Nächstes Sturmtief Hohe Schäden durch "Zeynep" – nun folgt "Antonia"

Nach Sturmtief "Zeynep" laufen die Sichtungs- und Aufräumarbeiten. Foto: Jonas Walzberg/dpa/dpa

Das Orkantief "Zeynep" ist mit Macht über Mecklenburg-Vorpommern gefegt und hat viele Schäden hinterlassen. Vor allem in den Wäldern sieht es schlimm aus, wie Forstexperten sagen. Nun droht mit "Antonia" das nächste Orkantief.

Das Orkantief "Zeynep" hat auf seinem Weg über Mecklenburg-Vorpommern zahlreiche Schäden und mehr als 1000 Einsätze von Polizei und Feuerwehr verursacht. Schwerverletzte oder gar Tote waren jedoch nicht zu beklagen. In Westmecklenburg, der Prignitz und im Amt Neuhaus fiel örtlich in bis zu 17.000 Haushalten der Strom aus. Katastrophale Schäden meldete der Bund Deutscher Forstleute (BDF) in den Wäldern im Nordosten - und es könnte noch schlimmer werden: Denn der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte am Sonntag schon vor dem nächsten Orkantief: "Antonia".

Für die Küste Mecklenburg-Vorpommerns prognostizierte der DWD für die Nacht zu Montag Orkanböen mit Geschwindigkeiten von 105 bis 120 Stundenkilometern und für das nördliche Hinterland schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten zwischen 70 und 90 Stundenkilometern, die sich in Schauernähe sowie in exponierten Lagen zu orkanartigen Böen um 110 Stundenkilometern auswachsen könnten. Im Süden des Landes sei mit Sturmböen zwischen 70 und 85 Stundenkilometern zu rechnen, teilweise auch mit schweren Sturmböen um 95 Stundenkilometer.

Viele Einsätze vor allem in Norddeutschland

Das Orkantief "Zeynep" hatte allein in Schwerin zu mehr als 300 Feuerwehreinsätzen geführt. Meist habe es sich dabei um Sachschäden gehandelt, sagte ein Sprecher. Ein Mann wurde leicht verletzt, als ein Baum auf sein Auto fiel. Auch weiter östlich, im Gebiet Neubrandenburg, gab es für die Einsatzkräfte immer mehr Einsätze. "Die Telefone laufen so langsam heiß bei uns", sagte ein Sprecher der Feuerwehr in Neubrandenburg in der Nacht zu Samstag.

Im Polizeipräsidium Neubrandenburg gingen zwischen 22 Uhr am Freitag und 9 Uhr am Samstag 135 Notrufe ein. Die meisten Meldungen bezogen sich den Angaben zufolge auf umgestürzte Bäume auf Fahrbahnen. Insgesamt wurden drei Personen leicht verletzt. Die Gesamtschadenshöhe belaufe sich auf knapp 200.000 Euro. Im Landkreis Nordwestmecklenburg prallte ein Mann in Zurow mit seinem Wagen gegen einen auf die Straße gekippten Baum. Der 58-Jährige wurde mit einer Gehirnerschütterung in eine Klinik gebracht, wie die Polizei mitteilte.

Der Landkreis Vorpommern-Rügen verzeichnete in der Leitstelle innerhalb von 24 Stunden rund 1.000 Anrufe und rund 600 Einsätze bis zum Samstagmorgen. Es habe viele Sachschäden an Häusern, Garagen und Autos durch umgestürzte Bäume gegeben. Die Straßen seien weitestgehend frei, aber die Bahnstrecke Stralsund - Rostock war wegen Bäumen im Gleisbett blockiert, teilte eine Sprecherin des Kreises mit. In Stralsund und in Rostock zählte die Feuerwehr dagegen nur relativ wenig Einsätze.

Friedhöfe in Mecklenburg geschlossen

Im Gebiet der Wemag Netz GmbH in Westmecklenburg, der Prignitz und im Amt Neuhaus fiel örtlich der Strom aus. Im Laufe der Nacht seien bis zu 17.000 Haushalte betroffen gewesen, teilte das Unternehmen mit. Die Stadt Neubrandenburg wies daraufhin, dass die Friedhöfe wegen der Sturmschäden über den Montag hinaus für Besucher geschlossen blieben. Lediglich Bestattungen könnten stattfinden. Bei einer ersten Begehung seien mindestens 70 umgestürzte oder schief stehende Bäume festgestellt worden. Die Friedhofsverwaltung betonte, ein Betreten der Friedhöfe sei derzeit lebensgefährlich.

Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) beklagte in den Wäldern katastrophale Sturmschäden. Der Verband gehe davon aus, dass in der Nacht zum Samstag doppelt so viele Festmeter Holz zu Boden gegangen seien wie vor rund drei Wochen beim Orkan "Nadia" mit mehr als 300.000 Festmetern. "Dies ist ein Riesenschaden nicht nur für den Landeswald, sondern eine Katastrophe für den gesamten Waldbesitz", sagte Mecklenburg-Vorpommerns BDF-Vorsitzender Peter Rabe. Es sei in kurzer Zeit mehr als die Hälfte der durchschnittlichen Jahreshiebsmenge zu Bruch gegangen.

Forstwirtschaft massiv betroffen

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam der Greifswalder Stadtförster Bent Knoll. Seien beim ersten Sturm im Januar schon rund 10.000 Festmeter Holz, vorwiegend Fichten, gefallen, schätze er, dass es nun noch einmal so viele Festmeter seien – hauptsächlich Kiefern, Lärchen oder Douglasien, aber auch viel Laubholz wie Buchen oder Birken. "Die Lage ist verheerend", sagte Knoll.

Erhebliche Behinderungen gab es im Verkehr. Die Deutsche Bahn hatte den Fernverkehr in Norddeutschland im Laufe des Freitags eingestellt. Besonders im Nordosten und Norden Deutschlands müssten Reisende bis mindestens Montagnachmittag mit starken Beeinträchtigungen rechnen, teilte die Bahn am Sonntag mit. Sie riet dazu, Reisen nach Hamburg möglichst zu verschieben. Nach Angaben der Bahn sind bundesweit rund 2.000 Einsatzkräfte rund um die Uhr im Einsatz, um umgestürzte Bäume zu beseitigen und Oberleitungen zu reparieren. Dies könne aber angesichts der Menge nur Schritt für Schritt erfolgen. Fünf Reparatur-Spezial-Züge seien eingesetzt.

Auch die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg) hatte auf die Wetterlage reagiert und den Verkehr auf ihren Linien in Mecklenburg-Vorpommern vorübergehend eingestellt oder unterbrochen. Die Fährreederei Scandlines hatte ihre Fahrten zwischen Rostock und dem dänischen Gedser bis Samstagmittag eingestellt.

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