AZ-Konzertkritik

Mumford & Sons: Schleifpapiergesang in der Olympiahalle


Mumford & Sons spielten einen gelungenen Mix aus allen vier Alben. (Archivbild)

Mumford & Sons spielten einen gelungenen Mix aus allen vier Alben. (Archivbild)

Von Michael Schleicher / Online

Die Musiker von Mumford & Sons rockten am 1. Mai in der ausverkauften Olympiahalle - das Publikum feierte zu britischem Folk-Rock. Die AZ-Konzertkritik.

Mit ihrem Debut-Album "Sigh no more" feierte die britische Folk-Rock-Band "Mumford & Sons" 2009 weltweite Erfolge. Songs wie "Little Lion Man" liefen im Radio hoch und runter. Seitdem hat sich bei den Engländern musikalisch einiges geändert. Das zeigen die vier Bandmitglieder gerade eindrucksvoll auf ihrer Tour zum aktuellen Album "Delta".

Am Mittwoch macht "Mumford & Sons" in der Münchner Olympiahalle Halt. Schon der Beginn der Show zeigt, dass die Band die Nähe zu ihren Fans sucht. Um zu der mittig gelegenen Bühne zu gelangen, müssen die Musiker mitten durch das Publikum laufen, was ein bisschen an den Einlauf von Boxern in die Arena erinnert. Die Stimmung in der Halle ist beim ersten Lied "Guiding Light" noch etwas verhalten, Partystimmung scheint nur bei den Stehplätzen an der Bühne zu herrschen.

Gelungener Mix aus allen Alben

Aber bereits beim zweiten Song "Little Lion Man" heizt die Band um Frontmann und Sänger Marcus Mumford den Fans auch bis zum letzten Sitzplatz ein. (Fast) keiner kann sich auf seinem Platz halten, es wird getanzt und gesungen, so dass Mr. Mumford den Refrain gar nicht selbst singen muss. Die Show ist ein gelungener Mix aus allen vier Alben.

Selbst bei den Instrumenten greifen die Musiker in die Vollen. Auf der Bühne gibt es unter anderem Gitarre, Bass, Klavier, Banjo, Drums, Geige, Trompete und Posaune zu hören. Dafür stehen neben den vier Bandmitgliedern Mumford, Winston Marshall, Ben Lovett und Ted Dwane noch weitere sieben Musiker auf der Bühne. Bei "Lover of the Lights" setzt sich Sänger Marcus selbst an die Drums und zeigt, dass er ein wahrer Vollblutmusiker ist.


"Mumford & Sons" mitten im Lichtermeer des Publikums in der Münchner Olympiahalle. Foto: Sven Geißelhardt

Zwischen Schleifpapiergesang und ruhigen Tönen

Kurz danach verlagert er das Konzert für einen Song kurzerhand mitten ins Publikum, als er zu "Ditmas" die Ränge nach oben stürmt, ein Bad in der Menge nimmt und sogar mitten im Stehplatzbereich mit dem Publikum feiert. Auch beim Gesang gibt Marcus Mumford alles, was er bei "Slip Away" eindrucksvoll unter Beweis stellt. Dabei wechselt seine Stimme zwischen (im guten Sinne) Schleifpapiergesang zu klaren und ruhigen Tönen.

Nach einer Stunde verschwindet die Band überraschend von der Bühne und für kurze Zeit hat man Angst, dass der Auftritt bereits zu Ende sei. Da haben sich die Fans aber umsonst Sorgen gemacht, denn nach einem kurzen Augenblick kommen die Musiker zu viert zurück auf die Bühne. Die nächsten beiden Songs "Cold Arms" und "Forever" werden lediglich mit einer Gitarre und mehrstimmigen Gesang performt. Der ruhige und melancholische Part erweckt den Eindruck, man würde bei einer intimen Probe zuschauen.

Das bleibt allerdings nicht lange so, denn danach wird wieder zu "I Will Wait" und "Delta" die gesamte Olympiahalle zum Kochen gebracht. Damit findet der mit eineinhalb Stunden vielleicht etwas kurz geratene Abend ein gelungenes Ende - inklusive Glitterexplosion.