Pilotprojekt Bayerische Polizei testet Elektromotorrad

Polizeiobermeister Koumantzias fährt während einer Demo auf seinem Einsatzfahrzeug, ein Elektromotorrad. Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild

Keine Abgase, leise, Automatikgetriebe - gerade in der Stadt ist ein Elektroantrieb eine Alternative zum Verbrenner. Auch die bayerische Polizei ist vereinzelt schon elektrisch unterwegs - bislang aber nur auf vier Rädern. Das könnte sich jetzt ändern.

In Nürnberg testet die Polizei derzeit das erste uniformierte reine Elektromotorrad in Bayern. "Mobilität wandelt sich. Und wir müssen da auch mitgehen", sagte Andreas Ponath, der als Sachgebietsleiter Einsatztechnik für die Flotte des Polizeipräsidiums Mittelfranken verantwortlich ist.

Bisher seien die Erfahrungen sehr positiv. Sollten diese auch das Innenministerium überzeugen, könnten bald mehr Polizeibikes auf bayerischen Straßen elektrisch fahren. Zuvor hatten "Bild" und die "Nürnberger Nachrichten" darüber berichtet.

Besonders gut eigne sich das Motorrad für den Einsatz in der Stadt, etwa fürs Begleiten von Veranstaltungen oder Demonstrationen, sagte Ponath. Veranstalter finden es demnach gut, dass es neben Demonstrierenden nicht knattert und sie keine Abgase abbekommen. Auch den Kollegen erspart das 135 Kilogramm schwere E-Motorrad laut Ponath Stress. Gerade im ständigen "Stop and Go" kommt ihnen das Automatikgetriebe entgegen, dank dem sie nicht ständig kuppeln müssen.

Weniger wartungsintensiv

Neben dem Umweltaspekt sei ein großer Vorteil, dass das E-Motorrad weit weniger Teile habe, die man instandhalten müsse, und es damit weniger wartungsintensiv sei als Verbrennermodelle. Andererseits dauert es aber einige Stunden, bis der Akku voll geladen ist - für den Einsatz bei der Polizei ein taktischer Nachteil.

"Man wird nicht gänzlich auf Verbrenner verzichten können", gab Ponath zu Bedenken. Das Motorrad hat eine Reichweite von rechnerisch gut 200 Kilometern, diese hängt aber auch vom Fahrstil ab. Eine Motorradsternfahrt durch halb Bayern könne man damit nicht begleiten, sagte Ponath. Einsätze zum Beispiel bei Demos zum G7-Gipfel in Elmau wären dagegen durchaus möglich - auch Verbrennermotorräder werden zu solchen Lagen außerhalb der Städte mit dem Anhänger angeliefert.

Pilotprojekt

Das Motorrad vom US-amerikanischen Hersteller Zero Motorcycles hat das Polizeipräsidium Mittelfranken angeschafft und mit Polizeifolierung, Funk, Blaulicht und Martinshorn ausgerüstet. Das Modell hat 29 PS und ist eigentlich bis zu 200 Stundenkilometer schnell, mit den Polizeiumbauten aber langsamer.

Wie bei Innovationen üblich testet ein Präsidium erst in einem Pilotprojekt die Neuheit im Einsatz und meldet dann die Erfahrungen ans Innenministerium. Von dort heißt es: "Wir sind gegenüber Elektromotorrädern im Fuhrpark der Bayerischen Polizei sehr aufgeschlossen, vor allem im innerstädtischen Bereich."

Auch etwa bei der hessischen Polizei werden derzeit E-Motorräder erprobt. Der Test in Bayern dauert bis Ende der Sommerferien. Laut Innenministerium wird wohl im Herbst entschieden, ob weitere E-Motorräder für die Polizei angeschafft werden. In dem Fall gäbe es eine europaweite Ausschreibung. In der Flotte der bayerischen Polizei sind derzeit zehn uniformierte und 44 zivile Elektroautos.

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