AZ-Interview zu Haching

TSV 1860: Ex-Löwe Stephan Hain schlägt vor S-Bahn-Derby Alarm


Konkurrenten in der Dritten Liga: Hachings Stephan Hain (li.) und Löwen-Kapitän Felix Weber.

Konkurrenten in der Dritten Liga: Hachings Stephan Hain (li.) und Löwen-Kapitän Felix Weber.

Von Patrick Mayer / Online

Haching verliert 2019 Spiel um Spiel. Vor dem S-Bahn-Derby beim TSV 1860 sprach die AZ mit dem Ex-Löwen Stephan Hain über die Krise der Münchner Vorstädter, Verunsicherung vor dem Tor - und einen unbequemen Gegenspieler Felix Weber.

München/Haching - Zwei Münchner Klubs, zwei völlig unterschiedliche Tendenzen: Während der TSV 1860 nach zuletzt drei Siegen aus vier Spielen wohl die Abstiegssorgen hinter sich gelassen, kann die SpVgg Unterhaching vom Aufstieg nach nur einem Sieg und drei Punkten aus sechs Spielen wohl allenfalls noch träumen.

Am Dienstag steigt nun das ersehnte S-Bahn-Derby beider Klubs im Grünwalder Stadion in Giesing (19 Uhr, live bei Magenta Sport und im AZ-Liveticker). Vor dem Drittliga-Kracher sprach die AZ mit Torjäger und Ex-Löwe Stephan Hain - über erstarkte Sechzger, verunsicherte Hachinger und schmerzhafte Momente im Strafraum.

AZ: Herr Hain, das S-Bahn-Derby beim TSV 1860 steht bevor - und ausgerechnet jetzt fällt Ex-Löwe Dominik Stahl wegen eines Zehenbruchs aus. Er wird Ihnen sicher fehlen.
STEPHAN HAIN: Definitiv! Er ist eine wichtige Stütze, wir haben wenige solcher Typen im Kader. Deswegen trifft uns sein Ausfall natürlich. Wir müssen das als Mannschaft kompensieren.

Hain bedauert Ausfall von Stahl

Keine leichte Aufgabe: Sie müssen ihn als robusten Abräumer und ersten Spieleröffner zugleich ersetzen.
Genau. Er kommt über den Zweikampf. Diese Qualität wäre gerade im Derby gefragt gewesen. Wir können es nicht ändern.

Im Training war am Sonntag dagegen ordentlich Feuer drin. Weil in Haching nach fünf Niederlagen aus sechs Spielen Frust herrscht?
Natürlich. Die letzten Wochen waren alles andere als zufriedenstellend. Es ist schon frustrierend. Das Gute ist, dass wir im März sieben Spiele haben. Dann darf man nicht lange ans letzte Spiel denken, sondern ist quasi gezwungen, vorauszuschauen. Jetzt erst Recht! Wir wollen wieder alles reinhauen. Vielleicht gelingt es uns im Derby, den Frust abzubauen.

Wie erklären Sie, dass Ihre Mannschaft derart eingebrochen ist?
Es ist schwierig, eine Erklärung zu finden. Jeder Spieler ist nicht in der Form, die uns in der Vorrunde ausgezeichnet hat. Wenn man so oft verliert, ist das Selbstvertrauen nicht ausgeprägt. Und: Wir haben nicht etwa unglücklich verloren, sondern verdient. Wir laufen unserer Form hinterher, müssen jetzt zu den Basics zurückkehren und über den Kampf kommen.

Oft eng gedeckt: Stephan Hain (li.), hier im Zweikampf mit Löwe Herbert Paul.

Oft eng gedeckt: Stephan Hain (li.), hier im Zweikampf mit Löwe Herbert Paul.

Hain gesteht: Haching ist verunsichert

Haching schießt auch deutlich weniger Tore - was Ihr Job wäre.
Wir spielen uns wenige bis kaum Torchancen heraus, sind oft zu hektisch. Die Durchschlagskraft und auch das Selbstverständnis fehlen. Aber das müssen wir uns wieder erarbeiten, dann kann es schnell wieder in die andere Richtung gehen.

Kein schönes Gefühl, wenn Sie als Stürmer im Strafraum stehen und merken, es läuft nicht.
Natürlich wird man unruhig. Es steht außer Frage, dass man verunsichert ist, wenn mehrere Spiele nichts zusammengeht. Wenn es nicht läuft, kommen die Gedanken automatisch. Aber gerade als Stürmer kann einem der Ball auch mal vor die Füße fallen, selbst, wenn man 85 Minuten nicht im Spiel ist. Ich wäre falsch beraten, wenn ich was erzwingen will.

In der Wintervorbereitung hatten Sie den Schwerpunkt auf Pressing und Gegenpressing gelegt - was jetzt nicht funktioniert?
Ich würde nicht sagen, dass es nicht funktioniert. Wir hatten in der Vorrunde einfach mehr Selbstvertrauen. Das merkt man mit, aber auch ohne den Ball. Grundsätzlich ist unsere Stärke, wenn wir den Ball haben.

Zwischen 2013 und 2016 beim TSV 1860: Stephan Hain (re.).

Zwischen 2013 und 2016 beim TSV 1860: Stephan Hain (re.).

Hain: TSV 1860 hat uns das Leben schwer gemacht

Während es bei Ihnen nicht läuft, haben die Löwen drei der letzten vier Spiele gewonnen.
Wir haben es ja selber erlebt im Derby, als uns Sechzig das Leben richtig, richtig schwer gemacht hat. Sie waren eine der besten Mannschaften, gegen die wir Zuhause gespielt haben. Sie wissen, wie wir spielen, dass wir nicht viel Selbstvertrauen haben und werden versuchen, das auszunutzen.

Beim TSV 1860 bildeten zuletzt Felix Weber und Simon Lorenz die Innenverteidigung. Was sind die Beiden für Abwehrtypen?
Im Hinspiel stand auch dasselbe Duo auf dem Platz. Ich kenne den Felix ja noch aus meiner Zeit bei Sechzig. Er ist ein sehr, sehr robuster Innenverteidiger und sehr zweikampfstark. Er ist sich nicht zu schade, den Ball auch mal wegzudreschen. Aber: Gerade gegen solche zweikampfstarken Spieler willst du dich als Stürmer behaupten. Ich bin mir sicher: Es wird ein sehr kampfbetontes Spiel werden.

Sie haben in Haching unlängst einen "Rentenvertrag" bis 2023 unterschrieben. Gab es keinen Kontakt zum Ex-Klub, zu den Löwen?
Sie haben nicht angeklopft, es gab keine Anfrage. Für mich war aber eh klar, dass ich bei Haching verlängern werde. Ich weiß, dass ich hier das Vertrauen von Trainer und Präsident habe. Das rechne ich ihnen hoch an, das gibt mir ein gutes Gefühl.

Hain beeindruckt von Stimmung in Giesing

Obwohl Sie in Haching oft vor wenigen Zuschauern spielen? Zum Heimspiel gegen Meppen kamen 1.750. Beim Derby in Giesing werden Sie gegen mindestens 13.500 Löwen anrennen - was Sie nicht beeinflussen wird?
Doch, ich denke schon, dass es was ausmacht. In Giesing wird ordentlich Stimmung gemacht. Am Anfang werden wir sicher beeindruckt sein. Das wird sich aber nach ein paar Minuten legen. Ich schaue nicht zu sehr auf das Drumherum, fokussiere mich auf den Ball. Wir freuen uns auf das Derby.

Stephan Hain stammt aus Zwiesel im Bayerischen Wald. Zwischen 2007 und 2013 spielte der heute 30-Jährige für den FC Augsburg, bestritt in dieser Zeit für die bayerischen Schwaben unter anderem 24 Bundesliga-Spiele (zwei Tore). Es folgten drei schwierige Jahre beim TSV 1860 (2013 - 2016) - in 29 Pflichtspielen für die Löwen kam Hain nur auf einen Treffer. Bei Haching läuft es dagegen viel besser: In bislang 102 Pflichtspielen erzielte der Stürmer für die Münchner Vorstädter 69 Tore und bereitete zwölf weitere Treffer vor. Aktuell ist Hain gemeinsam mit Marvin Pourie (KSC) mit je 13 Treffern Führender der Torjägerliste der Dritten Liga.

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