Verkehrte Welt! Viele wichtige Indikatoren, welche die wirtschaftliche Entwicklung abbilden, geben zu denken. Die Pandemie holt zur vierten Welle aus, die Inflationsraten haben eine viele Jahre nicht mehr gekannte Höhe erreicht, die Industrie stöhnt unter Materialmangel, vor allem die Autohersteller können nicht mehr in vollem Umfang produzieren, weil ihnen an allen Ecken und Enden Chips fehlen.

Dass trotzdem die Börsenkurse von einem Höchststand zum anderen klettern, genauso, als stünde ein fulminanter Aufschwung bevor, erscheint vielen als rätselhaft. Und um die Verwirrung noch zu komplettieren, hat soeben die US-Notenbank beschlossen, ein Stück weit von ihrer ultraliberalen Geldpolitik abzurücken und die Anleihekäufe, mit denen sie die Wirtschaft jeden Monat mit vielen Milliarden Dollar neuen Geldes versorgt, schrittweise zurückzufahren. Eigentlich für alle Börsianer ein schlechtes Signal, weil sie die Liquidität auf den Märkten einengt.

Die Frage ist nun wirklich: Wie passt das alles zusammen? Mit der klassischen Volkswirtschaftstheorie ist dies in der Tat nicht schlüssig zu erklären. Da muss man schon einen ganz gehörigen Schuss Psychologie der an den Märkten handelnden Personen darunter mischen, frei nach dem großen Ökonomen Ludwig Erhard, der diesen Anteil am marktwirtschaftlichen Geschehen einst auf 50 Prozent veranschlagt hat.