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Artikel vom 28. Dezember 2012 08:13, 2032 mal gelesen

Landshut

Optogan beantragt Insolvenz

Der Leuchtdiodenhersteller beantragt Insolvenz – 40 Beschäftigte bangen um ihre Jobs

Autor: Siegfried Rüdenauer
Noch befinden sich LFoundry und Optogan auf einem Gelände.

Noch befinden sich LFoundry und Optogan auf einem Gelände.

So schnell kann es gehen: Mitte Oktober 2011 nahm der russische Leuchtdioden-Hersteller Optogan mit großem Brimborium und Vorschusslorbeeren sein Werk für die LED-Chipfertigung auf dem LFoundry-Areal in Betrieb. Zur offiziellen Eröffnung reiste eigens Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) an. Die Rede war davon, dass bis zu 200 Stellen geschaffen werden könnten. Doch nur ein Jahr später kam der Paukenschlag: Optogan meldete Insolvenz an, wie die LZ erfuhr. Jetzt hat das Unternehmen gerade noch 40 Beschäftigte.

Die ernste Angelegenheit hat einen ironischen Aspekt. Wirtschaftsminister Zeil hatte damals an der Jenaer Straße davon gesprochen, dass Erfolg und Misserfolg oft dicht beieinanderlägen. Damit hatte er auf den Halbleiterhersteller LFoundry angespielt, gegen den damals das Insolvenzverfahren eröffnet worden war. Die Ansiedlung Optogans, das 16 Millionen Euro in den Standort investiert hatte, hatte Zeil als Gewinn für das Hightech-Land Bayern und besonders für Landshut gepriesen. Dass der Leuchtdiodenhersteller nun nach nur einem Jahr wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz beantragen würde, hatte sich der Minister so wohl nicht vorgestellt.

Die rund 40 Beschäftigten haben laut Insolvenzverwalter Dr. Marcus Göbel und seinem Kollegen Matthias Dieckmann bis Ende Februar einen sicheren Arbeitsplatz. Dies sei der Arbeitsagentur zu verdanken, die das Insolvenzgeld übernehme. So gebe es einen zeitlichen Spielraum, in dem die Möglichkeiten ausgelotet werden könnten, das hochqualifizierte, aus Technikern, Ingenieuren und Kaufleuten bestehende Personal auch anschließend unterzubringen.

Die miserable Lage beim LED-Produzenten erklärt Göbel besonders mit einer strategischen Entscheidung des Haupteigentümers. Der Landshuter Standort gehört einer finnischen Firma, die wiederum Tochter des russischen Optogan-Unternehmens ist. Dort, so Göbel, habe man sich dazu entschlossen, im Wesentlichen aus der Produktion auszusteigen, um die fertigen Chips günstiger auf dem Weltmarkt, vornehmlich in Asien einzukaufen. Der in der euphorischen Anfangsphase gepriesene Dreiklang aus Entwicklung, Produktion und Vertrieb in Landshut hat sich überlebt.

DGB-Regionschef Klaus Pauli vermutet ein Machtspiel auf dem Rücken der Beschäftigten. Er geht davon aus, dass das federführende Unternehmen in Russland von vornherein die Produktion in der Hauptfiliale haben wollte, um dort Arbeitsplätze zu sichern. Göbel und Dieckmann sind angesichts dieser Vermutung skeptisch, immerhin habe Optogan in Landshut viele Millionen Euro investiert.

Chance für den Standort

An der Jenaer Straße könnte womöglich der Vertrieb erhalten bleiben. Die Frage, ob die Situation Optogans auf Managementfehler zurückzuführen ist, wollten Göbel und Dieckmann vorerst nicht beantworten. Schließlich seien sie noch dabei, die Ereignisse der vergangenen Monate aufzuarbeiten.

Optogan hat sich vor einem Jahr bei LFoundry eingemietet, wo bis Ende 2011 noch Halbleiter produziert wurden. LFoundry, zuvor Renesas und davor Hitachi, wird von Insolvenzverwalter Alexander Saponjic betreut, dem das insgesamt rund 62 000 Quadratmeter große Areal gehört. Bis Ende des Jahres sind bei LFoundry noch rund 20 Leute beschäftigt. Sie sind im Moment dabei, das Innenleben der Gebäude umzukrempeln. In einem Teil soll eine rund 6000 Quadratmeter große, barrierefreie Halle entstehen.

Später könnten Investoren einzelne, keimfreie Räume oder Hallen übernehmen und High-Tech-Produkte herstellen. Die theoretische Möglichkeit, dass sich wieder ein Halbleiterhersteller ansiedelt, bezeichnet Saponjic als chancenlos. Der Zug sei hierzulande abgefahren. Einziehen könnten stattdessen andere, etwa Autozulieferer, Rechenzentren, Biotechnik- oder Luft- und Raumfahrtfirmen. Sie könnten dann produzieren, lagern und verwalten. Die hochwertige technische Infrastruktur sei schon da. Und sie könnten Mitarbeiter übernehmen, die sich mit den Gebäuden schon auskennen.

Um die Sache anzukurbeln, hat Insolvenzverwalter Saponjic mit anderen das Projekt "brainwood Landshut" ins Leben gerufen, um weltweit Interessenten zu gewinnen. Auf der Homepage dazu heißt es: "Willkommen am Startplatz für Neues. Neue Ideen, Technologien, Angebote brauchen ein Umfeld, in dem sie leichter wachsen können. In Landshut finden Sie den idealen Nährboden für ihren Fortschritt." Fortschritt auf einer Nutzfläche von rund 45 000 Quadratmetern. Das Motto dazu lautet "Früher Halbleiterproduktion, heute Start- und Landeplatz für Ihre Ideen".

Womöglich übernimmt eines der neuen Unternehmen einen Teil der Optogan-Beschäftigten. An ihrer Motivation und der der Belegschaft scheitere es auf jeden Fall nicht, sagen die Insolvenzverwalter.

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