Regensburg Flüchtlinge bekommen Kirchenasyl im Dom

Vor dem Regensburger Dom hoffen acht Familien aus dem Balkan auf Kirchenasyl. Foto: Bettina Dostal

Die von der Abschiebung bedrohten Flüchtlinge demonstrierten im Dom gegen ihre ausweglose Situation. Laut dem Bistum Regensburg können sie fünf bis sechs Tage bleiben.

Sie haben sich mit großen Plakaten im Dom Sankt Peter aufgestellt. „Menschen statt Grenzen schützen“ oder „Alle Roma bleiben hier“ lauten die Forderungen der acht Flüchtlingsfamilien vom Balkan, die akut von der Abschiebung betroffen sind. Frauen mit Kinderwagen und Kleinkindern. Acht Familien, rund 40 Menschen, die von den Besuchern des Doms kaum beachtet werden. Sie kommen aus Abschiebelagern aus ganz Bayern, teilweise auch aus Regensburg. Sie fordern Kirchenasyl. Isen Asanovski, der in perfektem Deutsch für die Menschen im Dom spricht, sagte, die Flüchtlinge hätten keine andere Wahl. „Wir bleiben, bis es eine Lösung gibt“. Einige der Flüchtlinge seien schwer krank. Manche der Babys seien in Deutschland geboren und bekämen weder Pass noch Krankenversicherung.

Die Gesetzesänderungen der letzten Monate in Bezug auf „sichere Herkunftsländer“ hätten die Situation für die Menschen aus Serbien, Mazedonien, Bosnien, Albanien, Kosovo und Montenegro erschwert, heißt es auf einem Flugblatt der Initiative Romano Jekipe Ano. Weiter: In den Abschiebelagern sei eine Bleibeperspektive von vorneherein gering. In ihren Heimatländern drohe ihnen aber Verfolgung, Rassismus und Ausschluss. Keine Spende aus Westeuropa könne die Probleme dort wirklich lösen. „Wir können nicht mehr in unseren Verstecken bleiben.“ Eine Lösung gebe es nur in Deutschland. Vor dem Dom hat sich schnell eine Unterstützergruppe gebildet, die über Facebook um Spenden wie Lebensmittel und Schlafsäcke für die Flüchtlinge bittet.

Vom Bistum kam Bischof Rudolf Voderholzer persönlich, um den Flüchtlingen mitzuteilen, dass sie fünf bis sechs Tage im Dom bleiben könnten und dort versorgt würden. Er sei sehr nett gewesen, sagte Asanovski, und habe Hilfe versprochen. Die Abschiebung sei damit erst einmal abgewendet, das sei vorerst das Wichtigste.

In einer schriftlichen Meldung wurde unserer Zeitung auf die Frage, ob das Bistum Kirchenasyl gewähre, mitgeteilt, dass das Bistum sich „um humanitäre Hilfe und Versorgung für diese Menschen kümmern“ werde. Dazu gehörten Schlafmöglichkeiten, Verpflegung, sanitäre Anlagen und vor allem die Sorge für die zahlreichen Kinder.

Die dahinter stehende politische Frage sei indes von den politisch Verantwortlichen auf den entsprechenden Ebenen zu klären. Alle seien eingeladen, für das Wohl dieser Menschen zu beten.

Bundesweit sind derzeit 284 Kirchenasyle mit mindestens 452 Personen, davon etwa 108 Kindern, bekannt. Das Kirchenasyl werde immer im Einzelfall geprüft, sagt Christina Engl, Pastoralreferentin bei der Caritas, weil es nur in Ausnahmefällen sinnvoll sei. Dann werde es gewährt. Die Kirche könne damit meistens Fristen überbrücken, bevor ein erneuter Asylantrag möglich sei.

Kirchenasyl
Das Kirchenasyl reicht bis in die heidnische Antike zurück. Mit der Christianisierung wurde Straftätern in Kirchengebäuden mitunter kirchliche Immunität zum Schutz vor Lynchjustiz gewährt. Die beiden großen Kirchen und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge haben eine Vorgehensweise vereinbart, die es Kirchengemeinden und Ordensgemeinschaften auch weiterhin ermöglicht, im Rahmen von Kirchenasyl Fristen zu überbrücken und in Einzelfällen, in denen besondere Härten befürchtet werden, den Asylantrag nach einer Frist noch einmal vorzutragen.

 

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