Passauer Studie Verschwörungsmythen: Ein Blick in den Abgrund

Mehr als 1.800 Facebook- und Telegram-Posts sind in die Passauer Studie einbezogen worden. (Symbolbild) Foto: Sergei Konkov/dpa/TASS

Eine neue Studie der Universität Passau hat sich mit dem Auftritt verschiedener Populisten und AfD-Politiker in den sozialen Medien beschäftigt. Nun gab die Forschungsgruppe ihre Ergebnisse bekannt.

Im Rahmen des Hauptseminars "Populismus, Postfaktizität und Medienkommunikation" hat Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Ralf Hohlfeld mit seinen Studenten die Social-Media-Accounts diverser Verschwörungs-Influencer und AfD-Mitglieder untersucht. Die Initiatoren geben ihre Zielsetzung wie folgt an: "Wir wollten wissen, inwiefern sich die Weltbilder der prominenten Verschwörungs-Influencer mit denen der parteizugehörigen Rechtspopulistinnen und -populisten decken. Zudem wollten wir analysieren, in welchem Maße sich Corona-Verschwörungsmythen in den Posts der beiden populistischen Gruppen finden."

Wie Professor Hohlfeld sagt, habe die Forschungsgruppe dabei in einen tiefen Abgrund geblickt: "Wir sehen in der Summe der Beiträge vor allem eine krude Mischung aus Geschichtsklitterung, Herabsetzung, Hetze, Aufwiegelung und Antisemitismus.“

Der häufig gebrauchte Begriff "Corona-Leugner" sei dabei eigentlich falsch. Die Existenz des Virus werde nicht verneint, vielmehr stelle man es in das Zentrum von Verschwörungserzählungen.

Posts bekannter Persönlichkeiten

Neben den Social-Media-Posts prominenter Populisten habe man auch verstärkt die Kanäle ausgewählter AfD-Politiker analysiert. Die Accounts von Attila Hildmann, Eva Hermann oder Björn Höcke wurden zum Beispiel von der Forschungsgruppe unter die Lupe genommen. Mehr als 1.800 Facebook- und Telegram-Posts habe man insgesamt in die Studie mit einbezogen.

"Wir konnten feststellen, dass die ablehnende Haltung zur Pandemie und zum auslösenden Virus Sars-COV-2 ein durchgängiges Muster in allen untersuchten Gruppen ist", stellt Professor Hohlfeld fest.

Alarmierende Ergebnisse

In einem Magazinbeitrag zur Studie wird auf die Brisanz des Themas eingegangen: "Die Etablierung einer Diktatur ist Fluchtpunkt der meisten Verschwörungsmythen; wahlweise will Bill Gates durch die Impfkampagne und das 'Chippen' der Menschen die Kontrolle über den Planeten erlangen, oder die staatlichen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung sollen bewusst die Grundrechte aushebeln, um anschließend eine Diktatur zu etablieren. In diesem Zusammenhang wird oft das diffuse Bedrohungsszenario eines Kriegs heraufbeschworen. Die jeweilige Gegnerschaft macht denn auch die ideologische Gesinnung deutlich: So sind diese Aufrufe zum Teil antisemitisch, antikommunistisch oder richten sich gegen Freimaurer. Das Narrativ „Wir gegen die anderen“, das für rechtspopulistische Bewegungen typisch ist, findet sich auch bei den Verschwörungs-Influencern."

Dabei seien solche Auswüchse nicht nur in wenigen Einzelfällen sichtbar geworden. "Insgesamt können wir dieses in der Hälfte aller untersuchten Beiträge nachweisen", heißt es in dem Beitrag weiter.

Damit seien auch ganz konkrete Gefahren verbunden, wie die Initiatoren weiter schreiben: "Je negativer die Maßnahmen der Politik bewertet werden, desto negativer fallen auch die Nutzerkommentare aus. In 30 Prozent der Fälle enthält die praktizierte Hassrede konkrete Handlungsaufforderungen, zumeist gegen staatliche Maßnahmen gerichtet. Ein Viertel davon ist extrem radikal in der Sprechhaltung der Forderungen und reicht von Aufforderungen, den Bundestag zu stürmen, bis hin zu Morddrohungen gegen die Bundeskanzlerin."

Die Originalstudie kann hier eingesehen werden.

 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading