Umfrage der Woche So finden unsere Leser die Idee autofreier Sonntage

Am autofreien Sonntag mit dem Radl auf die Autobahn wie schon 1973? Manche Leser fänden das toll – viele andere fänden es eher unfair. (Archivbild) Foto: Martin Schutt/dpa

Trotz eines zwischenzeitlichen Rückgangs ist der Sprit in Deutschland so teuer wie nie und kostet aktuell noch immer gut zwei Euro pro Liter. Hauptverantwortlich hierfür: Unsicherheit auf dem Energiemarkt wegen des Kriegs in der Ukraine. Um gegenzusteuern, regen Einige ein Instrument aus den 70er Jahren an: Autofreie Sonntage. Unsere Leser sind hiervon größtenteils eher nicht begeistert.

Nach einem von arabischen Staaten verfügten Öl-Boykott hatte es 1973 schon einmal an vier Sonntagen in Deutschland Fahrverbote gegeben. Autofreie Sonntage könnten nach Ansicht der energiepolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nina Scheer, auch in der aktuellen Situation zur Entlastung bei hohen Energiepreisen beitragen. "Autofreie Sonntage haben uns in der Vergangenheit nicht geschadet und könnten auch in der heutigen Zeit einen Beitrag leisten, wenn eine entsprechende Verknappung dies erfordert", sagte Scheer. "Jede Einsparung senkt die Nachfrage und entlastet damit auch die Märkte."

Die "Palette an Einsparmöglichkeiten" sei groß und "sollte auch noch stärker durch Programme und Kommunikation begleitet werden, um die verhältnismäßig einfach zu realisierenden Optionen auszuschöpfen". Russlands Drohung, die Gaslieferungen über Nord Stream 1 einzustellen, sei eine "Machtdemonstration und kennzeichnet die Gefahr von einseitigen Ressourcen-Abhängigkeiten, die wir überwinden müssen", so Scheer.

Bundesweit kleine Mehrheit für autofreie Sonntage

Einer aktuellen Umfrage zufolge steht die SPD-Politikerin mit dieser Idee nicht alleine da: Fast die Hälfte der Teilnehmenden, etwa 48 Prozent, bejahte die Frage des Nachrichtensenders "Welt", ob autofreie Sonntag eingeführt werden sollten, um den Bedarf an russischen Öl-Importen zu senken. 45 Prozent der 5.072 Befragten waren dagegen, sieben Prozent waren unentschieden.

Die 2.148 Leser wiederum, die an unserer Umfrage zum Thema teilgenommen haben, sehen das überwiegend anders: Knapp die Hälfte (47 Prozent) findet, dass weniger Verbrauch den Spritpreis an sich nicht senken würde und die Bundesregierung daher über andere Instrumente nachdenken sollte. 580 Menschen oder rund 27 Prozent finden gar, dass autofreie Sonntage einen unangemessenen Eingriff in die Freiheit der Bürger darstellen würden. 559 Befragte oder etwa 26 Prozent denken aber auch, dass es niemandem schaden würde, das Auto sonntags stehen zu lassen – nur würde es freiwillig niemand tun.

Berufstätige und Landbevölkerung fänden die Idee unfair

Unter unserem Facebook-Post zur Umfrage wurde dementsprechend kontrovers diskutiert. Viele User finden es unfair, dass es grade der Sonntag sein soll. "Klar, die ganze Woche keine Zeit für Familienunternehmungen wegen Arbeit und dann am Wochenende nicht mit dem Auto fahren dürfen?", fragt jemand. "Und nein, bei uns auf dem Land fährt weder Bus noch Bahn und am Sonntag schon gleich zehnmal nicht!" Dass die Landbevölkerung von einer solchen Maßnahme unangemessen schwer getroffen würde, finden auch viele andere Leser – auch wegen des mangelnden ÖPNV-Angebots. Zudem melden sich zahlreiche Berufstätige, die am Sonntag arbeiten müssen. Ein Nutzer schreibt: "Alle Jammern sie, dass sie nichts machen können – wie wäre es mit Fahrrad fahren oder spazieren gehen? Und was ist den Tausenden, die am Sonntag arbeiten müssen und es weiter in die Arbeit haben, sollen die fliegen?"

Angenehme Erinnerungen an die 70er Jahre

Es gibt aber auch andere Stimmen. Einige Nutzer erinnern sich an 1973 und finden die Idee erstmal gar nicht so schlecht. Eine Leserin schreibt: "In den 70er Jahren hat sich niemand darüber aufgeregt, aber eute geht sowas natürlich gar nicht mehr, weil sich dann wieder viele in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen..." Ein anderer User schreibt, er fände die Vorstellung toll, am Sonntag mit der Familie eine Radtour auf der Autobahn zu machen, und eine weitere Leserin stimmt ihm zu: "Könnte ich gut damit leben", schreibt sie. "Es war in den 1970ern schon irgendwie cool, wenn man mal einen Sonntag lang auf der Autobahn radeln konnte."

Manche Nutzer mahnen in diesem Zusammenhang allgemein zu mehr Regionalität: "Statt sonntags stundenlang rumzufahren, um am Tegernsee eine Pizza zu essen, lieber zu Fuß in die Nachbarortschaft gehen und dort einkehren", fordert beispielsweise jemand. Wie viel Unsicherheit in diesen Zeiten herrscht, spiegeln abschließend aber auch viele Kommentare wie dieser wieder: "Mal ganz ehrlich: Wenn das so weiter geht, dann wird es autofreie Wochen und nicht nur Sonntage geben!"

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