50 Jahre Chamer Zeitung Die Kuriosigkeit der Sprache

Alle Buben und Mädchen erbrachen großartige Leistungen. Foto: Stieglitz

Wir lieben Sprache. Tag für Tag bekommen wir sie auf den Tisch - in Form von Pressemitteilungen und Mitarbeitertexten. Dann feilen, biegen und schleifen wir an Formulierungen, wir zersägen Sätze und setzen sie neu zusammen, bis abends das fertige Produkt am Bildschirm steht. Das sollte fehlerlos sein - einfach formuliert, verständlich, mit überraschenden Bildern und makellos bis zum letzten Komma. Schließlich liegt jeder Fehler am nächsten Morgen tausendfach auf den Frühstückstischen des Landkreises. Und genau das wird auch geschehen. Denn wir scheitern. Jeden Tag. Und eines kann ich Ihnen versichern: Es tut uns leid!

Dieser Text ist aus der Beilage "50 Jahre Chamer Zeitung". Mehr dieser Texte finden Sie auf unserer Themenseite.

Was Sie, lieber Leser, aber nicht wissen: Die allermeisten Fehler bekommen Sie gar nicht zu Gesicht. Und ehrlich gesagt: Sie wissen gar nicht, was Ihnen entgeht. Denn es gibt Fehler, die sind so schön, dass es richtig wehtut, sie zu tilgen. Sie machen aus einem grob gezimmerten Satz eine kleine Kostbarkeit. Eine "Kuriosigkeit", wie ein Mitarbeiter einmal geschrieben hat. Normalerweise verschwinden sie im Dunkel der Textkorrektur. Heute dürfen sie einmal ans Licht. Deshalb: "Schweinwerfer an!"

Qualität zieht sich eben immer aus

Manchmal geht der Spaß schon auf Termin los. Wenn der Referent am Ende seines Vortrags mit Schmelz in der Stimme resümiert, dass sich Qualität unter dem Strich auszieht, entstehen Bilder im Kopf, die einem den Rückweg in die Redaktion versüßen. Dort geht es munter weiter. Ein Klassiker aus dem Alltag eines Tageszeitungsredakteurs ist die Nachricht, dass "der Ortsverband der CSU die Kindergrippe besichtigt". Hoffentlich steckt sich keiner an! Überhaupt sind Fehler oft gesundheitsgefährdend. Zum Beispiel, wenn sich die Darsteller eines Theaterstücks mit ihren Rollen "infizieren". Die Folge: "Alle Buben und Mädchen erbrachen großartige Leistungen." Das kann zu Problemen führen, die man erst einmal in den Griff bekommen muss. Oder, wie es ein Sportberichterstatter einmal ausdrückte: "Für den Trainer ergibt sich eine Syphilisarbeit."

Überhaupt: der Sport. Ein schwieriges Terrain. Manch einer fällt gedanklich zurück ins "Grünwalder Stadium", wenn er nach den richtigen Worten sucht. So wie der Trainer, der nach dem Sieg bekannte: "Wir haben ein standesamtliches Ergebnis erzielt." Das glauben wir gerne, schließlich sind Fußballer mit Herzblut bei der Sache und kämpfen bis zum Ende. Auch wenn der Zug schon abgefahren ist: "Das 1:4 drei Minuten später war nur noch Ergebnismanufaktur." Aber nicht immer sind die Ergebnisse so eindeutig. Bei einem Stockturnier in Weiding war es beispielsweise recht spannend. Aber auch gemütlich. Denn: "Alle Teilnehmer lagen lange eng beieinander."

Wenn man die Stecknadel im Heuhaufen fallen hört

Bei so viel Sport kann man schon einmal durcheinanderkommen. Manchmal sind ganze Vereine verwirrt. Zum Beispiel hier: "In seinem letzten Jahr vor der Konfusion mit dem SV Schönthal läuft der VfR Premeischl noch einmal in der A-Klasse auf." Und wenn's trotzdem nicht rund läuft, dann gilt: "Will der Tabellenletzte noch aus der Patrouille kommen, muss er dringend Punkte sammeln." Oder auch: "Aber es half alles nicht, wenn der Wurm drin ist, dann kann man sich auf den Kopf stellen." Aber, wie wir ja schon gelernt haben, zieht sich Qualität am Ende eben doch aus. Anders gesagt: "Die Zukunft des Vereins kurz anreißend, meinte er zum Schluss: Die Segel sind gut bestellt." Das freut auch "Turnvater Jan".

Schluss mit lustig, rüber zur Kultur. Hier ist Ernst geboten, beispielsweise wenn die Künstler mit "Zittermusik" brillieren. Oder auch Andacht, wenn es heißt: "Die Gedenkfeier eröffnet die Blaskapelle mit einem Korall." Kultur hat einfach das Zeug dazu, die Menschen anzurühren - das gilt auch für Werke aus Hollywood: "Jung und Alt waren von dem Film derart fasziniert, so dass man die berühmte Stecknadel im Heuhaufen hätte fallen hören können." Manchmal sorgen zumindest Quereinsteiger im Feuilleton für Lacher, zum Beispiel im Fall der unbekannten Künstlerin, deren Witze und Dialoge "mittlerweile Kulturstatus" haben. Bis es heißt: "Mit knacken Schlussakkorden verabschiedete sich die Band."

Am schönsten sind Verschreiber immer dann, wenn sie dem Text eine überraschende Wendung geben. Ein "z" zu wenig, und der Bürgermeister legt am Volkstrauertag einen Kran nieder. Ein "w" zu viel, und der Landrat unterstützt überraschenderweise die "Schwulen im Landkreis". Ein Buchstabendreher, und des Jubilars größte Freude ist es, "seine Gegner beim Watten zu beschießen". Den Fehler gibt es natürlich auch umgekehrt, wenn die Schützen sich zum "Scheißabend" treffe. Bitte entschuldigen Sie die Wortwahl.

Die Beispiele sind zahllos: Zur Lesung kommen die "Verwandten des Autos", die Feuerwehrler bauen eine "Sauleitung" auf, die Politiker ziehen in den "Walkampf" und den Bürgermeister holt seine wilde Jugend ein, wenn es heißt: "Als letzter Punk der öffentlichen Sitzung informierte der zurzeit amtierende Bürgermeister das Gremium über ein Infoschreiben des Bayerischen Städtetages."

Elisabeth schreibt hier noch drei Zeilen rein

Und weil wir Redakteure und unsere freien Mitarbeiter nicht alleine Zeitung machen, hilft die Anzeigenabteilung nach Kräften mit. Da werden Hunde der Rasse Golden Red River angeboten, die Disco am Ort sucht einen Leitjockey und in einer Hausmitteilung heißt die neue Pizzeria "La deutsche Vita". Und natürlich leisten auch wir Redakteure tatkräftig unseren Beitrag. Der Hinweis "Elisabeth schreibt hier noch drei Zeilen rein" ging zwar nicht in Druck. Für die eine oder andere Kindergrippe auf dieser Welt waren aber sicher gestandene Redakteure verantwortlich. Und auch so mancher Fehler in diesem Text stammte nicht von freien Mitarbeitern, sondern war echte Redakteursarbeit. In diesem Sinne: Schweinwerfer aus!

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