Übergangslösung für Energiewende Das sagen Politiker zum Kraftwerk Pleinting

Kraftwerk Pleinting Archivbild
Passaus Landrat Raimund Kneidinger schlägt die Reaktivierung des Kraftwerks Pleinting als Gaskraftwerk vor. Foto: NIEDERBAYERN TV Passau

Die Energiewende soll vorangetrieben werden, das hat sich die Bundesregierung auf ihre Fahnen geschrieben. Doch wie soll das in unserer Region ablaufen? Passaus Landrat Raimund Kneidinger hat eine Idee. Wir haben uns bei regionalen Politikern dazu umgehört.

Das "Erneuerbare-Energien-Gesetz 2021" (kurz: EEG 2021) ist ein Schritt weg von fossilen Brennstoffen. Diese werden irgendwann erschöpft sein. Gleichzeitig gilt es, die Emissionen im Auge zu behalten. Wenn man also immer mehr Kohle- und Kernkraftwerke vom Netz nehmen möchte, muss die Energie auf anderen Wegen gewonnen werden. So schreibt das Umweltbundesamt auf seiner Website: "Die Strom- und Wärmeerzeugung mit Gaskraftwerken erzeugt niedrigere Treibhausgasemissionen als mit Kohlenkraftwerken und ermöglichen durch ihre hohe Regelbarkeit und hohe räumliche Verfügbarkeit eine Ergänzung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Daher werden Gaskraftwerke als Brückentechnologie gesehen und zum Teil auch weiter ausgebaut."

Gaskraftwerke scheinen also die Übergangslösung zu sein. Dies denkt auch Passaus Landrat Raimund Kneidinger (CSU). Gerade da man aktuell Kapazitäten für Gaskraftwerke brauche, "wäre der Standort hier in der Region ideal", wie Kneidinger im Interview sagt. Gemeint ist der Vilshofener Ortsteil Pleinting im Landkreis Passau. Dort war noch vor rund 10 Jahren  ein Ölkraftwerk in Betrieb. "Darauf wollte ich hinweisen, dass wir hier einen Standort haben, wo auch die Umspannwerke da sind, wo auch der Gasanschluss da ist, wo man an einem Standort das sehr schnell realisieren kann."

Bereits 2015 war diese Idee ins Gespräch gekommen, 2018 folgte ein erneuter Vorstoß. Auch die zukunftsträchtige Wasserstofferzeugung bringt Landrat Kneidinger ins Spiel. "Wir brauchen Lösungen für den Wandel, für die Veränderung", wie er erklärt. "Ich kann nicht aus der Kohle aussteigen, ich kann nicht aus der Atomkraft aussteigen, wenn ich dann nicht eine Alternative dazu habe."

Unterstützung erhält er auch von Vilshofens Bürgermeister Florian Gams (SPD): "Es ist ja vielfach dokumentiert, auch durch Beschlüsse aller möglichen Gremien, dass Pleinting ein hervorragender Standort wäre." Seit einem Jahrzehnt sei das Kraftwerk eine "große Ruine", wie es Gams formuliert. Zwar seien einige Areale in Nutzung gebracht worden, doch im Endeffekt liege immer noch eine Fläche von 100.000 Quadratmetern brach. "Das ist natürlich für die Stadt Vilshofen eine sehr unbefriedigende Situation", so sein Fazit.

Doch wie stehen Vertreter ökologischer Parteien zu dem Vorschlag? "Für mich ist ganz klar: Wir müssen raus aus der gefährlichen Atomkraft, raus aus der klimazerstörenden Kohleverstromung, rein in 100 Prozent erneuerbare Energien", so Urban Mangold (ÖDP), Stadtrat in Passau. Die Regierung habe versäumt, die richtigen Schritte zu unternehmen. "Deswegen wird uns nun wohl oder übel nichts anderes übrig bleiben, als Reservegaskraftwerke, für eine Übergangszeit wohlgemerkt, bereitzuhalten." Dabei richtet er deutliche Worte an die CSU: "Was auch überhaupt nicht geht ist diese CSU-Politik nach dem Motto: 'Huch, wie haben die Energiewende verschlafen, jetzt brauchen wir ganz ganz schnell viele Gaskraftwerke und Windkraft blockieren wir weiter.'"

Dennoch sieht Mangold einen Unterschied von Gaskraftwerken zu Kohle- und Atomkraft. Letztere könne man nämlich technisch nicht schnell hoch- und runterregeln. "Gaskraftwerke kann man schnell regeln, deshalb ist es für eine Übergangszeit gerade noch akzeptabel", so sein Resümee. "Ziel muss sein: 100 Prozent erneuerbare Energien."

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading