Malaysia/Indonesien "Straße von Malacca": Ein Segelabenteuer von Singapur zur Andamensee

Unter vollen Segeln ist das historisch anmutende Schiff in der Andamensee unterwegs. Foto: Dr. Bernd Kregel

Frauen und Alkohol? Zumindest in der Öffentlichkeit war diese Kombination vor 100 Jahren vielerorts noch tabu. Bis einem Barkeeper in Singapur eine Erfindung gelang, die den Damen der feinen Gesellschaft ein unverhofftes süßes Geheimnis bescherte.

Auf der Grundlage von Beefeater Gin schüttelte er einen Cocktail aus dem Ärmel, der auf den ersten Blick als harmloser Fruchtsaft durchgehen konnte. Damit war der "Singapur Sling" geboren, der schon bald seinen Siegeszug antrat.

Noch heute kann diese süß-aromatischen Legende an ihrem Ursprungsort ausprobiert werden. Es ist die "Long Bar" des gerade renovierten Raffle's Hotels, einer weit über Südostasien hinaus bekannten Institution. Zum Ritual gehört auch ein prall gefülltes Säckchen ungeschälter Erdnüsse. Ist dies doch der einzige Ort im strengen Singapur, an dem die Schalenreste problemlos auf dem Fußboden entsorgt werden dürfen.

Unterwegs in Richtung Straße von Malacca

In der kleinen Marina Bay unweit des historischen Stadtkerns wartet bereits die "Star Clipper". Im Stil einer historischen Viermast-Barkentine ist sie unterwegs durch die Inselwelt Südostasiens. Ihr jetziges Ziel ist die Straße von Malacca, eine Meerenge zwischen der malaiischen Halbinsel und der indonesischen Insel Sumatra. Schon heißt es "Leinen los!", und angetrieben von warmen tropischen Winden gleitet der schmucke Viermaster in der Tradition der alten Clipper-Schiffe mit prallen Segeln hinaus aufs Meer.

Oder ist es die an Bord um sich greifende Ungeduld, die den Segler antreibt in Richtung Andamanensee? Aus dem Krähennest des Schiffes lässt sich diesem Ziel vortrefflich entgegen träumen. Und natürlich auch vom Bugspriet aus, wo ein über dem Wasser aufgespanntes Netz beim Geräusch der aufsprühenden Gischt zum Nachdenken anregt.

Zentrum des Gewürzhandels

Denn das Schiff ist unterwegs durch die einst gefürchtete Hochburg der Piraten, die in dem Gewirr von Inseln und Inselchen stets auf der Lauer lagen, um Beute zu machen. Besonders vor der Stadt Malacca, der einst durch einträglichen Gewürzhandel reichsten Stadt der Welt. Auch wenn Malacca die frühere wirtschaftliche Führungsposition längst eingebüßt hat, kann der Urlauber die einstige Sonderstellung beim Erkunden der traditionsreichen Altstadt mit ihren reich ausgestatteten Bürgerhäusern immer noch erahnen.

Ganz anders präsentiert sich die malaysische Insel Langkawi. Sie verfügt über einen landschaftlich reizvollen Naturpark, in dem Fledermäuse lässig von Höhlenwänden herabhängen, Seeadler kraftvoll durch die Lüfte kreisen und aufdringliche Affen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen. Ein Höhepunkt ist die "steilste Kabinenseilbahn der Welt", die die Besucher hinauf führt, in die spektakuläre Einsamkeit einer abgelegenen Gebirgslandschaft.

Karstfelsen bilden eine bizarre Märchenlandschaft

Langkawi bedeutet gleichzeitig auch das Ende des langen Anlaufs zur Andamanensee, dem Höhepunkt dieser abenteuerlichen Schiffsreise unter weißen Segeln. Denn schon beginnt mit dem Eiland Ko Adang auf thailändischer Seite eine bezaubernde Welt voller tropischer Überraschungen. Besonders die Bucht von Ao Phang Nga scheint mit ihrer spiegelglatten Wasseroberfläche einer anderen Sphäre zu entstammen. Ebenso wie der Ko Hoong-Archipel mit seinen verkarsteten Kalksteinkegeln, die hier wie in einer bizarren Märchenlandschaft die Fantasie anregen. Besonders an ihren unteren Rändern hat ihnen die ständige Erosion durch Wind und Wellen gewaltig zugesetzt. So entstanden im Verlauf der Jahrhunderte tiefe Höhlen im Kalkgestein. Zwar sind deren Eingänge von lang herabhängenden Stalaktiten gesichert, können aber dennoch von wendigen Booten passiert werden.

Ein Felsen avancierte zum heimlichen Hauptdarsteller

Den größten Leckerbissen in dieser Zauberwelt bietet der inzwischen zu legendärem Ruhm gelangte James-Bond-Felsen. Es ist eine steil aufragende Gesteinsformation, der einst in dem Film "Der Mann mit dem goldenen Colt" die Rolle eines Hauptdarstellers zufiel. Roger Moore höchstpersönlich hätte wohl heute seine Freude daran, den selbst ernannten Bond-Girls beim Posieren in die leuchtenden Augen zu schauen.

Ein Höhepunkt für die Urlauber ist auch der vom Meeresnationalpark Ko Similan aus stattfindende Schnellboot-Ausflug. Die Ausfahrt führt hinüber zu jenem Landstrich, dem die Tsunami-Flutwelle im Jahr 2004 erheblich zusetzte. Heute lässt eine romantische Bambusflora kaum noch Rückschlüsse auf die damalige Katastrophe zu. Die Gedanken daran kommen schon gar nicht auf, beim Anblick eines leicht manövrierbaren Bambusfloßes, das unter Licht durchfluteten Baumkronen und Bambusblättern ein munteres Flüsschen hinab gleitet.

Die Dickhäuter stecken an mit ihrer Gemütlichkeit

Auch ein in der Nähe errichtetes Elefanten-Camp erinnert ganz und gar nicht an den Schrecken, die eine aus den Fugen geratene Natur heraufbeschwor. Im Gänsemarsch ziehen die Dickhäuter hinunter zum Fluss, um sich geduldig und genüsslich im Wasser abschrubben und von zarten Händen streicheln zu lassen. Eine wunderbar entspannte Stimmung, die mit einem Zeichen des Mahuts, des Elefantenführers, viel zu früh zu Ende geht.

So wie auch die abenteuerliche Schiffsreise selbst, die in der Patong-Bucht der thailändischen Insel Phuket ihren jähen Abschluss findet. In einer Umwelt, die bei ächzenden Planken unter knatternden Segeln für kurze Zeit zu einer zweiten Heimat wurde. Schon gehen vom Ufer aus die neuen Gäste mit neugierigen Blicken in der Takelage des Clippers spazieren. Ob auch sie ihre Erfahrungen sammeln an der Tropical Bar des Schiffes bei einem Singapur Sling der Extraklasse?

Die Recherchereise wurde von Star Clippers-Kreuzfahrten unterstützt.

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