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Artikel vom 22. Mai 2012 09:46, 858 mal gelesen

Interview mit Bauunternehmerin Sylvia Wagner

Sicherheitspakete lassen Bauherren ruhig schlafen

Solides Fundament für Traum vom eigenen Haus wichtig

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Sylvia Wagner aus Traitsching bei Cham leitet einen erfolgreichen Baubetrieb und ist als Partner von Town & Country Haus tätig (Immobilienvertrieb)

Sylvia Wagner aus Traitsching bei Cham leitet einen erfolgreichen Baubetrieb und ist als Partner von Town & Country Haus tätig (Immobilienvertrieb). Zuhause sprach mit ihr über das Thema Sicherheitspakete für Bauherren.

Zuhause: Frau Wagner, warum sind Sicherheitspakete beim Hausbau so wichtig?


Wagner: Ein Haus baut man zumeist nur einmal im Leben. In dieser wichtigen Lebensphase soll der Bauherr vor möglichen Risiken optimal geschützt sein. Er soll eine sorgenfreie und entspannte Bauzeit erleben. Deshalb hat die Schutzgemeinschaft für Baufinanzierende in München in einer Studie erhoben, welche Sicherheitspakete Baubetriebe anbieten, um ihre Kunden finanziell abzusichern.

Zuhause: Wie sieht diese Studie genau aus?


Wagner: Es wurden die Sicherheitspakete von insgesamt 550 Massiv- und Fertighausherstellern in Deutschland unter die Lupe genommen. Getestet wurden vor allem Leistungen, die das Kapital der Bauherren schützen sollen. Daneben wurden zum Beispiel Gewährleistungsansprüche und Maßnahmen zur Qualitätssicherung geprüft. Insgesamt umfasst der Testkatalog 22 verschiedene Kriterien. Offengelegt wird dabei auch, welche der Maßnahmen nur gegen Aufpreis erhältlich sind.

Zuhause: Auf was sollte ein Bauherr beispielsweise bereits vor dem Baubeginn achten?

Wagner: Von äußerster Wichtigkeit ist ein Bodengutachten. Es gibt Auskunft über die Beschaffenheit des Bodens und der Tragfähigkeit. So kann das Risiko eines Absackens des Untergrunds ausgeschlossen werden, aber auch kostenintensive Überraschungen, wie Wasseradern, Altlasten oder Gesteine können vorher entdeckt werden. Dieses Bodengutachten sollte in einem Sicherheitspaket enthalten sein. Ein weiteres unerlässliches Sicherheitskriterium, das der Bauherr bereits vor dem Bau mit seinem Bauunternehmer abklären sollte, ist die Finanzierungssummen-Garantie: Hier prüft eine unabhängige Stelle, die Schutzgemeinschaft für Baufinanzierende e. V., ob die vom Bauunternehmer veranschlagte Finanzierungssumme realistisch ist oder nicht. Auch diese Absicherung sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Zuhause: Danach erfolgt die Bauphase. Worauf kommt es hier an?

Wagner: Ich rate zum Beispiel auf jeden Fall zu einem vom Wirtschaftsprüfer verwaltetes Baugeldkonto. Hier muss auf Sicherheit gesetzt werden. Das Geld muss auch für das eigene Haus ausgegeben werden und nicht für andere Verbindlichkeiten des Bauunternehmens. Auch sollte in einem seriösen Bauvertrag festgeschrieben sein, dass im Zuge des Baucontrollings durch einen Gutachter während des Baus Kontrollen durchgeführt werden.

Zuhause: Nach dem Bauen sind die Sorgen um das Eigenheim noch lange nicht zu Ende. Auch dann müssen sich Bauherren absichern. Können Sie hierfür Beispiele nennen.

Wagner: Mir fällt hier als erstes der Gewährleistungsschutz ein. Gesetzlich gesehen muss ein Bauunternehmer bis zu fünf Jahre nach der Fertigstellung eines Hauses Mängel ausbessern. Wenn der Bauunternehmer in dieser Zeit zum Beispiel in Insolvenz geht, dann tritt eine Versicherung in Kraft und kommt für die Beseitigung der Mängel auf. Eine doppelte Sicherheit also. Auch eine spezielle Arbeitslosenversicherung soll Unwägbarkeiten im Leben des Bauherren und seiner Familie ausgleichen. Diese Versicherung trägt Teile der Darlehensraten und kann so den schlimmsten Fall verhindern: Den Verlust des Zuhauses.

Zuhause: Dies sind nur einige der insgesamt 22 Kriterien die geprüft wurden. Wo kann man die Studie nachlesen und prüfen welche Firmen mit ihren Angeboten vorne liegen?

Wagner: Bauherren können sich in Ruhe unter www.finanzierungsschutz.de umsehen. Hier sind auch noch viele weitere Fachbegriffe erklärt, die ein Bauherr kennen sollte.

Zuhause: Können Sie noch einen Fall aus ihrer Praxis nennen, bei dem ein Sicherheitspaket gegriffen hat?

Wagner: Mir ist noch ein besonders tragischer Fall einer Familie im Gedächtnis. Mein Unternehmen hatte einen Bauvertrag mit einem jungen Ehepaar abgeschlossen. Der Bau stand wenige Wochen vor dem Abschluss. Bei einem tragischen Autounfall kam der junge Mann ums Leben. Seine Frau, die im achten Monat schwanger war, stand mittellos da. Ihr Haus musste versteigert werden. Im Normalfall wäre Sie mit Schulden aus der Sache herausgegangen, denn der Versteigerungserlös ist zumeist geringer als der tatsächliche Wert. Durch eine Versicherung konnten diese Schulden abgefangen werden und zu ihrem schweren Schicksalsschlag kam nicht noch das Problem einer Verschuldung hinzu. In einem anderen Fall wurde ein großer Findling in einer Baugrube gefunden, der mit Extrakosten von mehreren tausend Euro beseitigt werden musste. Kosten mit denen der Bauherr nicht gerechnet hatte, konnten so über die Versicherung reguliert werden.

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