Untersuchungsausschuss Anschlag in Nürnberg: NSU-Helfer berichtet über Andeutungen

Im NSU-Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags ist am Donnerstag einer der einstigen Angeklagten im Münchner NSU-Prozess als Zeuge vernommen worden. Der wegen Beihilfe verurteilte Carsten S. berichtete dabei erneut über Andeutungen der NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt über einen Anschlag auf eine Nürnberger Gaststätte. Erst nach der Aussage von S. im Prozess im Jahr 2013 hatten die Ermittler einen Anschlag auf die Gaststätte "Sonnenschein" vom Juni 1999 den NSU-Terroristen zugeordnet. Auch wenn man - wie der damals zuständige Ermittler der Bundesanwaltschaft im Ausschuss sagte - keine konkreten weiteren Hinweise dafür gefunden habe. Man habe die Aussage von S. aber als glaubhaft erachtet, zudem habe die Tat sich in frühere Handlungen des NSU-Trios eingefügt.

Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hätten bei einem Treffen berichtet, dass sie "eine Taschenlampe" in einem Geschäft in Nürnberg hingestellt hätten, sagte S.. Tatsächlich hatten die Täter eine als Taschenlampe getarnte Rohrbombe in der Gaststätte abgelegt. Ein Mann, der sie in die Hand nahm, wurde bei der Explosion verletzt.

Die Neonazi-Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" - Mundlos, Böhnhardt und Beate Zschäpe - war über Jahre mordend durch Deutschland gezogen. Ihre Opfer waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin. Mundlos und Böhnhardt verübten - abgesehen von der Tat in Nürnberg - zwei Bombenanschläge in Köln mit Dutzenden Verletzten. Die beiden töteten sich 2011, um ihrer Festnahme zu entgehen - erst damit flog der NSU auf. Zschäpe, die einzige Überlebende des Trios, wurde nach mehr als fünf Jahren Prozess 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ziel des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses ist es unter anderem, mögliche Verbindungen des NSU in die bayerische Neonazi-Szene aufzuklären. Die Abgeordneten befragten S. deshalb über einstige Kontakte nach Bayern. S. berichtete zwar über einzelne Kontakte zwischen der rechtsextremistischen Szene in Thüringen und einzelnen Personen in Bayern. Er selbst war nach eigener Aussage mehrmals in Bayern, etwa bei Demonstrationen. Von einer organisierten Zusammenarbeit zwischen Thüringen und Bayern sei ihm aber nichts bekannt gewesen, betonte S. auf Nachfrage. Neue Erkenntnisse, die nicht schon der NSU-Prozess in mehr als fünf Jahren Prozessdauer zutage gefördert hätte, brachte die Zeugenvernehmung zunächst nicht.

S., der in einem Zeugenschutzprogramm lebt, wurde im Landtag unter hohen Sicherheitsvorkehrungen vernommen. Presse und Besucher konnten der Aussage, die technisch verzerrt wurde, nur per Video folgen.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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