LiteraTour Ines Kiefl erklärt Schillers Drama "Die Räuber"

Die Erstausgabe von "Die Räuber" aus dem Jahr 1781. Foto: Wikipedia/H.P. Haack

Schuld und Gerechtigkeit - darum geht es in Friedrich Schillers Drama "Die Räuber". Die Germanistik-Studentin Ines Kiefl (22) aus Zandt im Landkreis Cham fasst die Lektüre in ihrer Serie "LiteraTour" zusammen. 

Darum geht’s: Der schreckhafte Graf von Moor – diese Eigenschaft wird ihm später noch zum Verhängnis – ist Vater von zwei Söhnen. Der erstgeborene, beliebte und vergebene heißt Karl und ist Alleinerbe. Er studiert in Leipzig. Franz, der jüngere Sohn, leidet an Minderwertigkeitskomplexen.

Wie es als Student so üblich ist, ist auch Karl während seiner Zeit in Leipzig völlig pleite. Er will seinem Papa per Brief um Vergebung bitten und kündigt an, bald nach Hause zurückzukommen. Diese Nachricht fängt Franz ab und fälscht einen Brief, in dem er seinen Bruder schlecht aussehen lässt: Schulden, Sex mit einer vergebenen Frau, Ermordung ihres Geliebten und die daraus resultierende Flucht. Der enttäuschte Vater überlegt, seinen Erstgeborenen zu enterben, wobei ihn der hinterlistige Franz natürlich sehr unterstützt.

Als Karl seinen Schicksalsbrief liest, sucht er verzweifelt nach Lösungen. Am plausibelsten erscheint ihm auf Anraten seines Freundes Moritz Spiegelberg – na klar, was sonst –, eine Räuberbande im böhmischen Wald zu gründen. Allerdings will die Mehrheit der Mitglieder Karl als Räuberanführer sehen, was sein Freund Spiegelberg nicht akzeptiert. Deshalb wird dieser von den Räubern umgebracht, weil er gegen Karl hetzt.

Der neue Räuberhäuptling Karl ist nicht nur beliebt, er ist auch verliebt – in seine Freundin Amalia, die daheim immer noch auf ihn wartet, den skandalösen Geschichten von Franz keinen Glauben schenkt und den lieben langen Tag nichts anderes tut, als ihre Liebe zu Karl zu bekunden. Und zwar so lange, bis Franz den Tod Karls verkündet. Denn dann trauert Amalia nur noch, während ihr Franz ständig auf die Pelle rückt. Der kleinere Bruder will schließlich all das haben, was dem großen Bruder gehört – man kennt’s ja. Der Vater von Franz und Karl, Graf von Moor, ist so über die Neuigkeit erschrocken, dass er fast stirbt, allerdings diesmal nur fast, sodass Franz ihn wegsperren kann, um ihn loszuwerden.

Währenddessen entpuppt sich Karl als überaus netter Räuberbursche. Als sich ein Neuzugang der Bande anschließen will, der von seiner Freundin Amalia erzählt, erinnert sich Karl auch an sie, vermisst sie und bekommt endlich den brillanten Einfall, sie zu besuchen. Er gibt sich allerdings verkleidet als Graf von Brand aus, weil er als Karl ja verstoßen wurde.

Der intrigante Franz erkennt seinen Bruder aber und will ihn von einem Diener töten lassen. Dieser weigert sich und erzählt Karl alles über die Intrigen seines Bruders. Franz plagt daraufhin ein Albtraum vom jüngsten Gericht. Getrieben von Schuldgefühlen und aus Angst, weil die Räuber das Schloss angreifen, erdrosselt er sich schließlich selbst.

Auch der befreite Vater stirbt vor Schock, als er erfährt, dass sein Sohn ein Räuberhauptmann geworden ist. Und zuletzt muss auch Amalia dran glauben. Die will kein Leben ohne ihren Karl führen und deshalb sterben, weil dieser aufgrund eines abgelegten Treueschwurs für immer bei den Räubern bleiben muss. Karl stellt sich nach all den Verlusten selbst der Justiz.

Das ist gemeint: Schillers Drama „Die Räuber“ handelt von Schuld und Gerechtigkeit. Der eifersüchtige Franz stirbt mit der Angst, dass sein Bruder sich rächen wird. Sein ausgefeilter Plan nützt ihm nichts mehr, denn Gewissensbisse treiben ihn in den Suizid. Der Vater scheidet vor Schock aus dem Leben, da er sich selbst die Schuld am Versagen der Karriere seines Sohnes gibt. Amalia bleibt sich selbst bis zum Ende treu. Sie bittet um den Tod und verlässt die Welt selbstzufrieden. Karl hingegen hat alles verloren, was ihm wichtig ist. Dadurch erkennt er, dass er als Räuber keine Zukunft hat. Also: Sei du selbst wie Amalia, vergleiche dich nicht ständig mit anderen wie Franz und gib dir nicht die Schuld am Verhalten anderer, wie es der Vater macht.

Wann es spielt: Das Drama „Die Räuber“ von Friedrich Schiller ist in großen Teilen der Strömung des Sturm und Drang (1767-1785) der aufklärerischen Epoche zuzuordnen, in der die Auflehnung gegenüber bestehenden Normen und der Einsatz von Gefühlen großgeschrieben wurden. Die Zeit des Sturm und Drang wird oft als Gegenbewegung zur vorherrschenden Aufklärung aufgefasst. So lässt sich Karl eindeutig als Stürmer und Dränger charakterisieren, da er sich in seinem Tun vom Herzen leiten lässt und sich am Schluss selbst stellt, anstatt den bestehenden Räuberpakt einfach hinzunehmen. Der hinterlistige Franz hingegen verkörpert typisch aufklärerische Eigenschaften, weil er durch seine rationale Denkweise intrigant handelt.

Hier gelagst du zur Freischreiben-Serie "LiteraTour", bei der Ines Kiefl erklärt, was uns Goethe, Schiller und Co. mit ihren Werken sagen wollen. Perfekt für alle, die keine Lust haben, die Lektüren aus dem Deutschunterricht selbst zu lesen.

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