Dem Amateurfußball fehlen immer mehr Schiedsrichter. Die Vereine sind in der Pflicht. Auch Spieler und Fans könnten ihren Teil beitragen. Denn oft mangelt es einfach an Respekt.

Nicht selten sind sie das Gesprächsthema nach dem Spiel, oft genug sind sie die Deppen vom Dienst. Und im besten Falle nimmt sie einfach keiner wahr: Schiedsrichter hatten es halt noch nie leicht. Wie oft wurden die Pfeifenden schon beschimpft und verwünscht. Nun aber wünschten sich viele, es gäbe mehr an der Pfeife - egal, ob Frauen oder Männer. Doch der Schiedsrichter ist eine aussterbende Spezies und vor allem der Amateur-Fußball bekommt das zu spüren.

"Ja, wir haben massive Nachwuchsprobleme - und die werden sich auch noch verschärfen", klagt Tobias Welck. Er ist Schiedsrichterobmann der Gruppe Straubing im Kreisverband Niederbayern Ost, doch mit dem Problem des Schiedsrichtermangels steht er nicht alleine da. Seit 2007 ist die Zahl der aktiven Schiedsrichter in Deutschland um rund 30 Prozent zurückgegangen. Waren es vor 14 Jahren bundesweit noch fast 80.000 Schiedsrichter, lag die Zahl vor Ausbruch der Corona-Pandemie gerade noch über 56.000. Die Zahlen lassen sich auf jede Region herunterbrechen.

Viele gehen, kaum einer kommt nach

"Und Corona hat das Ganze jetzt noch verstärkt", sagt Welck. Das belegen die deutschlandweiten Ausbildungszahlen. In den Vorjahren wurden stets über 6.500 Schiedsrichter ausgebildet. Im Corona-Jahr 2020 waren es nicht einmal mehr die Hälfte. Der Nachwuchs bleibt aus.

Schon jetzt müssen immer weniger Schiedsrichter immer mehr Spiele pfeifen, teilweise vier Partien am Wochenende, sagt Welck. Die Aufwandsentschädigung von 15 bis 20 Euro pro Partie inklusive der Fahrtkosten kann diesen Aufwand nicht abdecken. Nachvollziehbar, dass die Lust am Pfeifen verlorengeht, immer mehr Schiedsrichter hören immer früher auf. Die Corona-Pause hätten nun wieder viele zum Anlass genommen, aufzuhören, erklärt Welck: "Und jetzt trifft es uns gerade richtig hart."

Vor allem trifft es die Vereine. "Teilweise können wir in den unteren Ligen gar keine Reservespiele mehr besetzen", sagt der Obmann, "und das ist erst der Anfang." Einen Ausblick darauf, für welche Ligen bald keine Schiedsrichter mehr abgestellt werden, kann Welck auch schon geben.