinesfalls.

Der SSV Jahn Regensburg ist sehr gut aus der Winterpause gekommen. In den beiden Derbys gegen die Aufstiegsanwärter aus Nürnberg und Ingolstadt holte die Jahnelf vier Punkte. Dem 2:2 beim "Club" folgte ein 3:2-Heimsieg gegen die Schanzer - nach 0:2-Rückstand. In Nürnberg wäre aufgrund der zweimaligen Führung sogar mehr drin gewesen. "Gegen Ingolstadt haben wir aber in der ersten Halbzeit eher eine unserer schlechteren Leistungen gezeigt", sagt Mittelfeldspieler Marc Lais. Dann brauche man eben auch das nötige "Matchglück", um die Partie doch noch zu gewinnen.

Dieses Matchglück hatte der Jahn zu Saisonbeginn kaum, konnte sich für gute Leistungen nicht belohnen. Zuletzt sammelte der Aufsteiger aber fleißig Punkte. Nach 20 Spielen steht der Jahn nun mit 29 Zählern auf Rang sieben in der Tabelle. Man ist punktgleich mit Erstliga-Absteiger FC Ingolstadt und der Abstand nach oben ist kleiner als der Abstand nach unten. Ob eine solche Entwicklung vor der Saison denkbar erschien? "Ich hätte es schon für möglich gehalten. Aber es ist natürlich klar, dass wir mit der Situation, unserer Punktausbeute und dem Start nach der Winterpause sehr zufrieden sind", sagt Jahn-Trainer Achim Beierlorzer.

Die Tabelle, auch das macht Beierlorzer deutlich, interessiert ihn derzeit überhaupt nicht. "Das verschiebt sich ja jede Woche. Was für uns wichtig ist, sind die 40 Punkte, die wir uns als Ziel gesetzt haben. Dafür fehlen uns noch elf Punkte. Elf Punkte in 14 Spielen - das ist unser Ziel." Er habe aber natürlich nichts dagegen, wenn diese Marke möglichst schnell geknackt wird.

Lais: "Haben bewiesen, dass einiges in uns steckt"

Vor der Saison hätten eine bislang so gute Saison der Mannschaft wohl nicht viele zugetraut. Marc Lais kann sich noch gut daran erinnern, dass nach dem Aufstieg in die 3. Liga ähnliche Fragen aufgetaucht sind wie im vergangenen Sommer. "Aber wir haben bewiesen, dass einiges in unserer Mannschaft steckt", sagt Lais. Wenngleich auch die Spieler die neue Umgebung in der 2. Liga zunächst neugierig aufgenommen haben. "Wir wussten vor der Saison selbst nicht genau, wo wir stehen. Es haben ja noch nicht viele Spieler 2. Liga gespielt. Das war schon eine Umstellung für jeden einzelnen", erklärt Lais. "Jeder musste an seine Leistungsgrenze gehen und den nächsten Entwicklungsschritt machen - das ist uns bislang gelungen."

Was sind die Gründe für den Erfolg? Ein Wort, das immer wieder fällt ist Team. "Wir kommen über das Team, das ist unsere große Stärke. Als Team sind wir einfach richtig gut", sagt Lais, der mit dem Jahn aus der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga durchmarschiert ist. Seit der Regionalliga spielt der Kern der Mannschaft zusammen. "Wir sind ein verschworener Haufen, verstehen uns auf und neben dem Platz gut. Das hilft uns, die Punkte, in denen uns andere Mannschaften an individueller Qualität vielleicht überlegen sind, zu kompensieren", so Lais.

Schon als er nach Regensburg gekommen ist, sei das Teamgefüge gut gewesen, blickt Lais zurück. "Durch den Erfolg fällt es dann vielleicht auch leichter, dass eine positive Stimmung herrscht und dass man sich einfach wohlfühlt", sagt der 26-Jährige. "Es macht einfach riesig Spaß, in dieser Mannschaft und in diesem Verein zu spielen."

Selbst Spieler, die nicht mehr beim Jahn aktiv sind, fühlen sich der Mannschaft weiter verbunden. So kickt zum Beispiel André Luge inzwischen in der Bayernliga für die DJK Vilzing, schaut aber noch regelmäßig beim Training vorbei. Ausgeliehene Akteure sind bei Auswärtsspielen des Jahn im Stadion. Und Erik Thommy, ein Aufstiegsheld, der mittlerweile für den VfB Stuttgart in der Bundesliga spielt, postete am Freitagabend ein Foto der jubelnden Jahn-Spieler auf seinem Instagramprofil und schrieb dazu: "Glückwunsch Jungs".

Zum Teamgedanken kommt eine große Mentalität der Mannschaft, die sie schon in den vergangenen Jahren immer wieder unter Beweis gestellt hat. Die Mentalität seiner Mannschaft sei "besonders", alle Spieler seien mit einer "sensationellen Mentalität" unterwegs, sagt Beierlorzer. Jüngstes Beispiel dafür ist die Partie gegen Ingolstadt, in der Regensburg nach 0:2-Rückstand noch gewonnen hat. "Wir dürfen kein Spiel abschenken und auch während des Spiels nicht frühzeitig aufgeben", gibt Beierlorzer vor. Man müsse immer bis zum Schluss fighten und "daran glauben, dass es gut werden kann." Das sei eine Eigenschaft, die die Mannschaft ohnehin mitbringe und wo Beierlorzer als Trainer sie immer wieder abholen könne.

Ebenfalls wichtig ist laut Beierlorzer, "dass wir ein klares Ziel haben, dass wir einen Plan haben, wie wir dieses Ziel erreichen können und dass die Mannschaft einen extremen Glauben daran hat, dieses Ziel erreichen zu können."

Verstärkter Konkurrenzkampf

Was sich in den letzten Wochen verbessert hat, ist der Konkurrenzkampf innerhalb des Teams. Schon vor dem Spiel in Nürnberg erklärte Beierlorzer, dass die Mannschaft enger zusammengerückt sei und einige Spieler aufgeschlossen hätten. Ein Umstand, der im Laufe der restlichen Saison noch zu einem großen Faktor werden kann. "Es ist unheimlich wichtig, dass der Kern an Spielern größer geworden ist, die auf diesem Niveau unterwegs sind", erklärt Beierlorzer. "Alle Spieler, die bislang zum Einsatz gekommen sind, haben sich auf das Zweitliga-Niveau hochgearbeitet", sagt Beierlorzer und blickt auf den Sommer zurück, als viele Fans sich zweitligaerfahrene Neuzugänge gewünscht hatten. "Wir hatten diese Zweitligaspieler schon in unserem Kader, nur hat es ihnen niemand zugetraut, dass sie das in dieser Art durchziehen."

Auch wenn man beim Jahn aufgrund der aktuellen Situation natürlich zuversichtlich ist, den Klassenerhalt zu schaffen, wie Beierlorzer erklärt, wird man sich nicht auf dem Geleisteten ausruhen. "Wir werden jedes Spiel als wichtigstes und nächstes Endspiel betrachten. Da lasse ich überhaupt keinen Weitblick zu", betont Beierlorzer. Zumal ihm die Würzburger Kicker als warnendes Beispiel dienen. Die Franken standen vergangene Saison nach der Hinrunde auf Rang sechs und stiegen am Ende dennoch direkt wieder ab. Er könne zwar nicht beurteilen, was bei Würzburg zum Einbruch geführt habe, das Beispiel belege aber, dass auch eine gute Ausgangslage keine Garantie auf Erfolg sei. "Wenn man zu große Zufriedenheit zulässt, dann kann man ein sicher geglaubtes Ziel am Ende dennoch nicht erreichen. Das darf uns nicht passieren", warnt Beierlorzer.

Gierig nach Erfolg

Anzeichen, dass sich die Mannschaft von der aktuellen Situation blenden lässt, gibt es nicht. Gier ist ein weiterer Begriff, den die Mannschaft verkörpert. "Wer nicht gierig ist, der gibt nicht alles", sagt Lais. Man sei gierig auf den Erfolg und darauf, das große Ziel zu erreichen. "Wir wollen für den Jahn und für Regensburg Historisches leisten. Das ist unser großer Ansporn", erklärt der Mittelfeldspieler. Und Achim Beierlorzer betont: "Wenn es einem zu gut geht, ist das der erste Schritt, dass man weniger macht. Das lassen wir gar nicht zu, im ganzen Verein nicht."

Um den Klassenerhalt zu verwirklichen, braucht die Jahnelf noch Punkte - am besten gleich am kommenden Samstag. Dann sind die Oberpfälzer bei Mitaufsteiger Holstein Kiel zu Gast. Die Störche stehen sogar noch besser da als Regensburg und belegen aktuell Rang drei in der Tabelle. Blickt man zudem noch nach Duisburg, die Tabellenfünfter sind, dann spielen alle drei Aufsteiger eine außergewöhnlich gute Rolle. Zufall? Eher nicht. Achim Beierlorzer sieht vor allem in der mannschaftlichen Geschlossenheit einen Grund dafür. "Kiel und Duisburg haben genauso wie wir einen ganz klaren Kern. Die Abläufe sind völlig klar und es steht ein Team auf dem Platz, das füreinander fightet." Man sehe an dieser Konstellation, "dass im Leistungsbereich die Komponente Team schon eine sehr wichtige ist."

Das Hinspiel gegen Kiel war die einzige Partie in dieser Saison, in der der Jahn bislang chancenlos war. "Da waren wir mit der 1:2-Niederlage sehr gut bedient", blickt Beierlorzer zurück. Zugute kommen könnte es den Regensburgern, dass man nun auswärts in Kiel antritt und somit die Initiative eher beim Gegner liegt. Man wolle schon hoch attackieren, vor allem die gefährlichen Umschaltmomente Kiels nicht zulassen, erklärt Beierlorzer: "Wenn wir sie vorne nicht greifen können, dann müssen wir sie tiefer attackieren, damit sie den Tiefgang nicht haben, der bei ihnen so wichtig ist." Am Ende sollen weitere Punkte aufs Regensburger Konto wandern, damit das Ziel Klassenerhalt noch näher rückt. Denn trotz der guten Ausgangslage gibt sich beim Jahn noch lange keiner zufrieden.

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