Schöllnach/Straubing Keine Chance? Alleinerziehende auf Wohnungssuche

Mama Katrin und Tochter Julia sind glücklich. Sie haben ein neues Zuhause gefunden. Es liegt zwischen dem Wohnort von Oma und Opa und Katrin Wenzels Arbeitsstelle. Foto: Foto M – Deggendorf

Alleinerziehende 38-Jährige mit vierjähriger Tochter sucht bezahlbare Wohnung im Straubinger Umkreis. Diese einfache Anfrage stellte Katrin Wenzel im letzten Jahr Dutzende Male. Sie hat sich an idowa gewandt und uns geschildert, welche Probleme sie auf dem Wohnungsmarkt als Alleinerziehende hat und mit welchen Vorurteilen ihr begegnet wurde.

Katrin Wenzel lebt momentan noch mit ihrer kleinen Julia in Schöllnach im Landkreis Deggendorf. Die fleißige Mama hat einen Halbtagsjob als Arbeiterin und ist selbstständig mit einem Bügelservice. Wenn es um die Wohnung geht, dann bedeutet "bezahlbar" für sie nicht billig und auch keinesfalls, dass sie eine Sozialwohnung wollte. "Bezahlbar" bedeutet für Katrin Wenzel, dass sie trotz der Mietzahlungen für sich und ihre Tochter ihren bisherigen Lebensstandard aufrecht erhalten will.

"Der Hauptgrund, weshalb ich ins Straubinger Umland ziehen möchte, ist, dass ich sehr weit von meinen Eltern entfernt wohne.  Meine Eltern unterstützen mich, indem sie regelmäßig Julia betreuen, wenn ich zum Beispiel arbeiten muss und Kindergartenferien sind," schildert Katrin Wenzel den Grund für ihren Wunsch. Die Eltern wohnen in Grafentraubach. Ihr Wohnort liegt rund 80 Kilometer vom Zuhause ihrer Tochter entfernt. Wenn Katrin Wenzel in der Nähe von Straubing lebt, spart sie viel Zeit. Sie kann ihre Eltern auf halber Strecke treffen und diese können ihre Enkelin dann mit heimnehmen. Weniger Stress also für die Alleinerziehende und ihr Kind.

Doch die Suche nach einer passenden Wohnung gestaltete sich nicht eben einfach. "Oh, sie sind alleinerziehend. Das ist aber schwierig! Das können sie sich eh nicht leisten! Die Wohnung ist eh zu groß für sie! Als Alleinerziehende steht Ihnen nur eine Zwei-Zimmer-Wohnung zu", so schildert Katrin Wenzel die Kommentare von Vermietern, wenn sie sich auf Anzeigen meldete.

Studie: Alleinerziehende stehen ganz unten

Ist dieser subjektive Eindruck der jungen Mutter richtig? Haben es Alleinerziehende auf dem sowieso schon angespannten Wohnungsmarkt besonders schwer. Barbara Schmid, die Pressesprecherin vom Immobilienportal immowelt.de verweist auf eine Studie, in der sich Wissenschaftler der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen mit dem Thema beschäftigt haben. Demnach scheint es tatsächlich so, dass Alleinerziehende in der Beliebtheit von Maklern ganz unten stehen. Weibliche und männliche Singles sind für rund die Hälfte der Wohnungsvermittler gern gesehene Kunden. Junge Paare und Rentner folgen. Familien mit Kindern und – als Schlusslicht – Alleinerziehende haben es am schwersten. Weniger als ein Drittel der Makler freut sich, wenn eine Mutter oder ein Vater mit Kindern an sie herantritt.

Berufsgruppen, die bei der Wohnungssuche die Nase vorn haben, sind Beamte, Angestellte und Handwerker. Auch hier hat Katrin Wenzel schlechte Karten. Als Teilzeit-Arbeiterin mit einem kleinen eigenen Gewerbe ist sie auch eher unbeliebt bei Eigentümern, wie eine Studie von immowelt.de bestätigt. Interessantes Detail der Studie ist auch: Nur rund drei Prozent der Vermieter könnten gut mit einer Tagesmutter als Mieterin leben. Heißt also: Mit steigender Anzahl an Kindern sinken die Chancen auf eine Mietwohnung drastisch. So viel zur Kinderfreundlichkeit in Deutschland.

Eine weitere Studie von immowelt.de zeigt auch einen möglichen Grund dafür. Die Deutschen mögen es ruhig. Kinder sind laut. Sie lachen, sie rennen, sie rufen. Sie sind einfach lebendig und meistens lauter als ein Erwachsener. Ein Marktmonitor von 2011 hat ergeben, dass ein absolutes K.o.-Kriterium bei der Vermietung durch Makler der Faktor "Lärm" ist. 92 Prozent wollen vermeiden, dass andere Mieter durch Krach gestört werden.

Bei all dem gilt es gleichzeitig, sich die Größenordnung der betreffenden Gruppen vor Augen zu halten. So stellen etwa alleinerziehende mit mindestens einem minderjährigen Kind in Deutschland eine Gruppe von rund eineinhalb Millionen Haushalten dar.

Persönliches kann hilfreich sein

Katrin Wenzel war offen zu den Vermietern. Sie hat die Karten von Anfang an auf den Tisch gelegt und sofort gesagt, dass ihre kleine Familie nur aus ihr und Julia besteht. Dies hätte sie rechtlich gesehen erst angeben müssen, wenn der Mietvertrag schon in Vorbereitung ist. Die Suche gestaltete sich schwierig – Offenheit und Ehrlichkeit, die zahlen sich offensichtlich nicht immer aus. Katrin Wenzel schrieb unzählige Anfragen und bemühte sich über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr, eine Wohnung näher bei ihren Eltern zu finden. Neben den Anforderungen im Beruf und der Betreuung ihrer Tochter war das nicht einfach für sie. Schließlich hat sie aber einen Vermieter gefunden, der sie gerne einziehen lässt. Wieso? Vielleicht gerade weil sie sich für ihre Ziele einsetzt und sich für sich und ihre Tochter ein gutes Leben wünscht.

Heiko Senebald vom Bundesverband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen weiß, dass solche Faktoren durchaus ausschlaggebend sein können, wenn es darum geht, Vermieter und Makler zu überzeugen. "Bei der schriftlichen Bewerbung um die Wohnung können persönliche Nuancen sehr hilfreich sein. Erhält der Privatvermieter einen kleinen Eindruck vom Bewerber, kann er besser einschätzen, ob er in die Hausgemeinschaft passen würde. Der Vermieter achtet zumeist darauf, dass es ein möglichst gutes Miteinander unter den Nachbarn gibt."

In jedem Fall kann nun die kleine Julia, Katrin Wenzels Tochter, problemlos von Oma und Opa innerhalb einer halben Stunde abgeholt werden. Mama Katrin ist glücklich. Sie hat eine Wohnung für sich und ihre Tochter gefunden, zwar etwas kleiner als geplant, dafür aber mit einer vernünftigen Miete.

 

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