Nach der Karriere Alois Vogl: Den Reiz am Wettkampf nicht verloren

Nach seiner Karriere als Skifahrer hat Alois Vogl den Golfsport für sich entdeckt. Foto: privat

Vor zehn Jahren hat Alois Vogl seine Profikarriere als Skifahrer beendet. Was macht der Bayerwäldler heute? Wir haben bei ihm nachgefragt.

Der Lohberger Alois Vogl war während seiner aktiven Karriere einer der wenigen deutschen Hoffnungen auf Erfolge im Ski-Weltcup. Vor fast genau zehn Jahren hat er sich aber aus dem profesionellem Sport-Geschehen zurückgezogen und führt nun ein fast ganz normales Leben.

Bereits im Alter von knapp drei Jahren stand Vogl das erste Mal auf Skiern. Seine ersten Wettkämpfe bestritt er im Rahmen von Schulskirennen. Sein Talent stellte er dann bei verschiedensten regionalen Kinder- und Jugendrennen unter Beweis. Dort feierte er auch erste Erfolge, was die ersten Teilnahmen an deutschlandweiten Vergleichen zur Folge hatte. “Im Jugendbereich muss man deutschlandweit schon an der Spitze dran sein, um seinen Sport auch nach der Schule noch weiter professionell ausüben zu können”, resümiert Vogl den Anfang seiner Karriere.

Nach der Schulzeit begann er eine duale Karriere, wo er neben seiner Ausbildung an der Bundespolizei-Sportschule in Bad Endorf auch weiter seine Sportkarriere vorantreiben konnte. Er durchlief sämtliche Kader des Deutschen Skiverbandes bis hin zur Weltcupmannschaft.

"Skifahren mittlerweile ein Ganzjahressport"

In dieser Zeit hat er unzählige Rennen in den Kategorien FIS (internationaler Skiverband), Europa-Cup und letztendlich dann auch im Weltcup bestritten. Um auf höchstem Niveau konkurrenzfähig zu sein, muss man sich auf jedes Rennen top vorbereiten. Ein großer und fast der wichtigste Teil des Trainings findet im Sommer statt. “Skifahren ist mittlerweile ein Ganzjahressport geworden”, fasst Vogl zusammen.

Anfangs ging Alois Vogl neben seiner Paradedisziplin Slalom auch noch im Riesenslalom an den Start, später aber konzentrierte er sich komplett auf die Königsdisziplin im Skisport. Neben acht deutschen Meistertiteln zählen natürlich sechs Podestplätze bei Weltcuprennen zu seinen größten Erfolgen sowie die Teilnahmen bei zwei Olympischen Spielen (1998 in Nagano und 2006 in Turin) und diversen Weltmeisterschaften. Sein absolut größter Coup gelang ihm allerdings 2005 im Schweizer Skiparadies Wengen, wo er seinen ersten und einzigen Weltcupsieg seiner Sportlerlaufbahn einfuhr.

Drei Jahre nach dem größten Erfolg seiner Karriere musste er auf Grund von gesundheitlichen Probleme seine Sportlerkarriere beenden: “Bereits seit 2003 kämpfte ich mit einer langwierigen Darmerkrankung, die mich dazu zwang, mich aus dem profesionellen Sport zurückzuziehen!” Die Umgewöhnung und der Einstieg in ein “normales” Leben fiel Alois Vogl nicht wirklich schwer. Durch seine langjährige Erkrankung sei es eher ein “schleichender Prozess” gewesen, wie er selbst erklärt.

Vogl genießt die Zeit zu Hause

Erst nach dem endgültigen Entschluss, die Skischuhe an den Nagel zu hängen bemerkte er, wie viel er eigentlich in den Jahren zuvor wirklich unterwegs war. Sein ganzes Leben hatte er dem Sport gewidmet, ohne wirklich mitzubekommen, was links und rechts von einem alles passiert ist. Seitdem er als Profi Schluss gemacht hat, kann er die Zeit zu Hause genießen, egal ob bei Unternehmungen mit seiner Frau und seinen Kindern oder bei einer Partie Golf für sich alleine.

Doch auch beruflich hat sich einiges verändert. So musste er erstmal einen “normalen Arbeitsalltag” finden, ohne Kombination mit Training und Wettkämpfen. Doch Vogl fährt jetzt gerne von zu Hause aus in die Arbeit und nach der Arbeit wieder nach Hause: “Ich will einfach jeden Tag zu Hause im eigenen Bett schlafen!”

Und genau dieses zu Hause ist ihm wichtig. Direkt nach dem Karriereende hat es ihm geholfen, den Sport zu vergessen, denn in dieser Zeit stand gerade der Bau des Eigenheims auf dem Programm. Jetzt ist es sein Rückzugsort, an dem er sich wohlfühlt.

Auf die Frage, ob er seinen Rücktritt schon mal bereut habe, anwortete er mit einem Augenzwinkern: “Eigentlich überhaupt nicht. Ich ich war damals ja schon 36, da wäre es ohnehin schwer gewesen, nochmal nach oben zu kommen.”

Fast hätt's ihn nochmal gereizt

Auch die Gedanken an einen Rücktritt vom Rücktritt sind fast nie auf gekommen. Fast deswegen, weil Alois Vogl bei einem Skitest für seinen damaligen Ausrüster beinahe nochmal Blut geleckt hätte. Aber alleine die Erinnerungen, welchen Aufwand das sowohl zeitlich als auch finanziell mit sich bringen würde, ließen diesen Gedanken ganz schnell wieder verschwinden.

Doch ganz hat Alois Vogl den Reiz, sich im Wettkampf mit anderen zu messen, nicht verloren. Er hat zwar die Sportart gewechselt und vergleicht sich auch nicht mehr mit den Besten der Welt, doch er sieht seine neue Leidenschaft Golf als “Ersatz für den früheren Wettkampfstress”. Er genießt jetzt, mit der Mannschaft des Further Golfclubs im Team Wettkämpfe zu bestreiten und nicht mehr alleine. Auch liebt es Vogl, wie “unglaublich komplex und technisch” diese Ballsportart ist.

Den Reiz des Golf macht für ihn aus, dass er den Sport schnell und gut gelernt hat. Wie gut er es mittlerweile beherrscht, sieht man auch an seinem Handicap. Mit -1,3 zählt er zu den Besten in Furth im Wald. Auch hier ist das Wettkampfherz von “Lois”, wie er im Team genannt wird, wieder aufgeflammt, denn es sei noch “viel Luft nach oben”. Parallelen und daher auch Gründe für den Erfolg in einer zweiten Sportart sieht er vor allem im mentalen Bereich. In beiden Disziplinen muss man sich über mehrere Stunden am Stück auf höchstem Niveau konzentrieren. Und das kann er, denn durch seine Erfahrung hat er sich “einen guten Kopf zugelegt”.

Auf die abschließende Frage, ob man Alois Vogl, in welcher Funktion auch immer, jemals wieder im Skisport finden würde, kam nur: ”Man sollte niemals nie sagen. Doch aktuell bin ich mit Familie, Beruf und Golf genug ausgelastet.”

 
 

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