US-Präsident Corona-Krise lässt US-Arbeitslosenzahlen in die Höhe schnellen

Hat sich zum "Kriegspräsidenten" erklärt und zum Kampf "gegen einen unsichtbaren Feind" aufgerufen: US-Präsident Donald Trump. Foto: Alex Brandon/AP/dpa/dpa

Das Coronavirus plagt die Vereinigten Staaten zunehmend und an allen Fronten. Die Infektions- und Todeszahlen steigen rasant. Auch die Arbeitslosenzahlen werden nun in neue Höhen katapultiert. Und das Schlimmste steht möglicherweise noch bevor.

Die Corona-Krise setzt den USA wirtschaftlich immer mehr zu. Wegen der Zuspitzung der Pandemie stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe erneut dramatisch an: Die Zahl verdoppelte sich in der Woche bis zum 28. März von 3,3 Millionen auf nunmehr 6,65 Millionen, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Die Zahl der Erstanträge in der Vorwoche war bereits die höchste seit Beginn der Erfassung der Daten gewesen, nun gibt es einen neuen Rekord. US-Präsident Donald Trump rief die Amerikaner angesichts dramatisch steigender Infektions- und Todeszahlen in der Krise zum Zusammenhalt auf.

S&P bestätigt Einstufung für USA

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat ihre bisherige Bewertung der US-Kreditwürdigkeit trotz der Belastungen durch die Corona-Krise bestätigt. Die Bonität werde weiterhin mit der zweitbesten Note "AA+" bewertet, teilte S&P in der Nacht zu Freitag mit. Der Ausblick für das Rating sei unverändert stabil.

Die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten werde zwar durch die hohe Staatsverschuldung und das Haushaltsdefizit eingeschränkt. Beides werde sich durch die wirtschaftlichen Belastungen wegen der Corona-Krise in diesem Jahr weiter verschlechtern, bevor über die kommenden drei Jahre eine moderate Verbesserung in Sicht sei. Der Ausblick für das Rating bleibe aber stabil, da die beispiellosen fiskalischen und geldpolitischen Stützungsmaßnahmen der USA den durch das Coronavirus verursachten wirtschaftlichen Abschwung begrenzen werden. Das werde auch den Boden für eine wirtschaftliche Erholung im Jahr 2021 vorbereiten.

Vor wenigen Tagen hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit der USA trotz der Corona-Krise ebenfalls bestätigt - mit der Bestnote "AAA" und einem stabilen Ausblick.

Wirtschaft im Sinkflug

Laut den Zahlen des US-Arbeitsministeriums verloren im März landesweit mehr als zehn Millionen Menschen ihre Jobs. Das ist schwindelerregend. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gelten als Indikator für die kurzfristige Entwicklung des Arbeitsmarkts in der größten Volkswirtschaft der Welt. Sie deuten inzwischen auf einen dramatischen Wirtschaftseinbruch infolge der Corona-Krise hin. Bis vor wenigen Wochen hatte die Zahl der Erstanträge noch regelmäßig unter 100.000 pro Woche gelegen. Das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Verwerfungen der Pandemie in den USA ist noch nicht absehbar. Viele Analysten befürchten inzwischen aber einen dramatischen Einbruch im zweiten Quartal und eine Rezession aufs ganze Jahr betrachtet.

Vieles steht still

Die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 hat das öffentliche Leben in weiten Teilen der USA zum Erliegen gebracht. Etwa zwei Drittel der rund 330 Millionen Amerikaner unterliegen nun von Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen. Viele Geschäfte und Betriebe sind geschlossen, Restaurants und Hotels bleiben leer, Flüge sind massenhaft gestrichen, Reisen und Veranstaltungen abgesagt. Viele Mitarbeiter geschlossener Unternehmen müssen daher Arbeitslosenhilfe beantragen.

Trumps Zusammenhaltsappell

Der Präsident rief das Land auf, in dieser Krise zusammenzustehen. "Ich weiß, dass jeder Amerikaner seine patriotische Pflicht erfüllen und uns dabei helfen wird, einen totalen Sieg zu erringen", sagte Trump am Mittwochabend (Ortszeit) bei der täglichen Pressekonferenz zur Corona-Krise im Weißen Haus. "Wir greifen das Virus an jeder Front an."

Zahlen in den USA steigen immer weiter

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus ist in den USA inzwischen auf mehr als 200.000 gestiegen - so viel wie nirgendwo sonst auf der Welt. Das geht aus Daten der amerikanischen Universität Johns Hopkins hervor. Am Donnerstagmorgen (Ortszeit) verzeichnete die Universität USA-weit mehr als 216.000 Fälle und mehr als 5.100 Tote. Das Weiße Haus befürchtet nach einer am Dienstag vorgestellten Prognose zwischen 100.000 und 240.000 Tote in den USA durch das Virus - trotz Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Das Problem mit der Vergleichbarkeit

Gemessen an der absoluten Zahl der bestätigten Infektionen sind die USA weltweit am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffen. Die Werte einzelner Länder lassen sich wegen der unterschiedlichen Testquoten und erwarteten hohen Dunkelziffer nur schwer vergleichen. Zudem hinkt der Vergleich der absoluten Zahlen wegen der unterschiedlichen Bevölkerungsgrößen. Gerechnet auf 100.000 Einwohner gibt es in Deutschland mehr nachgewiesene Infektionen als in den USA.

Zweifel an den Zahlen Chinas

In China, wo die Lungenerkrankung Covid-19 erstmals nachgewiesen wurde, gab es bis Donnerstag rund 82.000 bestätigte Infektionen. Der Sender Fox News berichtete am Mittwoch unter Berufung auf US-Geheimdienstquellen, China habe die Zahl der Infektionen und der Toten absichtlich zu niedrig angegeben.

Reiseeinschränkungen in den USA?

Trump sagte, seine Regierung erwäge inzwischen auch Reiseeinschränkungen innerhalb der USA, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Nachgedacht werde darüber, Flüge zwischen den Hotspots der Epidemie und anderen Zielen im Land zu stoppen. Das würde allerdings die bereits schwer gebeutelten Fluglinien im Land hart treffen, die einer wichtigen Branche angehören. Dasselbe gelte für Zugverbindungen in die schwer betroffenen Gebiete. "Das ist eine sehr schwierige Entscheidung", sagte der Präsident.

 

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