Zwischen Ehrenamt und Kinderwohl Wie ein Sportplatz Arnstorf spaltet

Soll für die Erweiterung des Sportplatzes in Arnstorf weichen: die Bücherbox. Foto: Andreas Reichelt

Die geplante Erweiterung des Sportplatzes in Arnstorf spaltet die Gemeinde. Sie sieht den Abriss der ehrenamtlich betriebenen Bücherbox vor. Auch der Bestand von alten Bäumen muss weichen. Nun soll beides in letzter Sekunde durch eine Petition gestoppt werden.

Angelika Göth hat in die Bücherbox sehr viel Zeit investiert. Das Literaturhäuschen befindet sich zwischen einem Radweg und der Schulsportanlage in der Eggenfeldener Straße. Von 9 bis 16 Uhr können die Anwohner eigene Bücher bringen und andere abholen. So ist für Lesenachschub gesorgt.

Dass die Bücherbox weichen soll, kommt für Angelika Göth nicht in Frage. „Die Box wird von Ehrenamtlichen aus der Nachbarschaft betrieben. Überwiegend handelt es sich dabei um Rentner“, erklärt sie im Interview. „Sollte die Box ganz woanders hinkommen, können wir sie nicht weiter betreiben.“

Teils verbringt sie 10 bis 20 Stunden pro Woche mit dem Sortieren, Aufräumen und Pflegen der Literaturtauschbörse.

Pädagogischer Aspekt

Warum steht die Bücherbox überhaupt in Frage? Die angrenzende, völlig marode Schulsportanlage für die Mittelschule und die Realschule soll saniert werden. „Es ist dringend notwendig, für den Schulsport eine Verbesserung zu erreichen, sonst können die Schüler dort schlichtweg nicht mehr trainieren“, sagt Arnstorfs Bürgermeister Christoph Brunner dazu.

Eine gemeinsame Begehung des Areals zeigt erhebliche Mängel in der Tartanbahn. Ganze Stücke fehlen, Wurzeln drücken von unten den Belag hoch. Brunner meint, auf der Anlage sei „kein Sport mehr durchführbar.“

Dass eine Sanierung notwendig ist, steht somit wohl außer Frage. Doch muss sie eine Erweiterung der Anlage in den Grünstreifen beinhalten, der die Bücherbox beherbergt?

„Seit wahrscheinlich 30 Jahren wird der Bau einer 400-Meter-Bahn diskutiert“, schildert Christoph Brunner weiter. Der derzeitige Plan könnte langfristig eventuell solch einen Bau ermöglichen, wenn denn ein bestimmtes Grundstück noch gekauft werden könne. Für Schule und Vereine wäre dies eine wünschenswerte Entwicklung.

Ökologischer Aspekt

Doch nicht nur die Bücherbox muss weichen. Auch der alte Baumbestand soll abgeholzt werden.

„Die Bäume sind über 50 Jahre alt“, gibt Angelika Göth zu bedenken. „Sie sind ein wahres Bienenparadies, im Sommer summt es da nur so.“

Da die Laufbahn aber zur Straße hin erweitert werden soll, ist kein Platz mehr für die stattlichen Bäume.

Noch aufzuhalten?

„Die Förderbescheide sind vor Ort. Die Planungen werden in der kommenden Woche noch einmal mit den Beteiligten von Schule und Vereinen abgestimmt und dann ist der nächste Schritt die Vorbereitung der Ausschreibungsunterlagen“, erklärt Bürgermeister Brunner. „Die Bücherbox wird an der Stelle zukünftig nicht mehr sein.“

Andererseits sei er selbst von der Bücherbox begeistert. Sie sei „an der Stelle auch gut platziert.“ Besonders lobt er dabei das ehrenamtliche Engagement der Bürger. „Daher gehen unsere Anstrengungen eindeutig in die Richtung, die Bücherbox in unmittelbarer Nähe neu zu platzieren.“

Eine Frage des Standpunkts

„Die Meinung in Arnstorf ist total gespalten“, sagt Bürgermeister Christoph Brunner. Tatsächlich sind mit den Aspekten des Ehrenamts und des erhaltenswerten Baumbestands durchaus diskussionswürdige Argumente vorhanden.

Doch auch die Schüler der Mittel- und Realschule haben Anspruch auf eine ungefährliche Sportstätte. Ob allerdings die Erweiterung dieses Sportplatzes in den Grünstreifen hinein wirklich nötig ist, sei dahingestellt. Wenn es nach Bürgermeister Christoph Brunner geht, soll die Bücherbox auf jeden Fall in unmittelbarer Nähe ein neues Zuhause finden.

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