Gegenentwurf zum CSD

US-Männergruppe veranstaltet erste "Straight Pride Parade"


Die Regenbogenfahne wird bei der "Straight Pride Parade" wohl eher nicht zu sehen sein.

Die Regenbogenfahne wird bei der "Straight Pride Parade" wohl eher nicht zu sehen sein.

Von Sven Geißelhardt

In der amerikanischen Stadt Boston wird es im August dieses Jahres eine "Straight Pride Parade" geben, die als Gegenentwurf der "Gay Pride" die Heterosexualität feiert. Was wollen die Veranstalter damit erreichen?

Boston - "Es ist großartig, heterosexuell zu sein" - mit diesen Slogan wirbt die Organisation "Super Happy Fun America" für erste "Straight Pride Parade". Auf dieser Veranstaltung soll am 31. August in Boston die Heterosexualität gefeiert werden. Die fast ausschließlich männlichen Organisatoren sehen die Liebe zwischen Mann und Frau bedroht.

"Hetero-Menschen sind eine unterdrückte Mehrheit. Wir werden für das Recht von Heterosexuellen überall kämpfen, sich ausdrücken zu können ohne Angst vor Verurteilungen oder Hass. Der Tag wird kommen, an dem Heterosexuelle endlich eingeschlossen sind als gleich unter allen anderen Orientierungen", erklärt der Präsident von "Super Happy Fun America" John Hugo.

"Straight Pride Parade": Ein Angriff auf LGBTQI-Community?

Unterstützer der LGBTQI-Community sehen die "Straight Pride" aber nicht als Feierlichkeit der Heterosexualität, sondern als Angriff auf einen jahrzehntelangen Kampf gegen sexuelle Unterdrückung und Diskriminierung. Und zurecht drängt sich bei dieser Veranstaltung die Frage auf, was die Organisatoren damit erreichen wollen.

Auf Twitter reagieren viele Menschen mit Unverständnis. Chasten Buttigieg, Ehemann des offen schwulen US-Politikers Pete Buttigieg, twittert: "Fragen, die man sich möglicherweise stellen sollte, bevor man eine identitätsbasierte Parade organisiert: War es jemals legal, mich wegen meiner Identität zu inhaftieren? Kann ich aufgrund meiner Identität keinen Wohnungs- / Gesundheitsdienst erhalten? [...] War es für mich jemals illegal, andere mit der gleichen Identität zu heiraten?"

Auch Hollywood-Schauspieler Chris Evans, bekannt als Captain America aus "Avengers: Endgame" stellt sich gegen die "Straight Pride Parade" und schreibt: "Beeindruckend! Coole Initiative, Jungs !! Nur ein Gedanke anstelle der Parade 'Straight Pride', wie wäre es damit: Eine Parade unter dem Motto 'der verzweifelte Versuch, unsere eigenen schwulen Gedanken zu begraben, indem wir homophob sind, weil uns niemand beigebracht hat, wie wir als Kinder auf unsere Emotionen zugreifen können?'"

Organisatoren haben Verbindungen zu rechtsextremer Szene

Als Schirmherr der Veranstaltung wählten die Organisatoren den umstrittenen Journalisten Milo Yiannopoulos. Der schwule Blogger gilt als konservativ und hat unter anderem für das rechtspopulistische Portal "Breitbart" gearbeitet. Dort vertrat er trotz seiner eigenen Homosexualität die Meinung "homosexuelle Rechte haben uns dümmer gemacht".

Die Parade soll am 31. August durch die Innenstadt von Boston führen. Wie viele Menschen an der "Straight Pride" teilnehmen werden, bleibt abzuwarten.

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