Test auf Online-Partnerbörsen Güte-Siegel oft falsch oder kaum aussagekräftig

"Parship" ist die wohl bekannteste Online-Partnerbörse Deutschlands. (Symbolbild) Foto: Steinach/imago

"1. Platz", "Testsieger", "Ausgezeichnet": Mit einer Vielzahl von Güte-Siegeln werben Partnervermittlungen im Internet für sich. Aber oft steckt weit weniger dahinter, als Banner und Logos suggerieren. Zu diesem Ergebnis kommt die Verbraucherzentrale Bayern (VZB) in einem aktuellen Test von 18 Portalen, bei dem ganze 41 unterschiedliche Siegel gefunden wurden.

Wie die VZB bekannt gab, habe man Siegel gefunden, die den Anbietern in dieser Form gar nicht verliehen wurden. Andere sind schon Jahre alt – und manche "Medaillen" haben sich die jeweiligen Portale schlicht selbst verliehen. Eine aktuelle, objektive Bewertung der Partnervermittlungs-Webseiten ist damit oftmals ausgeschlossen.

Dabei macht etwa die Hälfte der Portale offensiv Werbung mit solchen Siegeln: Bei 18 der 37 untersuchten Partnervermittlungsportale haben die Verbraucherzentralen Siegel auf der Startseite gefunden. Unter den getesteten Seiten waren neben "50plus-Treff.de" oder "Finya.de" auch große Namen der Branche wie "parship.de".

"Schiere Menge" der Siegel verwirrt

Die Verbraucherzentrale testete vor allem, wie transparent, aussagefähig und vertrauenswürdig die Siegel sind. Als "verwirrend" bezeichnet die Organisation allein schon deren "schiere Menge": Insgesamt 41 unterschiedliche Siegel von 23 Ausstellern habe man gefunden, zwei Anbieter hätten sogar mehr als zehn Gütesiegel-Grafiken auf ihren Seiten gehabt. Zwölf der 41 Siegel stellten sich die Anbieter der Partnerbörsen einfach selbst aus.

Wenig aussagekräftige Floskeln wie "Datenschutz nach europäischer Norm" oder "100% Seriös, handverlesene Mitglieder" fand die VZB ebenfalls zuhauf –  diese versprechen oberflächlich Seriosität und Sorgfalt, sind oftmals aber nur "heiße Luft": Teilweise könne man zugrundeliegende Angaben nirgends nachprüfen, was vermuten lasse, dass sie nicht existieren, heißt es im Fazit des Tests.

Grundsätzliche Skepsis ist beim Umgang mit Güte-Siegeln auf Partnerbörsen also angebracht.

Damit Sie nicht selbst auf falsche Auszeichnungen und Marketing-Tricks hereinfallen, sollten Sie die folgenden Tipps der Verbraucherzentrale Bayern beachten:
 

  • Ein Siegel auf einer Internetseite muss immer mit einem Link hinterlegt sein oder den Link deutlich sichtbar anzeigen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. So gelangen Sie leicht auf die Seite des Ausstellers. Dort können Sie sich über Inhalt und Zustandekommen der Auszeichnung informieren und sich ein eigenes Bild machen. Gibt es dagegen gar keinen erkennbaren Link zum Siegel, sollten Sie besonders vorsichtig sein.
  • Überprüfen Sie genau, wer das Siegel vergeben hat! War es eine unabhängige Einrichtung, die nach objektiven Kriterien arbeitet – oder haben sich die Unternehmen das Siegel für ihre eigenen Portale einfach selbst verliehen?
  • Achten Sie darauf, wofür ein Siegel genau vergeben worden ist! Einige Prüfungen berücksichtigen nur technische Inhalte, also etwa die sichere Übertragung von Daten und den transparenten und zuverlässigen Ablauf von Käufen und Zahlungen. Das macht etwa der TÜV und VeriSign – über die Qualität der Partnervermittlung an sich sagt das jedoch gar nichts aus.
  • Geht es um Kundenzufriedenheit oder Erfolgsaussichten der Vermittlung, fragen Sie sich: Wonach ist das bewertet worden? Wurden nur Kundenbewertungen im Internet gesichtet und ausgewertet, ist das weniger aussagekräftig als eine repräsentative Befragung mit einer hohen Anzahl von Teilnehmern.
  • Wie sind Platzierungen oder Noten zustande gekommen und wie sieht es im Detail aus? Das Gesamtergebnis "Top 3 der Singlebörsen" klingt beispielsweise zunächst gut. Wenn aber keine der Börsen mit "sehr gut" abschneidet und Platz drei schon nur noch mit "befriedigend" bewertet wird, bekommt die Aussage eine ganz andere Bedeutung.

Lesen Sie hier: Den ganzen Marktcheck der VZB im Detail.

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