Tarif-Einigung in Nordrhein-Westfalen IG Metall Bayern begrüßt Pilot-Abschluss

Unter dem Druck der Coronavirus-Pandemie haben die Tarifparteien in Nordrhein-Westfalen eine Einigung erreicht. In Bayern zeigt man sich zufrieden mit dem Ergebnis. (Symbolbild) Foto: Bernd Thissen/dpa

Die Corona-Krise hat auch die Tarifverhandlungen in der deutschen Metall- und Elektroindustrie beeinflusst: Gewerkschaft und Arbeitgeber haben in Nordrhein-Westfalen einen Not-Abschluss gezimmert. Die IG Metall Bayern begrüßt die Einigung.

Die IG Metall Bayern ist zufrieden mit dem Pilotabschluss von IG Metall und Arbeitgeberverband in Nordrhein-Westfalen für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Die Gewerkschaft will ihn nun für Bayern übernehmen. Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, gab bekannt: „Dieses Tarifergebnis gibt den Beschäftigten in der Corona-Krise mehr Sicherheit für ihre Arbeitsplätze und ihr Entgelt und schafft zusätzliche Möglichkeiten für die Kinderbetreuung." Man werde nun unverzüglich Gespräche mit dem bayerischen Arbeitgeberverband vbm zur Überleitung des Ergebnisses aufnehmen. "In der Corona-Krise muss sich auch in Bayern die Tarifpartnerschaft bewähren, um den Beschäftigten mehr Sicherheit zu geben“, erklärte Horn.

Verunsicherung bei vielen Beschäftigten groß

Unter dem Eindruck der Coronakrise hatten sich IG Metall und die Arbeitgeber am Freitagvormittag darauf geeinigt, die Löhne in diesem Jahr nicht mehr zu erhöhen. Beide Seiten begründeten den Schritt mit den wirtschaftlichen Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie. "Niemand weiß zurzeit, wie lange und in welchem Ausmaß die Corona-Pandemie die gewohnten Formen des miteinander Lebens und Arbeitens noch beinträchtigen wird. Die Verunsicherung bei vielen Beschäftigten ist groß", sagte der Düsseldorfer Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler.

Der Präsident der NRW-Metallarbeitgeber, Arndt G. Kirchhoff, betonte, der Kompromiss habe das Ziel, Unternehmen nicht weiter zu belasten und Beschäftigte zu unterstützen. "In dieser außergewöhnlich schwierigen Situation bietet dieser Tarifabschluss unseren Unternehmen und unseren Beschäftigten wertvolle Planungssicherheit."

Kurzarbeitergeld und freie Tage für Kinderbetreuung

Der Not-Abschluss verlängert den eigentlich zum 31. März gekündigten Entgelt-Tarifvertrag bis zum Jahresende 2020 ohne weitere Erhöhungen. Außerdem sollen soziale Härten bei der Kurzarbeit gelindert werden, wie beide Seiten berichteten. Dabei soll es keinen allgemeinen Zuschuss zum Kurzarbeitergeld geben, sondern eine feste Summe von 350 Euro pro Mitarbeiter, die nach dem Willen der Betriebsparteien, also Geschäftsführung und Betriebsrat, verteilt werden soll.

Beschäftigte mit Kindern bis 12 Jahren sollen bis zu fünf freie Tage zur Kinderbetreuung erhalten, wenn sie zuvor ihre Arbeitszeitkonten abgeräumt und weitere tarifliche Möglichkeiten für freie Tage ausgeschöpft haben.

IG Metall vertagt weitere Forderungen

Die IG Metall hatte ursprünglich auf eine konkrete Lohnforderung verzichtet und wollte stattdessen umfangreiche Vereinbarungen erreichen, um die Jobs in den anstehenden Modernisierungsschüben zu sichern. Außerdem wollte die Gewerkschaft Regelungen verankern, wie Unternehmen bei Auftragsflauten reagieren. Stichworte dazu sind Qualifizierungen, Stopp von Mehrarbeit, Nutzung von Arbeitszeitkonten und Aufzahlungen bei Kurzarbeit. Diese komplexe Materie wurde nun bis auf Weiteres vertagt.

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