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Artikel vom 04. March 2013 17:36, 333 mal gelesen

Gefahr von Wildunfällen steigt an

Urplötzlich ein Reh im Scheinwerferkegel

Gefahr von Wildunfällen steigt derzeit wieder an – Tiere mit „Frühlingsgefühlen“

Autor: rp
 Ein Rehbock im Haarwechsel. Derzeit ist die Gefahr eines Wildunfalles wieder besonders groß.

Ein Rehbock im Haarwechsel. Derzeit ist die Gefahr eines Wildunfalles wieder besonders groß.

Ein Uhr morgens, in der Nähe von Kößnach: Die Nacht ist stockdunkel, Mond und Sterne sind hinter einer dichten Wolkendecke verborgen, die Staatsstraße 2125 verläuft schnurgerade, die Sicht ist gut, doch dann, urplötzlich, springt von links ein großes Tier in den Lichtkegel des Autoscheinwerfers. Schrecksekunde - und schon ist es zu spät. Ein dumpfer Aufprall, die Plastikschürze an der Fahrzeugfront ist zerrissen, und das Reh, das eben noch munter quer über die Straße rennen wollte, liegt tot im Graben.

In den waldreicheren Gebieten des Landkreises mag man vielleicht stärker damit rechnen - die benachbarte Polizeiinspektion Viechtach hat in ihrer soeben vorgestellten Statistik zum Beispiel 44 Prozent aller Unfälle in ihrem Gebiet als Wildunfälle erfasst -, aber das Beispiel aus der vergangenen Woche zeigt, dass in der Gäubodenebene mit ihren weitläufigen Feldern die Gefahr ebenfalls groß ist. Die Annahme, dass man auf den derzeit noch kahlen Feldern die Tiere schon von weitem sehen müsste, trügt. In einer mondlosen Nacht erscheint alles außerhalb des Scheinwerferkegels tiefschwarz.

Auf Frühling eingestellt

Die Tiere jedoch sind schon nicht mehr auf Winter, sondern vielmehr bereits auf Frühling eingestellt. Wenn die Temperaturen steigen und die Tage wieder länger werden, beginnt im Tierreich schon wieder die Zeit der Kinderstuben. Im Monat März werden bereits die ersten Jungtiere bei Wildschwein und Dachs geboren, auch der Feldhase setzt jetzt schon das erste Mal im Jahr die Junghasen. Einige Vogelarten, wie etwa Fasan und Rebhuhn, beginnen mit der Balz, und das endlich wieder sprießende Grün lockt nun die Vegetarier unter den Wildtieren wie Reh und Hase aus dem Schutz der Deckung hinaus in die Feldflur.

Wildunfallrisiko steigt

Das Stoffwechseltief vom Winter ist jetzt überwunden. Heißhunger treibt die Tiere auf der Suche nach Nahrung jedoch auch allzu oft auf die Straßen. Wenn durch die anstehende Zeitumstellung die Zeit für die Futtersuche auch noch mit dem morgendlichen Berufsverkehr zusammenfällt, steigt das Risiko für Wildunfälle jedes Jahr deutlich an. Aber auch bei Nacht sind Wildtiere unterwegs. Nicht alles schläft bei Dunkelheit.

Die Wildunfall-Zahlen sprechen für sich. Im vergangenen Jahr hat die Polizei Straubing 831 Kollisionen mit Rehen verzeichnet. Weiter in dieser Statistik: 35 Wildschweine, 195 Hasen, 26 Füchse, 19 Dachse, 14 Greifvögel und 16 sonstige Tiere. Im Jahr zuvor lagen die Zahlen ähnlich.

Die Vorsitzenden der Kreisgruppen Straubing Stadt und Land, Bogen und Mallersdorf im Bayerischen Jagdverband, Rolf-Dieter Pfeilschifter, Sepp Niemeier und Ludwig Krinner, rufen gerade jetzt alle Autofahrer zu erhöhter Vorsicht auf - zumal auch für den Menschen nicht alle Unfälle so vergleichsweise glimpflich verlaufen wie der eingangs geschilderte: Frontal erfasste Rehe können durchaus die Windschutzscheibe durchschlagen. Besonders gefahrenträchtig sind den Worten der drei Vorsitzenden zufolge Straßenränder in Waldungen und in Bereichen, wo der Wald und das angrenzende Feld durch eine Straße getrennt sind.

Den Jagdpächter rufen

Ist ein Wildtier durch die Kollision mit einem Fahrzeug verletzt oder getötet worden, ist unverzüglich der zuständige Jagdpächter beziehungsweise die Polizei zu informieren. Lebt ein angefahrenes Tier noch, kann der Jagdpächter es rasch von seinem Leiden erlösen. Er ist auch für die Beseitigung des Tieres zuständig - das statistisch als "Abschuss" gilt, auch wenn es nicht durch eine Kugel zu Tode kam.

Sei etwa ein totes Reh nach einem Unfall noch vergleichsweise gut erhalten, könne der Jagdpächter es für Hundefutter verwenden, sagt Pfeilschifter. Ansonsten komme es in die Tierkörperbeseitigungsanlage nach Plattling.

Haarkleid wechselt nun

Die Zeit des Frühlings-"Erwachens" ist für viele Wildtierarten auch mit einem Haar- beziehungsweise Federwechsel verbunden. Die dicke "Winterkleidung" wird ab- und ein leichteres Haarkleid angelegt beziehungsweise werden alte Federn durch neue ersetzt - bei Wildtieren genauso wie bei den Haustieren. Der Wechsel vom Winterhaar zum roten Sommerhaar beim Rehwild, das "Verfärben", beginnt jetzt.

Der Hauptauslöser für das Abhaaren im Frühling, wie das der Jäger nennt, ist die zunehmende Tageslichtlänge. Das Haar fällt büschelweise aus, sodass die Rehe recht "mitgenommen" aussehen. Die Tiere sind aber nicht etwa krank, sondern folgen zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst, diesem biologischen Rhythmus. Der Wechsel beginnt am Haupt und zieht sich von dort nach hinten und unten fort und dauert bei gesunden Tieren etwa vier bis sechs Wochen. Rehe bilden aber auch während des restlichen Jahres neues Haar und ersetzen so ausfallende, alte Haare.

"Start ins Jahr erleichtern"

"Jetzt erwacht die Natur aus dem Winterschlaf, und es wird Zeit, neue Lebensräume, das heißt, wertvolle Deckungs-, Äsungs- und Blühflächen für die einheimische Tierwelt zu schaffen und bestehende zu pflegen", sagt Rolf-Dieter Pfeilschifter weiter. "Gerade zu dieser Jahreszeit zeigt sich deutlich, dass ein Schwerpunkt der Aufgaben des Jägers in der Hege besteht. Nun liegt es in der Verantwortung von uns Jägern, unserem Wild und anderen wildlebenden Tieren in der Kulturlandschaft, die der Mensch geschaffen hat, mit geeigneten Maßnahmen den Start in ein neues Jahr zu erleichtern."

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