Praxis-Semester Lena Stangl arbeitet in einem Luxushotel in Dubai

Die freie Zeit für Lena in Dubai ist begrenzt. Doch sie nutzt sie. Foto: privat

Wie lebt und arbeitet es sich für eine große, blonde Niederbayerin in einem muslimischen Emirat? Lena Stangl weiß es. Sie ist 21 Jahre alt und studiert in der Tourismus-Branche. Für ihr Praxis-Semester wagte sie die weite Reise nach Dubai und arbeitet in einem Luxushotel.

Die Haare sind leicht zerzaust, als Lena vor der Bushaltestelle steht. Es ist Winter in Dubai. 13.57 Uhr. Angenehme 23 Grad. Ein langer Tag steht an. „Bis Mitternacht muss ich heute wieder arbeiten“, sagt die gebürtige Straubingerin. Lena studiert „International Tourism Management and Medical Management“ und macht derzeit ein Praxis-Semester im Hotel „Waldorf Astoria Dubai“, das zu der Hilton-Kette gehört. Es steht auf der bekannten, künstlich-angelegten Insel „Palm Jumeirah“ im persischen Golf.

Ein einfacher, blauer Passagierbus kommt an. Kein Name, kein Logo auf der Seitenwand, nur eine große Sieben. Es ist 14 Uhr. Langsam steigt sie ein. Vor ihr eine 45-minütige Busfahrt und acht Stunden anstrengende Arbeit. „Zwischendurch habe ich eine Stunde Mittagspause“, sagt die 21-Jährige. Von der Hitze in die Kälte, der Bus ist extrem klimatisiert. Lena friert und hat Angst krank zu werden. Sie verschränkt ihre Arme vor der Brust und versucht, sich so gut wie möglich selbst zu wärmen. Mitten in der Wüste und sie friert – verkehrte Welt.

Lenas Uniform: ein langes schwarzes Kleid mit Gürtel

Die Busfahrt vergeht schneller als gedacht. Um 14.40 Uhr kommt Lena an ihrem Arbeitsplatz an. Jeden Tag wieder sieht sie das Atlantis, eine Wasserwelt an der Palmenkrone. Ein eindrucksvolles Gebäude, geformt wie ein großes Tor. So stellt man sich die Unterwasserstadt Atlantis vor. Abgerundete Ecken und Kanten, ein saftiges Orange. Einladend.

Für eine Besichtigung ist keine Zeit. Lena muss in 20 Minuten zur Arbeit antreten. Davor schlüpft sie in ihre Uniform. Ein langes schwarzes, vietnamesisches Kleid mit gleichfarbigem Gürtel um ihre Hüfte. Das Kleid ist verfeinert mit gelben Blumen auf dem Bauch. „Momentan arbeite ich in einem vietnamesischen Restaurant“, sagt sie.

14.55 Uhr, Lena steht an der Bar und wartet auf ihre Kollegen. Das Restaurant öffnet in vier Stunden. Die Angestellten müssen jetzt alles vorbereiten. Sie waschen die Tische ab, polieren die Gläser und das Besteck, bis kein Wassertropfen mehr sichtbar ist. 25 Tische muss Lena heute vorbereiten. Auf einem rot-hölzernen Unterleger steht links eine zu einem Schwan gefaltete Serviette, rechts davon eine silberne Gabel sowie ein Löffel und Stäbchen. Oberhalb davon ein dünnes Glas mit feinen Verzierungen. Typisch vietnamesisch eben. Alles muss stimmen. „Es sollte nichts schiefgehen in einem Fünf-Sterne-Hotel“, sagt Lena.

17 Uhr. Das Restaurant ist fast fertig hergerichtet. Tisch 25 muss noch geputzt werden. Danach die erste Pause des Tages. Eine Stunde lang sitzt Lena mit ihren Kollegen in der Cafeteria des Hotels. Sie reden über die vergangenen Tage und lachen über Missgeschicke. Eine thailändische Kollegin erzählt, sie habe vor Kurzem einem Paar ein Geburtstagsständchen gesungen. Danach stellte sich aber raus, dass sie eigentlich ihre silberne Hochzeit feiern.

VIP-Gäste müssen nicht unbedingt Promis sein

17.57 Uhr, wieder im Restaurant. In einer Stunde kommen die ersten Gäste. „Wir müssen zum Briefing“, sagt Lena und folgt der Gruppe in Richtung Versammlungsraum. Ein großer, heller Raum verbirgt sich hinter der Holztür. Ein Tisch inmitten des Raumes, um den 25 Stühle stehen. Die Themen der Besprechung heute: Was ist am vorigen Tag schiefgelaufen? Gibt es VIP-Gäste? Haben bestimmte Gäste Allergien?

Lena sagt, dass VIP-Gäste nicht unbedingt Promis sein müssen. Die Hilton-Hotelkette hat ein Punktesystem entwickelt. Je öfter ein Gast in einem der Hotels übernachtet und gegessen hat, desto mehr Punkte hat er. Je mehr Punkte ein Gast hat, desto höher ist das Ansehen. Bei jedem Hotelbesuch werden Daten der Gäste gespeichert. Allergien, Vorlieben und Gerichte, die dem Gast nicht schmecken. 19 Uhr, das Restaurant öffnet. Lena erwartet die ersten Gäste. Ein Paar. Vielleicht aus Frankreich, zumindest sprechen sie französisch. Sie trägt ein langes, rotes Abendkleid. Aus ihrem Gesicht treten die roten Lippen und haselnussbraunen Augen hervor. Ihr braunes Haar ist zu einer Hochsteckfrisur gebunden. Er trägt ein Jacket über dem weißen Hemd, das in einer schwarzen Anzugshose steckt. Die Haare glatt zum Scheitel gekämmt.

Nachdem sich die beiden gesetzt haben, legt Lena die Serviette auf deren Schoß. „Wollen Sie schon eine Flasche Wasser?“, fragt sie. Mit dem bestellten stillen Wasser kommt sie zurück an den Tisch. „Die Gäste sollen sich die Getränke aber nicht selbst einschenken. Dafür sind wir Bedienungen zuständig“, erklärt Lena. Das Paar bestellt als Vorspeise Mango-Salat. Der Hauptgang besteht aus gebratener Entenbrust. Als Nachspeise gibt es gegrillte Bananen mit Kokoseis und Erdnüssen. Nach jedem Gang tauscht Lena das benutzte Besteck gegen ein neues aus. Auf Hochglanz poliert.

Ungewöhnlich: ein großes, blondes Mädchen in Dubai

Auch Hochzeiten werden regelmäßig abgehalten. Auf einer arabischen Hochzeit wurde Lena immer wieder nach Fotos gefragt, da ein großes, blondes Mädchen hier außergewöhnlich ist. Die Routine, die sich Lena im Laufe ihres Dubai-Aufenthalts angeeignet hat, spielt sich immer besser ein. Sie macht kaum mehr Fehler und die Verständigung verbessert sich stets. Mit den Gästen und mit den Kollegen.

Der Restaurant-Betrieb, oder wie es hier heißt, die Operation, endet um 23 Uhr. Doch der Arbeitstag ist für Lena noch nicht beendet. Die Angestellten müssen das Restaurant aufräumen und Gläser und Besteck polieren.

23.50 Uhr. Die Crew ist früher fertig geworden, steht im Eingangsbereich des Hotels und wartet auf den blauen Bus mit der Nummer Sieben. Pünktlich steht er um 0 Uhr in der hellerleuchteten Einfahrt. Lena steigt ein. Vor ihr die 45-minütige Rückfahrt. Davon bekommt sie nicht viel mit. Nach einer Viertelstunde lehnt sie ihren Kopf gegen das Fenster und schläft ein. Eine Decke, die sie um sich gewickelt hat, hält sie warm. Die Klimaanlage kühlt. Kälte in der Wüste.

0.45 Uhr. Wäre es wie in den vergangenen Tagen, würde Lena jetzt feiern gehen. Aber sie bleibt zu Hause. Sie fällt in ihr Bett, checkt noch kurz ihre WhatsApp-Nachrichten und den Instagram-Verlauf. Die Musik aus ihren Kopfhörern erinnert sie an Zuhause.

 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading

Videos