Andalusien Einzigartige Grabstätten als beliebtes Touristenziel

In dem rund wirkenden Friedhof von Sayalonga finden sich viele Hinweise auf Freimaurer. Foto: Günter Schenk

Eine Grabstätte von nationalem kulturellem Rang, Spaniens einziger runder Friedhof und die erste protestantische Grablege auf der Iberischen Halbinsel sind in der Provinz Malaga zur Touristenattraktion geworden: drei Gottesäcker in Casabermeja, Sayalonga und Malaga, die immer einen Besuch lohnen und vom Umgang mit dem Tod in einer Gesellschaft zeugen, die Jahrhunderte lang der katholische Glaube prägte.

Um Sayalongas Friedhof blühen die Legenden

Der Zufall ist es nicht, der Besucher nach Sayalonga ins andalusische Hinterland verschlägt, gut 45 Autominuten östlich der Provinzmetropole Malaga. Eher die Neugier, die immer mehr Menschen in das Bergdörfchen lockt, wo Spaniens einziger runder Friedhof liegen soll. Weiß getüncht sind seine Gräber - so wie die meisten Häuser des Dorfes. Achteckig ist der Kirchturm - genau wie der Friedhof, der den meisten Betrachtern allerdings rund erscheint. "Vielleicht", mutmaßt der Ortshistoriker Valentín Fernández beim Rundgang über die Grabstätte, "hat man im Friedhof die Form des Kirchturms wiederholt".

Genaues weiß auch er nicht, so dass um Sayalongas Grabstätte viele Legenden blühen - und noch mehr Spekulationen. Die sind besonders groß, weil das gesamte Archiv des Dorfes vor Jahren verbrannte.

Alle Toten ruhen in Sayalonga nicht in der Erde, sondern in kleinen Grabnischen, die sich wie Honigwaben aneinander reihen. Gebettet sind sie alle mit dem Kopf nach hinten und den Füßen nach vorne, so als müssten sie am Jüngsten Tag, an dem nach biblischen Vorstellungen die Toten vor dem göttlichen Weltenrichter erscheinen, nur noch einen Schritt aus ihrer Grabliege machen. Mehr und mehr aber glaubt man in Sayalonga, dass sich im runden Friedhof die Freimaurer ein geheimes Denkmal gesetzt haben, zumal viele Bürger bis hin zum einstigen Bürgermeister Mitglied einer Loge waren. Diese These nähren auch weitere Freimaurer-Zeichen auf einigen Gräbern, die erst in den letzten Jahren entdeckt wurden.

So gibt es überall versteckte Hinweise auf Weisheit, Stärke und Schönheit, auf Tugenden, der sich die Freimaurer besonders verschrieben hatten. Seit fast einer Generation aber wird niemand mehr auf dem "Cementerio Redondo" beerdigt, will man den unter Denkmalschutz stehenden Friedhof als Touristenattraktion vermarkten. So gibt es am Eingang ein kleines Informationszentrum - und am Allerheiligentag eine Spezialführung über die von vielen Hundert Kerzen erleuchtete Grabstätte. Künftig will man die im Inneren der Anlage gelegenen Gräber, die erst seit 1950 hinzukamen, abtragen, damit der Friedhof sich wieder so zeigen kann, wie er einmal gedacht war: als ein runder Gottesacker, in dem keiner der Toten dem anderen den Rücken zuwendet.

Die Toten der "Gneisenau" wurden in Malaga begraben

Nicht mehr als Grabstätte genutzt wird auch Spaniens erster protestantischer Friedhof im Osten Malagas. 1831 wurde er angelegt, um Protestanten ein würdiges Begräbnis zu geben. "Bis dahin", erzählt eine Stadtführerin, " wurden deren Leichen am Strand mit dem Kopf nach oben eingegraben. Wenn die Hunde schneller waren als das Meer, erledigten sie den Rest". Heute ist der Friedhof unweit der Stierkampfarena, in der auch eine Gemeinde der Church of England ihren Sitz hat, ein beliebtes Touristenziel. Besonders ins Auge fallen die ganz mit Muscheln bedeckten Kindergräber.

Deutsche Besucher suchen aber meist die Gräber ihrer Landsleute auf, die im Winter des Jahres 1900 vor der Küste Malagas einen schrecklichen Tod fanden. Beim Untergang des Schulschiffes "Gneisenau" starben mindestens 40 der rund 450 Marinesoldaten. Karl Kretschmann - Kapitän "der schwimmenden Repräsentanz des Deutschen Kaiserreiches", wie das Schiff einmal genannt wurde - liegt heute in einem monumentalen Grab auf Malagas protestantischem Friedhof. Schlicht und einfach sind die Schiffsjungen begraben, der jüngste nicht einmal 15 Jahre alt.

Tonnenartige Grabmäler in Casabermeja

Als Grabstätte noch genutzt dagegen wird der direkt neben der Autobahn von Malaga nach Sevilla gelegene Friedhof in Casabermeja. Rund 1 000 Gräber genießen hier seit 2006 den Schutz spanischen Kulturerbes. Wie alle anderen Friedhöfe auch liegt er außerhalb des Zentrums - Folge einer Anordnung des spanischen Königs Karl III (1716-1788), der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts anordnete, dass aus hygienischen Gründen Friedhöfe nur außerhalb der Städte und Dörfer angelegt werden dürfen. Nur die Reichen ließen sich noch innerhalb der Kirchen beerdigen.

Schon Ende des 18. Jahrhunderts wurden in Casabermeja die ersten Armen rund um die Friedhofskapelle bestattet, ab 1828 zeugen dann Grabplatten von zunehmenden Beerdigungen.

Erdgräber gibt es in Casabermeja keine. Stattdessen tonnenartige Grabmäler, wie sie schon die Römer mit ihren Katakomben kannten. Drei Leichname werden hier gewöhnlich übereinander bestattet, die Grabstellen meist vorne mit einem kleinen Gitter verschlossen. Obenauf stehen eiserne Kreuze, jedes ein bisschen anders geformt. "Die meisten Toten", erzählt der Bürgermeister, "sterben bei uns zuhause". Nach einer 24-stündigen Totenwache im Haus wird der Leichnam dann zu Grab getragen. Meist im kleinsten Familienkreis und ohne Pfarrer, denn in den engen Reihen der Gräber ist kein Platz für große Abschiedszeremonien.

Weitere Informationen

Sayalongas Friedhof, den "Cementerio Redondo", erreicht man mit dem Auto in gut 45 Minuten von Malaga aus über die Autobahn A7 ostwärts. An der Ausfahrt Algarrobo verläßt man die Autobahn und fährt über ein kurvenreiches Sträßchen Richtung Norden nach Sayalonga. Der immer geöffnete Friedhof liegt zu Füßen des weißen Dorfes.

"Cementerio Inglés" heißt Spaniens ältester protestantischer Friedhof in Malaga. Er ist täglich außer Montags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Engländer kennen ihn als Cemetery of St.George. Er liegt am Anfang der "Avenida de Príes" im Stadtteil Limonar.

Der Friedhof von Casabermeja, die Spanier heißen ihn "Cementerio de San Sebastian, liegt gut 30 Autobahnminuten nördlich von Malaga. Er ist täglich von 9 bis 20 (im Winter bis 19) Uhr geöffnet.

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading

Videos