Artenvielfalt Bienen-Volksbegehren: Das sagen Gegner und Befürworter

In der Diskussion um das Volksbegehren zum Erhalt der Artenvielfalt sprechen sich Stimmen aus der Wissenschaft für die formulierten Ziele aus. (Symbolbild) Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Bei dem angestrengten Volksbegehren „Rettet die Bienen – zum Schutz der Artenvielfalt“ wird der Kampf um die Meinungshoheit – auch PR-mäßig – mit harten Bandagen geführt. Die Parolen könnten kräftiger und deftiger nicht sein. Prof. Dr. Ingolf Steffan-Dewenter, Insektenexperte an der Uni Würzburg, betrachtet vieles im geforderten Maßnahmenkatalog als unterstützenswert. Der Bayerische Bauernverband (BBV) lehnt ihn in Gänze ab. Das sind die Argumente.

In gewisser Weise ist es das Paradox von Volksentscheiden: Einen Gesetzestext in allen Feinheiten und mit all seinen möglichen Konsequenzen zu durchdringen, ist für normale Bürger oft kaum möglich. Genau das aber soll der Bürger eigentlich tun, wenn er denn schon mal gefragt wird. So wie beim Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Ohne eine wissenschaftliche Begründung zu kennen, haben viele Menschen in der Region dennoch eine Haltung zum Thema. „Etwas tun ist immer besser, als nichts tun“, wird oft sinngemäß kommentiert. Aber ist dieses „etwas“ auch zweckmäßig, oder ein ideologisch motiviertes Stück Symbolpolitik, das mehr schadet als nützt? Treffen die geforderten Maßnahmen überhaupt den Kern des Problems oder werden sie selbst zu einem?

Bauernverband sieht Existenzen bedroht

Das Volksbegehren fordert gesetzliche Regelungen für die Ausbringzeiten von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, für das Mähen, Säen, das Bestellen der Äcker. Aber auch Faktoren wie Lichtverschmutzung durch Beleuchtung in der Nacht und das Verfüllen von Bodensenken sind Themen im Gesetzestext. Nicht zu leugnen ist: Die geforderten Maßnahmen richten sich vor allem an die Landwirtschaft, zum Beispiel wenn es um die Anlage von möglichst naturnahen Bereichen und Lebensräumen entlang der landwirtschaftlich genutzten Flächen geht.

Nichts weniger als die Existenz vieler Agrarbetriebe in der Region sieht der Bayerische Bauernverband bedroht. „Das Volksbegehren ist wunderbar verpackt und hat einen schönen Titel, aber die Folgen werden nicht gesehen“, sagt der Niederbayern-Präsident des BBV, Gerhard Stadler, „,Rettet die Bienen‘ – da kann man eigentlich nicht dagegen sein, das muss ja jeder unterschreiben. Aber wenn man dann mal reinschaut, geht es ausschließlich um Verbote für die Landwirtschaft und wirtschaftliche Eingriffe. Die Umsetzung wird Einkommen kosten bei den Landwirten.“

Varroa-Milbe in vielen Fällen "als Faktor raus"

Stadler und der BBV führen eine Studie des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ins Feld. Danach geht etwa die Hälfte der vorzeitig verendeten Bienen auf das Konto der Varroa-Milbe, nur etwa ein Viertel geht wegen der landwirtschaftlich genutzten Wirkstoffe wie Pestizide zugrunde, ein weiteres Viertel an Substanzen aus dem Privatgebrauch. Dazu gehören etwa Gifte gegen Fliegen oder Ameisen oder die Wirkstoffe in Insektenabwehrsprays.

Dem widerspricht Prof. Dr. Ingolf Steffan-Dewenter vom Lehrstuhl für Tierökologie an der Universität Würzburg. Er gilt als Experte für Bienen und Insekten im Allgemeinen. Gegenüber idowa stellt Steffan-Dewenter klar: „Was den allgemein zu verzeichnenden Artenrückgang angeht, ist die Varroa-Milbe als Faktor schon mal raus, weil sie wirklich nur die Honigbiene betrifft. Insofern bleiben die übrigen Faktoren, die zum Rückgang von Artenvielfalt führen: Das ist der Verlust von Lebensräumen wie Halbtrockenrasen und Feuchtwiesen, naturnahe oder natürliche Wälder, die wir nicht mehr oder nur noch in Ansätzen haben in Bayern.“ Unter anderem mit den Flurbereinigungen seien viele dieser Lebensräume verloren gegangen.

 

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