"Rette uns, Roberto" England und Italien im Final-Fieber

Die Bulldogge «Bruno» von Jade Brooks aus Towfield Court sitzt auf dem Rasen vor einem mit englischen Fahnen geschmückten Gebäude vor dem Finale. Foto: Jonathan Brady/dpa

Tausende Schüler dürfen am Montag später zum Unterricht, der Song "Three Lions" stürmt wieder die Charts, überall hängt das rote Georgskreuz an Häusern und sogar Kirchen: Ganz England fiebert voller Ungeduld dem EM-Finale in Wembley entgegen, und auch in Italien herrscht trotz strikterer Corona-Maßnahmen die Hoffnung auf ein große Party-Nacht.

Beide Fan-Lager eint vor dem Duell um den Titel eine lange Leidenszeit: Italien hat bei einer EM seit 1968 nicht mehr triumphiert, für England steht sogar das erste große Finale seit der WM 1966 an.

"Football's coming home" landet auf Platz vier in den Charts

Prompt stürmte der 25 Jahre alte Song "Three Lions", der von den Jahren des Wartens handelt und die berühmte Textzeile "Football's coming home" beinhaltet, in den Charts bis auf Platz vier.

Queen Elizabeth II hat in einer Grußbotschaft dem englischen Team persönlich Glück gewünscht. "Vor 55 Jahren habe ich Bobby Moore den WM-Pokal überreicht. Dabei habe ich gesehen, was es den Spielern, Funktionären und Betreuern bedeutete, ein internationales Fußball-Turnier zu gewinnen," schrieb die 95 Jahre alte Königin der Mannschaft und Teammanager Gareth Southgate.

Queen und Premierminister senden Grußbotschaften

"Ich übersende meine besten Wünsche für Sonntag, in der Hoffnung, dass die Geschichte nicht nur Ihren Erfolg würdigen wird, sondern auch den Geist, die Hingabe und den Stolz, mit dem Sie sich präsentiert haben", so die Regentin. Auch Premierminister Boris Johnson richtete sich in einem offenen Brief an Southgate und die Mannschaft. "Ihr habt bereits Geschichte geschrieben", so der Politiker: "Ihr habt die Stimmung im ganzen Land gehoben, und wir wissen, dass ihr auch die Trophäe in die Höhe stemmen könnt."

Das EM-Fieber hat auch die Jüngsten erreicht: Die Howard Junior School in King's Lynn, die in den sozialen Netzwerken das englische Team besonders stark unterstützt, benannte sich für einen Tag in "Harry Kane Junior School" um. Zahlreiche andere Schulen werden laut BBC am Montag erst später ihre Pforten öffnen, damit die Schüler das spät angepfiffene Endspiel bis zum Schluss schauen können.

Schottland fiebert für Italien mit

Und nicht nur das: Eine Straße in Lowestoft, der östlichsten Stadt des Landes, wurde kurzerhand von "Denmark Road" in "England Road" umbenannt, um den Halbfinalsieg gegen die Nordeuropäer zu feiern. Der neue, temporäre Schriftzug werde "noch eine Weile" bleiben, teilte die Gemeinde mit Blick auf das Endspiel mit.

Halt macht die Euphorie indes an der Grenze zu Schottland. Die Zeitung The National, die sich für die Unabhängigkeit des Landes stark macht, druckte am Samstag den italienischen Nationaltrauer Roberto Mancini als Freiheitskämpfer William Wallace aus dem Film "Braveheart" auf ihre Titelseite. "Rette uns, Roberto, du bist unsere einzige Hoffnung", lautete die Überschrift.

Corona-Regeln machen großen Feierlichkeiten in Italien einen Strich durch die Rechnung

Auf Mancini hoffen auch die vielen Tifosi, die schon nach dem Halbfinale gegen Spanien (4:2 i.E.) vor allem beim Public Viewing auf der zentralen Piazza del Popolo in Rom ausgelassen gefeiert hatten. Anders als in England herrschen in Italien allerdings noch strenge Corona-Regeln.

Aus diesem Grund können Fans das Finale anders als geplant auch nicht im Olympiastadion von Rom verfolgen. Nach einem Beschluss der Polizei wurden entsprechende Pläne kurzfristig gestrichen, ursprünglich sollten bis zu 16.000 Tifosi für das Spiel am Abend zugelassen werden.

Da es sich allerdings nicht um ein Sportevent, sondern um ein Public Viewing handle, könnten laut Anti-Corona-Regeln maximal 1500 Personen ins Stadion. Wie die Spiele zuvor soll daher auch das Finale nun auf drei Großbildschirmen übertragen werden, die im Stadtzentrum aufgestellt wurden. Für den Fall eines italienischen Sieges wollen die Sicherheitskräfte größere Versammlungen und Umzüge in der Stadt verbieten.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading