Schuldenstreit Argentinien macht Gläubigern letztes Angebot

Argentiniens Präsident Alberto Fernandez und Vizepräsident Cristina Fernandez de Kirchner während einer Pressekonferenz in Buenos Aires. Foto: ESTEBAN COLLAZO/Presidencia Argentina/dpa/dpa

Die Regierung in Buenos Aires streckt sich, um sich mit den Kreditgebern zu einigen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas ist völlig überschuldet, die Corona-Krise verschärft die Rezession. Kommt es zu keiner Übereinkunft, droht die Staatspleite - mal wieder.

Buenos Aires/New York - In den seit Monaten andauernden Verhandlungen über einen Schuldenschnitt für Argentinien legt die Regierung in Buenos Aires ein letztes Angebot auf den Tisch.

Die privaten Gläubiger sollen bei der Umschuldung im Durchschnitt 53,5 Cent pro Dollar erhalten, wie aus der am Montag bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Vorschlag hervorgeht. Damit liegt das neue Angebot über der Grenze, die der Internationale Währungsfonds (IWF) für nachhaltig hält.

"Wir haben enorme Anstrengungen unternommen, um unser Wort zu halten", sagte Argentiniens Präsident Alberto Fernández. Die neue Offerte sei "das Maximum, das wir anbieten können".

Die Schulden der zweitgrößten Volkswirtschaft in Südamerika sind zu den aktuellen Bedingungen nicht mehr tragfähig. Deshalb fordert Argentinien von seinen Gläubigern, auf einen Teil ihrer Forderungen von rund 66 Milliarden US-Dollar (rund 59 Mrd Euro) zu verzichten. Kommt es zu keiner Einigung, droht dem Land erneut die Staatspleite. Es wäre der neunte Zahlungsausfall in der argentinischen Geschichte.

Das neue Angebot gilt nun bis zum 4. August. Zwar hatten sich die Verhandlungspartner zuletzt aufeinander zubewegt, allerdings konnte bislang keine Einigung erzielt werden. Zu den Gläubigern gehören unter anderem die Investmentkonzerne Blackrock, Fidelity, Greylock Capital und Ashmore.

"Wir haben unseren Teil geleistet in den Bemühungen, die Schuldenkrise auf nachhaltige Weise zu beenden", sagte Wirtschaftsminister Martín Guzmán. "Wir hoffen, dass unsere Gläubiger verstehen, dass unsere Mittel begrenzt sind, und unsere Bereitschaft anerkennen, zu einer Übereinkunft zu kommen, die für beide Seiten funktioniert."

Argentinien steckt in einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Inflationsrate betrug zuletzt mehr als 50 Prozent. Für das laufende Jahr rechnen Experten mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um rund zehn Prozent. Ende Mai hatte Argentinien Zinsforderungen in Höhe von 503 Millionen US-Dollar nicht beglichen und war dadurch in einen begrenzten Zahlungsausfall gerutscht.

© dpa-infocom, dpa:200706-99-691866/2

 

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