Wahlen Studie: Frankreich vor Präsidentschaftswahl in Krise

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, hält bei einer Wahlkampfveranstaltung im Südwesten von Frankreich im Palais Beaumont inne. Foto: Ludovic Marin/AFP/dpa

Vor der Präsidentschaftswahl deutet eine Studie in Frankreich auf große Wahlmüdigkeit und Politikverdrossenheit. Die Bereitschaft zur Wahl radikaler Bewerber ist groß.

Kurz vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich sieht eine Studie das Land in einer politischen Krise.

Vier Fünftel der Wähler haben kein Vertrauen mehr in die politischen Parteien und rund 40 Prozent fühlen sich keiner Strömung mehr verbunden, ergab die am Freitag veröffentlichte Studie der Denkfabrik Fondapol.

35 Prozent wollen möglicherweise einen leeren Stimmzettel abgeben und 26 Prozent gar nicht zur Wahl gehen. Gründe für die Enthaltung sind, dass die Kandidaten für ungeeignet gehalten werden, man ungeachtet des Wahlausgangs dieselbe Politik erwartet oder dass man gegen das aktuelle System protestieren möchte.

Die Bereitschaft zur Wahl eines radikalen Kandidaten hat nach der Studie den höchsten Wert seit der ersten Direktwahl des Präsidenten 1965 erreicht. 46 Prozent wollen demnach eine Bewerberin oder einen Bewerber des extrem rechten oder extrem linken Lagers wählen. Noch ausgeprägter ist dieser Trend bei den Jungwählern: 54 Prozent der 18- bis 24-Jährigen wollen einem Radikalen ihre Stimme geben. Zugleich gibt es bei Jungwählern nach der Studie überdurchschnittlich viel Rückhalt für Protestbewegungen wie die "Gelbwesten" oder Impfgegner.

Rechtsruck spürbar

Parallel dazu wird ein Rechtsruck in der Wählerschaft beobachtet. 46 Prozent wollen einen extrem rechten oder einen konservativ-rechten Kandidaten wählen. Im Falle einer Stichwahl zwischen Präsident Emmanuel Macron, der sich für eine zweite Amtszeit bewirbt, sowie seiner rechtsradikalen Hauptherausforderin Marine Le Pen, sind sich 31 Prozent der Befragten sicher oder sehr sicher, dass sie für Le Pen stimmen werden.

Unabhängig davon wird die Arbeit von Präsident Macron nach der Corona-Krise und seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs zunehmend positiv bewertet. Von Januar 2020 bis März 2022 ist der Anteil der Menschen, die ihm gute Noten geben, von 29 Prozent auf 45 Prozent gestiegen. Angesichts der beiden Krisen hat auch das Vertrauen der Franzosen in die europäischen Institutionen zugenommen.

Der Ukraine-Krieg hat nach Einschätzung von 45 Prozent der Befragten einen Einfluss auf ihre Wahlentscheidung, 58 Prozent fürchten russische Manipulationsversuche, und 70 Prozent haben Angst, dass der Konflikt zu einem dritten Weltkrieg führt.

Mit den spürbar werdenden wirtschaftlichen Folgen des Krieges ist die Kaufkraft zum absoluten Thema Nummer eins im Wahlkampf geworden. Für 59 Prozent liegt das Thema auf Rang eins, gefolgt vor der Migration und sozialen Ungleichheiten mit je 24 Prozent.

Der erste Wahlgang der Präsidentschaftswahl ist am 10. April, die Stichwahl am 24. April. Bislang liegt Präsident Macron klar vorne, gefolgt von der Rechten Le Pen und dem Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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