Lesenswert (5) Empfehlen Google +

Artikel vom 23. November 2012 08:10, 943 mal gelesen

Landau

Schließt die Geburtenstation im Krankenhaus?

In heutiger Sitzung soll Entscheidung fallen - Online-Petition findet große Unterstützung

Die kleine Alesia mit ihren Eltern und Oberärztin Natalya Klassen, Krankenschwester Anneliese Sommersperger, Hebamme Martina Fraundorfner und Krankenschwester Julia Schmid (v. l.). Die Entbindung verlief problemlos wie bei Tausenden vor ihnen im Landauer Krankenhaus - damit soll bald Schluß sein? Das darf nicht der Ernst einiger weniger sein. (Foto: Wimberger)

Die kleine Alesia mit ihren Eltern und Oberärztin Natalya Klassen, Krankenschwester Anneliese Sommersperger, Hebamme Martina Fraundorfner und Krankenschwester Julia Schmid (v. l.). Die Entbindung verlief problemlos wie bei Tausenden vor ihnen im Landauer Krankenhaus - damit soll bald Schluß sein? Das darf nicht der Ernst einiger weniger sein. (Foto: Wimberger)

Obwohl einst das Paradepferd des Landauer Krankenhauses und auch zuletzt noch respektable Geburtenzahlen aufweisend, gibt es ernsthafte Anzeichen für eine Schließung der Geburtshilflichen Abteilung. Eine Entscheidung soll heute in der Sitzung des Verwaltungsrates des Donau-Isar-Klinikums fallen. Indes hat sich in den letzten Tagen in der Landauer Bevölkerung starker Widerstand formiert mit dem Ziel, diese "unverständliche" Maßnahme zu verhindern. Neben einer Facebook-Aktion wurde auch eine Online-Petition gestartet. Einen gemeinsamen Aufruf richten die drei Landauer Bürgermeister an das Klinikum. Der Landauer Ortsverband der Frauen-Union will wissen, "ob Frauen ihre Kinder im nächsten Jahr noch im Landauer Krankenhaus zur Welt bringen können."

Die Online-Petition "Rettet die Geburtshilfe am Krankenhaus Landau a.d.Isar!", die Michael Sturm initiiert hat, wozu auch Unterschriftenlisten in Landauer Geschäften ausliegen, hat in kurzer Zeit viele Unterstützer gefunden. Darin werden der Verwaltungsrat des Donau-Isar-Kinikums und Landrat Heinrich Trapp aufgefordert, die Geburtshilfe im Landauer Krankenhaus nicht nur zu erhalten, sondern sie wieder in eine Hauptabteilung umzuwandeln, um kostendeckend arbeiten zu können. Detailliert sollte dargelegt werden, wie es zu den vermeidbaren Verlusten durch die Umwandlung in eine Belegabteilung kommen konnte. Ebenso, wieso diese Entscheidung "trotz besseren Wissens" und entsprechender Hinweise an Landrat Trapp, die teilweise bereits über zwei Jahre zurückliegen, nicht wieder rückgängig gemacht wurde. Die Verantwortlichen für diese Verluste müssten zur Rechenschaft gezogen und gegebenenfalls eine Befragung des damaligen Verwaltungsratsvorsitzenden des ehemaligen Kreisklinikums, Landrat Trapp, sowie nötigenfalls weiterer Mitglieder ermöglicht werden. Die Bürger seien über weitere Planungen sowie über Erkenntnisse in dieser Angelegenheit detailliert und wahrheitsgemäß zu informieren.

Mehr zum Thema

Video wird geladen 

Obwohl einst das Paradepferd des Landauer Krankenhauses und auch zuletzt noch respektable Geburtenzahlen aufweisend, gibt es ernsthafte Anzeichen für eine Schließung der Geburtshilflichen Abteilung.


Nach Ansicht Sturms liegt das Problem "rein an der Organisationsstruktur". Wäre die Landauer Geburtshilfe Hauptabteilung geblieben, schriebe sie zum jetzigen Zeitpunkt schwarze Zahlen. Bedingt durch die derzeitige wirtschaftlich unrentable Organisationsform sehe man sich allerdings mit einem dicken Minus konfrontiert. Dieses Defizit liege weder an zu wenigen Geburten noch an einer schlechten Arbeit der Ärzte und Hebammen. Vielmehr hätten dieses Problem die Klinikleitung und der Verwaltungsrat zu verantworten.

Appell der Stadtspitze

In einem dringenden Appell hat die Stadtspitze mit Bürgermeister Josef Brunner und seinen Stellvertretern Dr. Johanna Auerbeck und Xaver Hagn den Verwaltungsrat des Klinikums Donau-Isar aufgerufen, die Geburtshilfe in Landau zu erhalten. Es sollten nochmals alle Möglichkeiten geprüft werden, eine wohnortnahe Geburtshilfe zu erhalten. "Geben Sie dem Kranenhaus Landau noch mal die Chance, loten Sie alle Möglichkeiten aus und entsprechen Sie damit dem überwältigenden Wunsch der Bevölkerung." Der wirtschaftliche Druck werde nicht in Abrede gestellt, aber für die Erhaltung der Geburtshilfe gebe es noch Chancen, die genutzt werden sollten. "Wenn in Arnstorf ein Geburtshaus mit 150 Geburten bestehen und Landau mehr Geburten aufweisen kann als Dingolfing, dann ist eine Schließung hier niemandem zu vermitteln und zu erklären", heißt es in der Stellungnahme weiter.

Brunner, Dr. Auerbeck und Hagn verweisen darauf, dass alle Stadträte und die Fraktionen des Stadtrates diese klare Haltung einnehmen. "Ein Aus für die Geburtshilfe am Freitag würde einen Proteststurm hervorrufen, der dem Ansehen des Klinikums schwer schaden würde", betonen die Bürgermeister. In einer so wichtigen und weitreichenden Angelegenheit dürfe es keine Schnellschüsse geben. Vielmehr müssten alle Möglichkeiten genutzt werden, die Attraktivität des Krankenhauses zu verbessern. Die Landauer Bürgermeister, die alle auch Kreisräte sind, bedanken sich beim Kreistag von Dingolfing-Landau für den Grundsatzbeschluss vom Montag zur baulichen Modernisierung und zur weiteren Verbesserung im OP-Bereich. "Das war ein gutes und ermutigendes Signal für Landau, für die Bevölkerung und für das Krankenhaus. Deshalb kann jetzt am Ende dieser Woche kein Stopp stehen. Lassen Sie uns alle Alternativen ausschöpfen", appelliert die Stadtspitze.

FU "mehr als verwundert"

Auch die Frauen der FU Landau wenden sich besorgt an den Landrat und stellen fest, "mehr als verwundert" zu sein, dass sich erneut die Gerüchte um eine Schließung der Geburtshilfe-Abteilung am Landauer Krankenhaus häufen. Einige sehr verunsicherte schwangere Frauen, so Ortsvorsitzende Silvia Gradwohl, hätten sich an die Frauen-Union gewandt, deren Fragen man an Landrat Trapp weiterleite. Ende Oktober 2012 habe er ein Defizit von 430000 Euro pro Jahr für die Geburtshilfe und Gynäkologie am KKH Landau bekanntgegeben. "Kann das vielleicht auch daran liegen, dass Geburtshilfe und Gynäkologie von einer Hauptabteilung in eine Belegabteilung herabgestuft wurden, obwohl das KKH Landau schon seit vielen Jahren die meisten Geburten im Landkreis hat?" Warum werden gleiche Leistungen nach einem anderen Modus mit den Krankenkassen abgerechnet, wodurch pro Jahr 500000 Euro weniger erlöst werden. Man habe gehört, dass Hebammen am KKH Dingolfing angeblich eine "Lockprämie" in Form einer Mehrvergütung um 200 Euro pro Dienst erhalten sollen. "Wir können dies nicht glauben. Stimmt das? Verdient eine Hebamme für die gleiche Arbeit in Landau weniger als in Dingolfing?" Die Bürgerinnen und Bürger des Altlandkreises Landau würden sich mit ihren Bedürfnissen und Nöten allein gelassen fühlen. Darum bitte man den Landrat um sein volles Engagement für die Geburtshilfe des KKH Landau. "Wir Frauen wollen, dass auch in Zukunft Kinder in Landau zur Welt kommen können!"

Kommentare zum Artikel


Artikel kommentieren


Das könnte Sie auch interessieren

Von der Außenwelt abgeschirmt: Spezialklinik in Hamburg

Hamburg (dpa) - Seit Monaten wütet das Ebola-Virus in Westafrika. Jetzt wurde erstmals ein Patient zur...

mehr dazu
Anzeige
Anzeige

Verbreitungsgebiet Verbreitungsgebiet Cham Deggendorf Regen Dingolfing Straubing-Bogen Regensburg Landshut Erding-Freising-Kelheim
Anzeige

Bilderstrecken

Anzeige