Saison verstorbener Freundin gewidmet „Wir spielen für Helena“

Sie spielen für sich, die Further, tausende Zuschauer – und Helena Mühlbauer: das Ritterpaar 2018, Laura Lehminger und Matthias Schweitzer. Foto: Julia Adam

Sie erzählen von schönen Erlebnissen, zahlreichen Auftritten und der großartigen Unterstützung von allen Seiten: Das Ritterpaar schwärmt schon jetzt von ihrer Zeit als Hauptakteure des Further Drachenstichs. Und dabei hat die eigentliche Festspielzeit noch gar nicht so richtig begonnen. Heute ist nämlich erst Premiere. Bei diesen ganzen Eindrücken vergessen sie aber auch ihre Freunde und Familien nicht, denen sie sehr dankbar für die Unterstützung sind. Einer ganz besonderen Freundin widmen die beiden sogar ihren Drachenstich: „Wir spielen für Helena.“ Gemeint ist Helena Mühlbauer, die vor vier Jahren bei einem tragischen Unfall ihr Leben verlor.

Laura Lehminger und Matthias Schweitzer sitzen in der Redaktion der Chamer Zeitung am Stadtplatz. Entspannt im Stuhl zurückgelehnt erzählen sie davon, was sie bisher alles erlebt haben – beziehungsweise erleben haben dürfen. Denn: Vieles ist ein Privileg; nur Ritterpaare können solche Erfahrungen machen, sagen sie. Und das wissen die beiden zu schätzen. Deshalb wollen sie den wohl schönsten Sommer, den Further haben können, Helena Mühlbauer widmen. „Sie war meine allerbeste Freundin“, sagt Laura Lehminger. Auch Matthias Schweitzer war eng mit ihr befreundet.

Neben den Besuchen der umliegenden Feste (wie beispielsweise in Bad Kötzting) sind ihnen besonders zwei Termine in Erinnerung geblieben: das Schirmherrnbitten bei Dr. Markus Söder und der Auftritt bei „Wir in Bayern“. „Beides war richtig cool. In die Staatskanzlei würdest du sonst wohl nie kommen, und auch eine ganze Show lang im Fernsehen zu sehen zu sein – wow!“, beschreibt Laura Lehminger.

Und wie geht es ihnen jetzt, so kurz vor der Premiere? „Der Stress war schon“, sagt Schweitzer und zuckt mit den Schultern. Die Häuser seien dekoriert, die Vorbereitungen für die Ritterparty und den Weckruf laufen beziehungsweise sind fast abgeschlossen. Seit Mittwoch habe er nun auch drei Wochen Urlaub, um sich ganz auf den Drachenstich konzentrieren zu können.

„Ein paar Grad kälter, das wäre nicht schlecht“

Obwohl er anfangs nervös gewesen sei, klappe der Drachenkampf ganz gut. „Ich bin aber trotzdem noch täglich zum Reiten beim Späth Willi“, erzählt der Ritter. Aufgrund der heißen Temperaturen macht er das bereits um sieben Uhr morgens. Apropos Wetter: „Nach dem Auftritt bin ich jedes Mal durch und durch nassgeschwitzt!“ Ähnlich geht es Laura Lehminger, auch „dank“ ihrer langen Kleider. „Ein paar Grad kälter, das wäre nicht schlecht“, wünscht sie sich.

Ins Festspiel hat Regisseur Alexander-Etzel Ragusa heuer wieder ein paar kleine Änderungen eingebaut. So zeigt Udo deutlicher seine Liebe zur Ritterin und diese wiederum versucht ihn energischer davon abzuhalten, in den Kampf gegen den Drachen zu ziehen. „Das alles ist eigentlich durch uns selber entstanden“, erzählt Schweitzer. Der Regisseur habe sie während der Proben gefragt, welche Gefühle sie bei den jeweiligen Szenen hätten. So habe sich das ergeben. Ein Vorteil für das Ritterpaar 2018: „Wir kennen uns schon so lange. Das mit uns haut ganz gut hin“, betont er.

Das sieht auch die Ritterin so. Mit dem Verlauf der Proben sei sie zufrieden, vor allem, seit auf dem Stadtplatz in der Arena geübt wird. „Die Bühne bringt einem sehr viel, ebenso wie die Kostüme, das Licht, der Ton und der eine oder andere Zuschauer“, erklärt sie. So wisse man besser, in welchem Raum man sich bewegen soll und wie die jeweiligen Szenen bei den Leuten ankommen. „Du gibst automatisch schon bei den Proben Vollgas!“ Das hat auch Schweitzer gemerkt: Die Pferde hätten, sobald es in die Arena geht, „fünf PS mehr“.
„A sakrisch Dankschee an alle!“, fasst Matthias Schweitzer zusammen. Damit richten sie sich an die Spielschar, die Familien und Freunde, die Eltern von Helena Mühlbauer, an Willi Späth („er ist der Wahnsinn“) und die Zofen. Für jegliche Unterstützung, die sie schon erfahren haben und noch werden, seien sie sehr dankbar. „Ohne wäre es nicht möglich, das Ritterpaar zu verkörpern“, sind beide überzeugt.

Zur Vorbereitung aufs Spiel zum Stangerl

Das Ritterpaar 2018 freut sich vor allem auf das Hauptwochenende mit Weckruf, Hofrechten und Umzug. Doch zuvor steht heute die Premiere an. Und wie sehen die Stunden vor dem großen Auftritt aus? „Wir gehen zur Autogrammstunde, dann muss ich zum Friseur, in die Kirche und dann zum Schminken und Verkabeln. Dann nehme ich mir ein paar Minuten, um mich zu konzentrieren“, zählt Lehminger auf. Etwas entspannter geht es da für den Ritter zu. „Ich geh’ zum Stangerl!“, lässt er sich diese geliebte Drachenstich-Tradition auch als Hauptakteur nicht nehmen.

Und dann gehen die Lichter an und das Tor auf für Laura Lehminger als Schlossherrin und Matthias Schweitzer als Udo. Noch insgesamt zwölfmal stehen sie mit den 250 Darstellern auf der Bühne und sind dabei mit ihren Gedanken auch bei Helena Mühlbauer, die den Drachenstich ebenfalls geliebt hatte.

 

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