Neue Corona-Studie PCR-Tests können Infektiosität nicht sicher nachweisen

Hohe Inzidenzzahlen aufgrund von PCR-Tests taugen einer neuen Untersuchung zufolge offenbar nicht als Begründung für Lockdown-Maßnahmen. Die Universitäten Duisburg und Münster haben dabei 190.000 Testergebnisse ausgewertet. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/dpa

Forscher der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg und Essen weisen im renommierten Journal of Infection darauf hin, dass die Ergebnisse von PCR-Tests allein eine zu geringe Aussagekraft haben, um damit Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung zu begründen.

Zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Münster und dem MVZ Labor Münster hatten sie zuvor rund 190.000 Ergebnisse von mehr als 160.000 Menschen ausgewertet. Demnach ist es nicht hinreichend erwiesen, dass jeder positiv Getestete das Corona-Virus an andere Menschen weitergeben kann, weil bei vielen Infizierten die Viruslast zu gering ist. 

Während der Corona-Pandemie gilt die Inzidenz, also die Anzahl der durch einen PCR-Test positiv getesteten Fälle pro 100.000 Einwohner, als Maßgabe für Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens. Auch in der Bundesnotbremse findet sie Einzug.

Dieser Inzidenzwert bildet für Bund und Länder eine wichtige Basis, um Anti-Corona-Maßnahmen zu begründen. Dies stellen die Forschungsteams aus Essen und Münster jedoch aufgrund ihrer Datenauswertung infrage. „Ein positiver RT-PCR-Test allein ist nach unser Studie kein hinreichender Beweis dafür, dass Getestete das Coronavirus auf Mitmenschen auch übertragen können“, sagt Erstautor Prof. Dr. Andreas Stang, Direktor des Instituts für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (IMIBE) des Universitätsklinikums Essen. „Die am Ende errechnete Zahl von SARS-CoV-2 positiv Getesteten sollte daher nicht als Grundlage für Pandemiebekämpfungsmaßnahmen, wie Quarantäne, Isolation oder Lockdown, benutzt werden.“

Das Forschungsteam spricht aber auch über die Möglichkeit, die Aussagekraft des PCR-Wertes bei künftigen Bewertungen der Pandemielage zu verbessern, indem der sogenannte Cycle-threshold-Wert (Ct-Wert) einbezogen wird. Dadurch können Aussagen über die Ansteckungsgefahr von positiv getestete Personen gemacht werden. Liegt der Ct-Wert bei positiv Getesteten bei 25 oder höher, geht man derzeit davon aus, dass diese nicht mehr ansteckend sind, weil die Viruslast zu gering ist.

Von den zwischen dem 8. März bis 10. Mai positiv Getesteten waren demnach 78 Prozent sehr wahrscheinlich nicht ansteckend. Statt auf PCR-Tests zu verweisen, sei es nach Ansicht der Forscher besser, Daten aus anderen Bereichen zur Bewertung der Pandemie-Lage heranzuziehen - etwa die Zahl belegter Intensivbetten und der Todesfälle.

Hier kommen Sie zur Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg und Essen

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